Allergien: Die 6 häufigsten Auslöser
Volkskrankheit

Allergien: Die 6 häufigsten Auslöser

Ob Pollen, Hausstaub oder Tierhaare: Bei einer Allergie spielt das Immunsystem verrückt. Vor allem unsere Haut, die Atemwege, aber auch unser Magen reagieren mit unangenehmen Beschwerden auf die oft vermeintlich harmlosen Stoffe. Diese sechs Allergene gehören zu den häufigsten Auslösern von allergischen Reaktionen.

Fast jeder Dritte von uns leidet an einer Allergie. Meist erwischt uns, je nach Allergietyp, deren Auswirkung von einer Sekunde auf die andere. Allerdings reagieren wir nicht wirklich plötzlich. Bis sich die Beschwerden zeigen, hatte unser Körper schon mehrfach Kontakt mit dem Allergen. Für eine gewisse Zeit kann er den fremden Stoff jedoch neutralisieren. Doch irgendwann ist das Immunsystem so gereizt, dass es sich auf die vermeintlich gefährlichen Erreger stürzt. Die Folge: Wir fangen an zu schniefen oder atmen plötzlich schwer.

Was ist passiert? Eine eigentlich unbedenkliche Substanz hat einen starken Effekt auf unseren Körper. Er reagiert dabei überempfindlich auf alltägliche Dinge – wie Katzenhaare, Birkenpollen oder Staub. Bei den meisten Menschen unterscheiden Darm oder Lunge zielsicher zwischen harmlosen und bedrohlichen Stoffen. Bei Allergikern funktioniert dieses Zusammenspiel nicht.  

Allergien: Warum reagieren wir nur so gereizt?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf einen bestimmten Stoff, ein sogenanntes Allergen. Beim Kontakt mit ihm bilden die Immunzellen Antikörper und stufen ihn fälschlicherweise als gefährlich ein. Diese Antikörper setzen den Botenstoff Histamin frei, um den allergenen Stoff zu bekämpfen. Histamin wirkt entzündungsfördernd – schon nach kurzer Zeit löst es im umliegenden Gewebe allergische Reaktionen und Symptome aus.

Von Allergien betroffen sind oft Organe, die Berührungspunkte mit der Umwelt haben: Haut, Augen oder Nase. Nahrungsmittelallergien dagegen spürst du im Mund oder in Magen und Darm. Manchmal schwillt auch das Gesicht an.

Von Pollen über Milben bis zu Sonnenstrahlen: 6 häufige Allergene

Die Augen tränen, du bekommst schlecht Luft oder hast starke Bauchschmerzen – das sind die häufigsten Allergie-Auslöser:

Nummer 1: Pollen

Auslöser: Gräser- und Kräuterpollen oder Baumpollen von Hasel, Esche, Birke oder Erle. Besonders stark spüren Allergiker die Symptome zwischen April und August.

Symptome: Niesen, Schnupfen, brennende sowie juckende Augen und Atemnot. Etwa 20 Prozent der Menschen mit unbehandelter Pollenallergie entwickeln irgendwann Asthma. Deshalb raten viele Ärzte zu einer Hyposensibilisierung.

Ärztliche Behandlung: Eine kontrollierte Gewöhnung – durch die sogenannte Hyposensibilisierung – an die allergieauslösenden Substanzen. Medikamente blockieren die Wirkung des Botenstoffs Histamin. Einige machen allerdings auch müde, deshalb solltest du die richtige Einnahme mit dem Arzt absprechen.

Das kannst du selbst tun: Vor dem Schlafengehen die Haare waschen und bei geschlossenem Fenster schlafen. Stadtmenschen öffnen in der Pollensaison das Schlafzimmerfenster am frühen Morgen für ein paar Minuten. Wer auf dem Land lebt, lüftet in den Abendstunden – so nutzt man jeweils die Zeit, in der die Pollenbelastung am geringsten ist.

Nummer 2: Hausstaubmilben

Auslöser: Allergiker reagieren nicht auf den Staub selbst, sondern auf einen Bestandteil davon – die Ausscheidungen der Hausstaubmilbe.

Symptome: Ähnlich wie bei der Pollenallergie: Niesen, gerötete Augen, Atemnot. Das Allergen hat ganzjährig Saison. Besonders schlimm sind die Auswirkungen im Bett, denn die Milbendichte ist in Matratzen besonders hoch.

Ärztliche Behandlung: Eine kontrollierte Gewöhnung – durch die sogenannte Hyposensibilisierung – an die allergieauslösenden Substanzen erzielt meist eine leichte Verbesserung. 

Das kannst du selbst tun: Wasche deine Bettwäsche so oft wie möglich und lüfte sie gründlich. Verwende keine Tagesdecke, weil das Bett damit warm und feucht bleibt. Erneuere deine Matratze spätestens alle sieben Jahre. Vermeide Teppichböden und Staubfänger. Lüfte regelmäßig, am besten mehrmals täglich.  

Nummer 3: Nahrungsmittel

Auslöser: Bestimmte Lebensmittel verursachen eine Abwehrreaktion des Immunsystems. Oft sind dies Nüsse, Kuhmilch oder bestimmte Obst- oder Gemüsesorten. Wichtig: Eine Unverträglichkeit, wie die Laktoseintoleranz, ist keine Allergie.

Symptome: Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, Hautirritationen oder Kratzen im Hals, Gaumen oder Rachen.

Das kannst du selbst tun: Relativ simpel – das Allergen vermeiden. Bei der Selbstdiagnose ist ein Ernährungstagebuch sinnvoll. Betroffene mit starken (unter Umständen lebensbedrohlichen) Symptomen sollten ein Medikament zur Selbstinjektion bei sich tragen, falls sie das Allergen versehentlich zu sich nehmen.

Phänomen Kreuzallergie: Davon sind 90 Prozent der Allergiker betroffen, die an einer Pollenallergie leiden. Lebensmittel lösen allergische Reaktionen aus, die stark denen von Pollen ähneln. Häufig sind dies Äpfel, Pfirsiche oder Kirschen.

Nummer 4: Tierhaare

Auslöser: Genau genommen sind es nicht die Haare von Hunden oder Katzen, die Betroffenen zu schaffen machen. Vielmehr reagieren sie auf Proteinverbindungen im Speichel, in Hautschuppen und im Schweiß der Tiere.

Symptome: Ähnlich wie bei der Pollenallergie: Niesen, gerötete Augen, Atemnot. Sie treten auf, wenn der Allergiker Kontakt mit dem Tier hat. Manchmal genügt es auch, in einem Raum mit einem Tier zu sein.

Ärztliche Behandlung: Eine Hyposensibilisierung führt nicht unbedingt zum gewünschten Erfolg. Vorübergehend lindern Antihistaminika die Beschwerden.

Das kannst du selbst tun: Gehe den allergieauslösenden Tieren möglichst aus dem Weg. Daher solltest du eine Allergie ausschließen, bevor du dir einen Hund oder eine Katze anschaffst.

Nummer 5: Insektengift

Auslöser: Der Stich einer Wespe, Hummel, Biene oder Hornisse verursacht die allergische Reaktion. Oft tritt die Reaktion mit etwa 30 Minuten Verspätung auf.

Symptome: Sie reichen von leichten Schwellungen bis hin zu lebensbedrohlichen Schockreaktionen. Deshalb ist die Insektengift-Allergie wohl die gefährlichste.

Ärztliche Behandlung: Eine kontrollierte Gewöhnung, die sogenannte Hyposensibilisierung, wird von vielen Ärzten empfohlen. Betroffene sollten unbedingt Notfall-Medikamente (Kortison, Adrenalin-Spritze und Antihistaminika) bei sich tragen.

Das kannst du selbst tun: Insektensprays beugen vor, dennoch sind bei schweren Allergieformen die Notfall-Medikamente unbedingt notwendig.

Nummer 6: Kontaktallergene

Auslöser: Metalle (Nickel, Quecksilber), chemische Substanzen (in Kosmetik oder Reinigungs- und Waschmitteln), Pflanzen- oder Duftstoffe, die mit der Haut in direkten Kontakt kommen.

Symptome: Hautentzündungen, Ekzeme oder auch Niesanfälle und tränende Augen. Meist sind sie erst Stunden oder Tage nach dem Kontakt sichtbar.

Ärztliche Behandlung: Der Arzt macht einen Epikutantest. Dabei klebt er Pflaster mit Proben verschiedener Substanzen auf den Rücken. Da die Symptome bei der Kontaktallergie verzögert auftreten, bleiben die Pflaster für mehrere Tage auf der Haut.

Linderung bringen Salben und Cremes. Enthalten diese Kortison, sind sie zum Teil verschreibungspflichtig.

Das kannst du selbst tun: Das Allergen so gut es geht vermeiden. Schutzhandschuhe tragen und die Hände regelmäßig eincremen.

Die Allergieauslöser diagnostizieren – so hilft dir die Medizin

Vor allem in Industrieländern steigt die Zahl der Menschen, die von allergischen Reaktionen betroffen sind. Experten vermuten, dass unter anderem der Klimawandel eine Rolle spielt. Durch mildere Temperaturen fliegen Pollen länger durch die Luft. Auch die Lebensumstände entscheiden oft darüber, wie häufig wir Allergien entwickeln. Kinder aus ländlichen Regionen sind zum Beispiel seltener von Allergien betroffen als Stadtkinder.

Meist wenden Ärzte mehrere Methoden an, um ein Allergen zweifelsfrei zu bestimmen. Diese drei Tests haben sich bei der Diagnose bewährt:

Pricktest

Der Arzt tröpfelt Lösungen auf die Haut und ritzt diese leicht an. Die Flüssigkeit löst im Fall einer Allergie an der Stelle eine Reaktion aus. Ist man gegen einen Stoff nicht allergisch, passiert an den beträufelten Punkten nichts. Den Test bieten Hautärzte und Allergologen ambulant an.

Bluttest

Dem Patienten wird Blut abgenommen und im Labor nach Antikörpern vom Typ Immunglobulin E (IgE) untersucht. Dieser Antikörper ist verantwortlich für Allergien.

Provokationstest

Der Arzt verabreicht dem Patienten das Allergen und schaut, ob und wie er darauf reagiert. Die häufigsten Provokationstests führt der Allergologe an Mund, Augen oder Atemwegen durch. Tests für Nahrungsmittelallergien sind möglich, aber recht aufwändig.

Hyposensibilisierung: Gegen den Allergieauslöser immun werden

Allergien langfristig und ohne Medikamente loswerden – das schaffen viele Patienten mit der Hyposensibilisierung. Der Allergologe verabreicht dabei eine kontrollierte Menge des Allergens. So gewöhnen sich die Abwehrzellen an diese Allergene. Mit der Zeit toleriert der Körper die Substanz. Der Patient muss die Hyposensibilisierung allerdings für mehrere Monate in Folge und über mindestens drei Jahre hinweg durchführen.

Erste allergische Reaktionen – was nun?

Du hast den Verdacht, allergisch auf etwas zu sein? Schildere zunächst deinem Hausarzt deine Beschwerden. Nicht immer ist eine Allergie die Ursache für tränende Augen oder Magenschmerzen. Wichtig ist, eine genaue Diagnose zu bekommen – so kannst du reagieren und die richtige Therapie starten. Benötigst du einen medizinischen Rat? Unser kostenfreier Informationsservice AOK-Clarimedis berät dich als AOK-Versicherter telefonisch zu allen Gesundheitsfragen ­– rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr.

Gute Gesundheit und ein starkes Immunsystem wünscht dir deine AOK Hessen.