Babyleicht: Schwangerschaftsdiabetes kann behandelt werden
Warnzeichen/Krankheiten

Babyleicht: Schwangerschaftsdiabetes kann behandelt werden

Mitten in der Schwangerschaft sind plötzlich deine Blutzuckerwerte zu hoch. Was bedeutet das? Erstmal nichts Ungewöhnliches: Denn etwa fünf bis sechs Prozent aller werdenden Mütter sind von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen, Tendenz steigend. Die Diagnose ist unbequem, weil du dich für die restliche Schwangerschaft von deinem gewohnten Ernährungsplan verabschieden solltest. Gefährlich ist Gestationsdiabetes aber nicht – zumindest, wenn er gut behandelt wird. Worauf kommt es an?

Jede werdende Mama kann von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sein

Eine Schwangerschaft ist für deinen Körper ganz schön turbulent: Nicht nur, dass da ein kleiner Mensch (oder vielleicht auch Mehrlinge in dir wächst, du hast plötzlich nur noch Appetit auf Salziges oder kannst den geliebten Kaffee nicht mehr riechen. Dein Blutdruck steigt und deine Hormone fahren Karussell. Vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es zu einem schnellen Anstieg der Hormone. Sie geben dem Körper, in Form von Zucker, die benötigte Energie für die Versorgung und das Wachstum deines Babys. Durch diesen erhöhten Blutzuckerspiegel steigt auch dein Bedarf an Insulin. In manchen Fällen kommt der schwangere Körper da nicht mit. Ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft überhöht, entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes. Treffen kann es jede Schwangere, egal in welchem Alter, in welcher Lebenssituation oder körperlichen Verfassung. Daher ist es kaum möglich, einem Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. Lebst du gesund und aktiv, tust du schon viel, um ihn zu verhindern. Eine Garantie ist das aber leider nicht. Bist du stark übergewichtig, über 45 Jahre alt oder gibt es Vorerkrankungen in deiner Familie, dann solltest du von Beginn der Schwangerschaft an auf eine gesunde Ernährung achten. Auch das Team in deiner Frauenarztpraxis wird dich engmaschiger überwachen.

Gestationsdiabetes: Nur der Zuckertest für Schwangere deckt ihn auf

Woran erkennst du, ob du an einem Schwangerschaftsdiabetes erkrankt bist? Ohne einen Test beim Arzt im Grunde gar nicht. Es gibt eine Reihe von Symptomen. Diese ähneln aber sehr den üblichen Schwangerschaftsleiden, die du vielleicht schon kennst und die völlig harmlos sind. Dazu gehören starker Durst, Müdigkeit, Schwindel oder dass du häufig Wasser lassen musst. Stichhaltigere Symptome sind regelmäßige Harnwegsinfekte, aber auch wenn du extrem viel Fruchtwasser hast oder dein Baby außergewöhnlich schnell wächst. Diese Symptome können aber letztlich nur in deiner Arztpraxis oder von einem Geburtshelfer festgestellt werden.

Sicherheit gibt ein Blutzuckertest, der standardmäßig zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche bei allen Schwangeren durchgeführt wird. Besteht bei dir ein erhöhtes Risiko, hast du den Test vielleicht auch schon im ersten Trimester gemacht.

So läuft der orale Glukosetoleranztest auf Schwangerschaftsdiabetes ab:

  • Du trinkst ein Glas Wasser, in dem 50 Gramm Glukose aufgelöst sind.
  • Nach einer Stunde wird dir Blut abgenommen und der Blutzuckerspiegel gemessen.
  • Bei einem Wert unter 7,5 mmol/l (135 mg/dl) ist der Test unauffällig.
  • Liegt dein Blutzuckerwert darüber, bekommst du einen Termin für einen genaueren Test.

Zucker Messgerät

Schwangerschaftsdiabetes ist leicht zu behandeln

Wird der Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig erkannt und behandelt, besteht kein erhöhtes Risiko für dich und dein Kind. Als erste Maßnahme stellst du deine Ernährung um und senkst so deinen Blutzuckerspiegel. Lass dich dafür gut von deinem Arzt und einem Ernährungsexperten beraten. Auch unsere AOK-Ernährungskurse unterstützen dich dabei. Wahrscheinlich empfehlen sie dir, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu essen. Auf deinem Speiseplan sollten jetzt viel Gemüse und komplexe Kohlenhydrate wie Vollkorn stehen, dazu viel ungesüßte Flüssigkeit. Zucker ist nur noch in kleinen Mengen erlaubt.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen kommen nicht drumherum, sich Insulin zu spritzen. Aber keine Angst: Das schadet deinem Kind nicht. Bei Fragen kannst du dich jederzeit an dein ärztliches Fachteam wenden oder als AOK-Mitglied unsere telefonische Arzneimittelberatung in der Schwangerschaft zurate ziehen.

Bei hohem Blutzucker Ruhe bewahren – aber unbedingt reagieren

Ein Schwangerschaftsdiabetes ist keine schwerwiegende Komplikation. Dennoch solltest du die Diagnose nicht auf die leichte Schulter nehmen und dich genau an den Behandlungsplan deines Arztes halten. Bleibt dein Blutzuckerspiegel im kritischen Bereich, birgt das eine gewisse Gefahr.

Die Risiken von unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes:

  • Vermehrte Harnwegsinfektionen
  • Sehr hohe Blutzuckerwerte können zu Ohnmacht führen.
  • Hoher Bluthochdruck kann eine Frühgeburt auslösen.
  • Es kann in seltenen Fällen zu einer Präeklampsie kommen. Das ist eine Vorstufe der lebensgefährlichen „Schwangerschaftsvergiftung“ – der Eklampsie oder des HELLP-Syndroms.
  • Zu viel Fruchtwasser steigert das Risiko eines vorzeitigen Blasensprungs.
  • Ist das Neugeborene sehr groß und schwer, verkompliziert sich der/beeinträchtigt das den Geburtsverlauf. Das Kind hat außerdem ein erhöhtes Risiko für Gelbsucht.
  • Dein Kind wird nicht ausreichend versorgt, dadurch sind seine Lungen möglicherweise nicht optimal ausgereift.
  • Das Baby leidet nach der Geburt an einer Unterzuckerung.
  • Mutter und Kind haben ein leicht erhöhtes Risiko, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Tschüss, Schwangerschaftsdiabetes: Das passiert nach der Geburt

Wenn sich nach der Geburt dein Hormonhaushalt wieder beruhigt, verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes in der Regel von selbst. Ist dein Gewicht unbedenklich, kannst du wieder wie gewohnt essen und musst auch kein Insulin mehr spritzen, falls das nötig war. Möglicherweise hat sich allerdings dein Risiko erhöht, dass du später in deinem Leben an Diabetes Typ 2 erkrankst. Du solltest daher regelmäßig deine Blutwerte kontrollieren lassen. Mit einer gesunden Ernährung kannst du das Risiko für Diabetes Typ 2 verringern. Ein Kind erhält einen zusätzlichen Schutz vor Diabetes, wenn es lange gestillt wird – idealerweise bekommt es sechs Monate lang ausschließlich Muttermilch. Beachte auch, dass dein Baby nach der Geburt eine intensivierte Betreuung benötigt – beispielsweise sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden. Auf eine Hausgeburt oder ein Geburtshaus sollten werdende Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes deshalb möglichst verzichten.

Mit gutem Gefühl durch die Schwangerschaft

Auch ohne Diabetes sind viele Schwangere unsicher, was sie essen dürfen. Käse, Wurst, abgepackte Salate – welche Lebensmittel sind erlaubt und welche nicht? Möchtest du es ganz genau wissen, kannst du gerne unsere Experten am Baby-Telefon oder in unseren Ernährungsforen fragen. 

Wir wünschen dir, dass du deine Schwangerschaft gesund und zufrieden erlebst. Deswegen haben wir dir ein umfangreiches Schwangerschaftspaket geschnürt, das dich rundum unterstützt. Auch in unserer App „AOK Schwanger“ findest du einen kompetenten Begleiter für diese aufregende Zeit.

Eine schöne Schwangerschaft und gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.

 

Bitte beachte: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit solltest du stets auch mit deinem Arzt und deinem Geburtshelfer besprechen.