Aller Anfang ist schwer: Wie mir eine Stillberatung half
Stillen

Aller Anfang ist schwer: Wie mir eine Stillberatung half

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, war mir eine Sache schon recht früh in der Schwangerschaft klar: Ich wollte auf jeden Fall stillen. Die Vorteile liegen ja klar auf der Hand, da gibt es keine zwei Meinungen: Stillen ist das Beste fürs Kind. Und für die Mutter. Zu den gesundheitlichen Vorteilen kommen auch noch die finanziellen Vorteile. Ganz abgesehen von den praktischen Gründen: Muttermilch ist immer dabei, immer richtig temperiert und sofort verfügbar. Wie das mit dem Stillen klappt, darüber machte ich mir keine Gedanken. Ich ging davon aus, dass das Kind auf die Welt kommt, angelegt wird und es dann halt einfach losgeht.

Wenn das Stillen nicht so klappt, wie es soll

Nun, das Kind kam auf die Welt und ich durfte es tatsächlich gleich anlegen. Wie im Geburtsvorbereitungskurs gelernt, machte mein Sohn, kaum dass er einige Minuten alt war, auch gleich Saugbewegungen mit dem Mund. Alles in Butter, dachte ich. Läuft.

Es lief nicht!

Die Dinge sind nicht immer so einfach, wie man denkt. Denn mein Sohn hatte den Dreh einfach nicht raus. Er nuckelte, aber er saugte nicht. Denn das, was sich in der Theorie so leicht anhört, ist in der Praxis nicht so einfach. Jedes Kind ist anders. Ich wollte aber unbedingt stillen und glücklicherweise hatte ich für die Geburt ein stillfreundliches Krankenhaus ausgewählt, in dem eine Stillberaterin angestellt war. Sie war sofort da und sehr engagiert – und statt vorschnell zu sagen „das Kind bekommt jetzt das Fläschchen“ nahm sie mich und meinen Wunsch zu stillen ernst. Immer und immer wieder übten wir das richtige Anlegen, motivierten wir meinen Sohn zum Saugen. Sie zeigte mir, wie ich abpumpe, damit er die wertvolle Vormilch bekommt. Die gaben mein Mann und ich ihm mit einer kleinen Spritze in den Mund. Ich erinnere mich noch, wie ich alle zwei Stunden mit der Milchpumpe da saß und unermüdlich pumpte, während mein Mann unseren kleinen Sohn auf dem Arm hatte und ihm Milliliter um Milliliter von der Vormilch einflößte. Ich erinnere mich auch noch, wie ich manchmal kurz davor war zu verzweifeln. Es war so viel schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte!

Wenn ich andere Mütter sah, wie sie ihr Baby anlegten und es einfach ohne Schwierigkeiten trank, dann packte mich der Neid und auch ein kleines bisschen Wut: Wieso konnte es bei mir nicht so einfach sein? Was machte ich falsch? Zum Glück hatten wir ein Familienzimmer und konnten in unserem kleinen Kokon sein, sodass ich nicht mit anderen stillenden Müttern konfrontiert wurde und mein Mann sich um das Füttern unseres Sohnes kümmern konnte, während ich pumpte und pumpte und mein Baby immer wieder anlegte.

Wertvolle Tipps einer Stillberaterin halfen

Immer, wenn ich zweifelte und haderte, baute mich meine Stillberaterin wieder auf. Sie machte mir Mut, erklärte mir, dass es nicht wenigen Kindern so geht. Sie gab mir wertvolle Tipps zum Stillen und Anlegen, sie motivierte mich, dranzubleiben. Und dann, nach drei Tagen, als bei mir der Milcheinschuss kam, da lief es auf einmal. Nicht nur die Milch. Da die Milch nun viel leichter floss, fiel es auch meinem Sohn viel leichter zu saugen. Anfangs schmerzte es, doch auch hier konnte mir die Stillberaterin helfen, indem sie mich zum richtigen Anlegen und zu verschiedenen Stillhaltungen beriet. Von ihr kam auch der Tipp, nachts im Liegen zu stillen – was ich heute immer noch mache! Das erleichtert so einiges und macht das nächtliche Stillen ertragbarer, da ich einfach weiterschlummern kann.

Mein Sohn und ich hatten nach den anfänglichen Problemen eine wunderbare, 14 Monate lange Stillbeziehung. Mein mittleres Kind saugte von der ersten Minute an kräftig und ich stillte meinen Sohn drei Jahre lang. Auch bei der kleinen Schwester brauchte ich keine Hilfe durch die Stillberaterin, das Stillen klappte ebenfalls problemlos. Sie ist jetzt zwei Jahre alt und ich stille sie immer noch.

Ich weiß nicht, ob das alles so gekommen wäre, wenn ich nicht diese unermüdliche Unterstützung durch die Stillberaterin gehabt hätte!

Eine Stillberaterin wird von der AOK Hessen übernommen und ist Teil der Zusatzleistungen im neuen Schwangerschaftspaket. Übrigens nicht nur, wenn es nach der Geburt mit dem Stillen nicht so klappt, wie es sollte, sondern während der ganzen Stillzeit!

Die Gastautorin Nathalie Klüver ist dreifache Mutter. Die Journalistin bloggt auf https://ganznormalemama.com/ über ihren turbulenten Familienalltag und hat mehrere Ratgeber für Eltern geschrieben. Tipps zum Thema Prävention von Burn-out gibt sie in ihrem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter“ (TRIAS Verlag).