Anaphylaxie: Leben mit hochallergischem Kind
Körperwissen

Anaphylaxie: Leben mit hochallergischem Kind

Wenn das eigene Kind hochallergisch auf Nahrungsmittel oder Insektenstiche reagiert, sollten Eltern gut vorbereitet sein. Schnelles Handeln kann im Fall einer Anaphylaxie Leben retten. Doch auch Kinder können früh lernen, mit ihrer Allergie zurechtzukommen. Wir zeigen dir, wie du vorbeugen kannst und im Notfall richtig reagierst.

Anaphylaxie – was ist das eigentlich?

Stelle dir vor: Juckende Quaddeln breiten sich auf dem Körper deines Kindes aus. Seine Lippen und Augenlider schwellen an. Es erbricht, bekommt kaum Luft und wird schlimmstenfalls sogar bewusstlos. Ein Horrorszenario für Eltern. Wer einmal einen allergischen Schock erlebt hat, wird alles dafür tun, um einen solchen Notfall künftig zu verhindern.

Anaphylaxie ist eine schwere allergische Reaktion, die sofortiges Handeln erfordert. Eine pfeifende Atmung, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Schwindel bis hin zu Bewusstseinsverlust können Symptome einer Anaphylaxie sein. Von dieser spricht man auch, wenn mindestens zwei Organsysteme gleichzeitig betroffen sind: beispielsweise die Haut und die Atemwege oder der Magen-Darm-Trakt und das Herz-Kreislauf-System. Es gibt vier Schweregrade: Während bei Grad I leichtere Symptome wie Juckreiz oder Quaddeln auftreten, kann es bei Schweregrad IV zum Herzstillstand und zur Bewusstlosigkeit kommen. Ein solcher allergischer Schock ist lebensbedrohlich.

Die Hauptauslöser allergischer Reaktionen

Auslöser für anaphylaktische Reaktionen sind meist Nahrungsmittelallergene – allen voran Erdnüsse oder Baumnüsse wie Walnüsse, aber auch Hühnereier, Milcheiweiß oder Fisch. Bienen- bzw. Wespengift-Allergien, bestimmte Medikamente oder Röntgenkontrastmittel können ebenfalls eine Anaphylaxie auslösen. Während gegen Bienen- bzw. Wespengift-Allergien eine Desensibilisierung helfen kann, ist dies bei Nahrungsmittel-Allergenen nicht möglich. Hier bleibt nur die Option, den Auslöser so gut es geht zu meiden. Daher lautet die wichtigste Maßnahme: vorbeugen!

So gehst du Nahrungsmittel-Allergenen aus dem Weg

Gewöhne dir an, bei jedem Einkauf die Zutatenliste genau zu lesen: Selbst dann, wenn du das Produkt bereits kennst, denn Zusammensetzungen können sich ändern. Um sicherzugehen, meide auch alle Lebensmittel, die Spuren des Allergens enthalten können. Solange dein Kind noch klein ist, verbannst du am besten alle gefährlichen Nahrungsmittel aus dem eigenen Haushalt. Auch wenn es größer und verständiger wird, bewahre die Speisen mit und ohne Allergen räumlich getrennt auf. Eine Kennzeichnung der Produkte erleichtert deinem Kind die Auswahl: Ein grüner Punkt für erlaubte und allergenfreie Nahrung, ein roter für verbotene.

Manchmal genügen bereits kleinste Spuren des Allergens, um eine schwere Reaktion auszulösen. Bereite Nahrungsmittel mit und ohne Allergen daher stets getrennt zu. Verwende separate und saubere Schneidebretter, Gläser oder Messer, um eine versehentliche Kreuzkontamination auszuschließen.

Kindergarten, Schule und Freunde: Aufklärung ist wichtig

Ob im Kindergarten, in der Schule oder beim Besuch von Freunden: Menschen, die nicht selbst betroffen sind, können oft nur schwer nachvollziehen, was die Allergie für den Alltag bedeutet. Aufklärung ist daher wichtig. Informiere die Erzieher, Lehrer und andere Betreuungspersonen über die Allergie und zeige ihnen den Umgang mit den vom Arzt verschriebenen Notfallmedikamenten deines Kindes.

Geburtstagsfeiern, Familienfeste oder Klassenfahrten – damit dein Kind sich nicht ausgeschlossen fühlt, kläre am besten bereits vorher, ob ein allergenfreies Essen möglich ist. Ansonsten sorge vor und gib deinem Kind eine Alternative mit, die ihm schmeckt.

Auch wenn das Loslassen oft schwerfällt, dein Kind braucht Freiraum und muss lernen, mit seiner Allergie zu leben. Je älter es wird, desto mehr Eigenverantwortung kann es übernehmen: Beim Bäcker selbst nachfragen, ob das Brot Allergene enthält, die Zutatenliste im Supermarkt lesen – all das fördert seine Selbstständigkeit und Sicherheit im Umgang mit der Allergie.

Sinnvoll ist auch ein Anaphylaxie-Pass für dein Kind, in dem neben den Personalien auch die bekannten Allergieauslöser und die nötige Dosierung der Medikamente vermerkt sind.

Trotz aller Vorsicht – der Notfall tritt ein: Was tun?

Ruhe bewahren ist das oberste Gebot! Rufe bei den ersten Beschwerden die Notfallnummer 112. Weise darauf hin, dass dein Kind vermutlich eine anaphylaktische Reaktion hat.

Verabreiche ihm die vom Arzt verschriebenen und mit ihm besprochenen Notfallmedikamente. In der Regel ist das ein Adrenalin-Autoinjektor, der in die seitliche Außenseite des Oberschenkels verabreicht wird. Adrenalin stabilisiert den Kreislauf und wirkt innerhalb weniger Minuten. Zusätzlich enthält das Set meist ein entzündungshemmendes Kortisol-Präparat (je nach Alter des Kindes als Zäpfchen oder Saft) sowie ein Antihistaminikum gegen die Schwellungen und den Ausschlag. Falls dein Kind unter Asthma leidet, gehört auch ein bronchienerweiterndes Spray dazu. Eine schnelle Reaktion kann Leben retten!

Dein Kind sollte körperliche Anstrengung jetzt meiden. Wenn ihm schwindelig wird, hilft eine Stufenlagerung, d.h. dein Kind legt sich flach – mit erhöht liegenden Beinen – auf den Rücken. Sollte es unter Atembeschwerden leiden, bietet sich eine sitzende Position an. Falls dein Kind bewusstlos wird, bringe es in die stabile Seitenlage.

Häufig haben Kinder in einer solchen Situation Angst und sind sehr unruhig. Am besten nimmst du es dann auf den Arm.

Mit einer Nahrungsmittelallergie ist die Auswahl beim Kochen oft eingeschränkt. Lasse dir davon nicht die Freude am Essen verderben. Wusstest du schon, dass die AOK Hessen sich an den Kosten für eine Ernährungsberatung beteiligt?

Jede Menge Inspiration und Links zu Food-Blogs rund um das Thema Allergie findest du auch in unserem Artikel „Schluss mit Verzicht: kreativ kochen trotz Nahrungsmittelallergie“.

Du möchtest mehr über Anaphylaxie und Allergien wissen? Schaue dich doch mal auf der Seite des Deutschen Allergie- und Asthmabundes um. Hier findest du viele hilfreiche Informationen.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.