Eine Mutter umarmt ihr Baby.
Schwangerschaft & Stillzeit

Bonding: So wichtig ist Hautkontakt für dein Baby

Der erste Hautkontakt: Dieser wundervolle Moment bindet das neugeborene Baby und die neuen Eltern ganz eng zusammen. Er hilft dabei, ein starkes, vertrauensvolles Verhältnis zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um die Minuten nach der Entbindung. Bonding prägt eure Beziehung im ganzen ersten Lebensjahr und darüber hinaus.

Bonding: Emotionales Band zwischen Eltern und Kind

Es ist einfach magisch, wenn dein Baby das erste Mal in deinem Arm liegt. Es spürt deine Haut, hört deinen Herzschlag, atmet deinen Geruch ein und erkennt die Stimmen von Mama und Papa. Dabei knüpft ihr als Familie ein inniges Band, das euch ein Leben lang verbindet. Bonding (englisch „Verbindung“) nennt sich dieses intensive Kennenlernen – bei dem du deinem Baby durch ganz viel Hautkontakt zeigst, dass es auf der Welt willkommen ist.

Euer Bonding ist aber nicht auf diesen einen Moment beschränkt: Im gesamten ersten Lebensjahr lernt dein Kind, wie sehr du es liebst. Du hast als Elternteil also noch genügend Zeit, deinem Kind Geborgenheit zu vermitteln – durch Kuscheln, Massagen, Zuwendung und Blickkontakt. So wird eure Beziehung wachsen und gedeihen. Auch wenn die ersten Stunden nach der Geburt ganz anders verlaufen, als du es dir ausgemalt hast.

Darum tut die frühe Bindung deinem Baby so gut

Bei liebevollen Berührungen schüttet der Körper Oxytocin aus, dieses wird daher auch „Kuschelhormon“ genannt. Seine Wirkung: Es beruhigt und entspannt das Baby und reduziert seinen Stresspegel. Das ist auch der Grund, warum kleine Kinder meist aufhören zu schreien, wenn du sie in den Arm nimmst. Eine Studie des Max-Planck-Instituts hat sogar gezeigt, dass frühe elterliche Fürsorge das Oxytocin-System von Kindern dauerhaft nach oben reguliert. Dadurch fällt es den Kindern leichter, sich mit anderen zu verbinden, Urvertrauen zu entwickeln und später stabile Beziehungen aufzubauen.

Auch für die Körperfunktionen des Babys ist Bonding wichtig: Eine schwedische Forschergruppe fand heraus: Neugeborene, die Bindung erfahren, haben bessere Blutzuckerwerte und eine gesündere Körpertemperatur als Babys, die von den Eltern getrennt waren. Auch die Atmung und die Verdauung regulieren sich bei Säuglingen, die regelmäßigen Hautkontakt haben, besser. Sie schlafen ruhiger, weinen nicht so oft und tun sich beim Saugen an der Brust leichter.

Ein Vater umarmt sein neugeborenes Baby.

Bonding: Mamas und Papas profitieren ebenfalls

Genau wie für das Neugeborene ändert sich auch für die Eltern mit der Geburt alles. Die ausgiebige Kuschelzeit erlaubt es allen, sanft im neuen Lebensabschnitt anzukommen. Papas haben jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit, sich dem Kind ganz nah zu fühlen. Um das Baby mit seiner Stimme und seinem Geruch vertraut zu machen, kann er es sich auf die Brust legen oder beim Stillen die Füßchen oder Hände streicheln. So merkt das Kleine, dass auch er eine wichtige Bezugsperson ist, der es vertrauen kann.

Nicht nur Babys produzieren beim Bonding Oxytocin: Durch den engen Körper- und Blickkontakt wird das Hormon bei der Mutter in großen Mengen freigesetzt. Und das ist wichtig, denn Oxytocin hilft dabei, die Milchproduktion anzuregen und die Milchgänge der Brust zu verengen. So verläuft das Stillen einfacher und die Mutter gibt das „Kuschelhormon” direkt weiter an das Baby. Außerdem zieht sich die Gebärmutter zusammen – das ist gut für die gesunde Rückbildung. Mütter, die genügend Oxytocin produzieren, haben außerdem weniger Nachblutungen.

Für die Psyche der Mutter ist das Bonding genauso wichtig: Studien haben gezeigt, dass ein gelungenes Bonding postpartalen Depressionen vorbeugen kann. Was sich dabei auch zeigt: Je mehr Haut- und Blickkontakt Mütter zu ihrem Baby haben, desto intensiver entwickelt sich ihre Beziehung zu ihm.

Bonding und Kaiserschnitt – so holst du das Kuscheln nach

Bonding ist nicht auf die Zeit kurz nach der Geburt beschränkt ist – und doch ist Hautkontakt von Anfang an für den Neuankömmling wichtig. Wird die Mutter noch medizinisch versorgt, kann sich auch der Vater das Baby auf die nackte Brust legen und so eine erste Verbindung herstellen. Heutzutage finden die meisten Kaiserschnitte ohne Vollnarkose statt, sodass die neuen Mamas nach wenigen Stunden schon mit dem Baby kuscheln können. Dafür gibt es sogar spezielle Bonding-Tücher – frag deine Hebamme am besten schon vor dem Eingriff danach. Ist die Mama nicht fit genug für den ersten Hautkontakt, hilft es der Verbindung schon, wenn sie mit dem Kind spricht.

Ganz wichtig: Mach dir keine Sorgen, dass das erste Kennenlernen nicht so läuft wie geplant. Der Kontakt in den ersten Stunden ist zwar ideal, kann aber durch liebevolle Zuwendung in den folgenden Lebensmonaten nachgeholt werden.

Familien, die eine Geburt ohne Bonding-Möglichkeit erleben, können den besonderen Moment nachholen: Beim Re-Bonding baden sie das Baby und legen es sich dann nass auf die Brust. So können Mutter und Neugeborenes die Zeit kurz nach der Geburt ganz bewusst nachempfinden. 

Mutter-Kind-Bindung beginnt schon vor der Geburt

Bonden geht übrigens bereits im Bauch: Denn das Baby spürt deine Berührung, hört deine Stimme oder schöne Musik und ist entspannt, wenn auch du zur Ruhe kommst. Du kannst dich jetzt schon darüber informieren, wie die Krankenhäuser in deiner Nähe das Bonding gestalten, ob es Familienzimmer gibt oder wie der Ablauf bei einem Kaiserschnitt ist. Frag vor Ort oder bei deiner Hebamme nach, ob dort ruhige Zimmer mit warmem Licht zur Verfügung stehen und wie wichtig Ärzten und Pflegekräften euer ungestörtes Kennenlernen ist.

Trau dich außerdem ruhig, deine Wünsche und Erwartungen an den Ablauf in den ersten Stunden nach der Geburt zu formulieren. Auch dem Partner und Verwandten gegenüber. Es ist völlig in Ordnung, wenn ihr erst einmal als kleine Familie – ohne Besuch – zusammen sein möchtet.

Das Beste für dein Baby – wir unterstützen dich

Ob Bilderbuchstart ins gemeinsame Leben oder nicht: Du bist eine gute Mama oder ein liebevoller Papa. Ganz gleich, für welche Geburtsmöglichkeit ihr euch entscheidet und wie ihr euch kennenlernt. Selbst wenn das Bonding mit dem Neugeborenen zu kurz kommt, werdet ihr in den nächsten Monaten noch ganz viel Zeit haben, eure Beziehung zu stärken. Wir unterstützen dich dabei – zum Beispiel mit unserer Stillberatung. Du möchtest nach der Geburt etwas für dich und deinen Körper tun? Dann bist du bei unseren Rückbildungskursen herzlich willkommen.

Übrigens: Unseren Mitgliedern bieten wir eine ganze Reihe von Zusatzleistungen rund um Schwangerschaft und Geburt an. Möchtest du nach der Geburt deine Ruhe haben, um den Nachwuchs ungestört kennenzulernen? Das verstehen wir. Gerne übernehmen wir deswegen die Kosten eines Familienzimmers.

Eine schöne Kennenlernzeit wünscht dir deine AOK Hessen.