Junge Frau sitzt auf dem Sofa und hält sich den Unterbauch.
Facharztwissen

Darmerkrankungen: Das kann hinter deinen Beschwerden stecken

Verursacht der Verdauungstrakt Probleme wie Verstopfung, Krämpfe oder Stuhlveränderungen, können viele Ursachen dahinterstecken: Von harmlosen Infekten bis zu ernsten Krankheiten. Erfahre, welche Erkrankungen es gibt und wie sie sich diagnostizieren und behandeln lassen.

Fast jeder hatte schon einmal Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall – meist sind solche Darmbeschwerden unangenehm, aber nicht gefährlich. Sie werden etwa durch Stress, ungewohnte Lebensmittel, Medikamente oder einen Infekt ausgelöst. Dann helfen pflanzliche Mittel, Tees, Schonkost und Entspannung. Spätestens nach einigen Tagen fühlst du dich dann wieder wohl.

Regelmäßige Darmbeschwerden ernst nehmen

Treten die Symptome jedoch immer wieder auf, können Unverträglichkeiten, funktionelle Darmerkrankungen wie das Reizdarmsyndrom oder chronische Krankheiten die Ursache sein. Zu letzterem gehören beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, bei denen sich Teile des Darms immer wieder entzünden.

Im höheren Alter steigt auch das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Dieser entwickelt sich meist symptomfrei und wird dadurch zu spät erkannt. Daher ist es sinnvoll, ab dem Alter von 50 Jahren Vorsorgeangebote wahrzunehmen:

  • Zwischen 50 und 54 Jahren: Tests auf verstecktes Blut im Stuhl (1 x jährlich)
  • Frauen ab 55 und Männer ab 50: Darmspiegelung (2 x alle 10 Jahre)
  • Ab 55: Stuhluntersuchung (alle 2 Jahre, wenn keine Darmspiegelung gemacht wurde)

Wie äußern sich Darmerkrankungen?

Die Symptome der verschiedenen Krankheiten ähneln sich. Das macht es nicht leicht, sie einzuordnen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

  • Blähungen
  • Bauchschmerzen und Krämpfe im gesamten Bauchbereich
  • Verstopfung oder Durchfall – auch im Wechsel
  • Veränderter Stuhl oder Stuhlunregelmäßigkeiten
  • Aufgeblähter Bauch

Zur Unterscheidung: Erbrechen, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch deuten eher auf Erkrankungen im Magen hin. Auch hier gilt: Klingen die Beschwerden nicht von selbst ab, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Dein Darm ist ein bis zu sechs Meter langer Muskelschlauch, der an unterschiedlichen Stellen Sorgen machen kann: Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn sind große Teile des Darms entzündet, auch der After kann betroffen sein. Darmkrebs oder gutartige Tumore und Divertikel sitzen meist im Dickdarm. Bei einer Blinddarmentzündung ist der Wurmfortsatz des Darms entzündet und Unverträglichkeiten oder ein Reizdarm betreffen die Schleimhaut im Dünndarm.

Bei Beschwerden im Darm richtig reagieren

Treten ein oder mehrere Symptome über mehrere Wochen auf, ist der Gastroenterologe der richtige Ansprechpartner. Er befragt dich ganz genau zu deinen Beschwerden, führt eine Endoskopie oder einen Ultraschall durch und lässt Stuhl- und Gewebeproben untersuchen. Unverträglichkeiten wie eine Laktoseintoleranz kann er über einem H2-Atemtest erkennen, bei Verdacht auf eine Allergie kommt ein Prick-Test zum Einsatz. Wichtig: Mit einigen Symptomen musst du sofort in ärztliche Behandlung. Dazu gehören Schmerzen mit hohem Fieber, Blut im Stuhl oder ein brettharter Bauch. Erbrechen, Bauchschmerzen, ein stark geblähter Bauch und fehlender Stuhlabgang können auf einen Darmverschluss hindeuten – auch hier solltest du schnellstmöglich ärztliche Hilfe suchen.

Junge Frau sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Toilette.

Krankheiten im Verdauungstrakt – so lassen sie sich einteilen

Mit einigen Erkrankungen kämpfen Betroffene ein Leben lang, andere sind akut oder lassen sich gut behandeln. Hier erfährst du alles über Ursachen, Symptome und mögliche Therapien:

Erkrankungen durch Nahrungsmittel

Dazu zählen vor allem Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten. Beides wird im Sprachgebrauch oft gleichbedeutend verwendet – dabei unterscheiden sich die Erkrankungen in Ursachen und Symptomen.

  • Lebensmittelallergien

Lebensmittelallergien sind durch das Immunsystem hervorgerufene Überempfindlichkeitsreaktionen auf Nüsse, bestimmte Obstsorten oder andere Lebensmittel. Meist treten sie beim Verzehr auf, können aber auch über die Atemwege oder Hautkontakt hervorgerufen werden. Die Reaktion zeigt sich sofort oder spätestens innerhalb einer Stunde.

Symptome: Schwellungen, Rötungen oder Ausschläge am ganzen Körper, Anschwellen der Mundschleimhäute, Luftnot oder Schmerzen sowie Darmbeschwerden wie Durchfall. In seltenen Fällen kann es auch zu Blutdruckabfall und Kreislaufstillstand kommen.

Therapie: Das allergieauslösende Lebensmittel vermeiden. Bei Restaurantbesuchen kann dies schwierig werden und die Lebensqualität einschränken. Zudem sollten Betroffene immer ein Notfallset mit Kortison und Adrenalin bei sich haben. Auch Antihistaminika schwächen die Allergiesymptome – sie verhindern, dass das körpereigene Histamin an den Rezeptoren andocken kann.

  • Unverträglichkeiten

Unverträglichkeiten werden nicht durch das Immunsystem ausgelöst. Vielmehr kann der Organismus bestimmte Bestandteile der Nahrung nicht verdauen – zum Beispiel Laktose, Gluten oder Fruchtzucker. Die Reaktion tritt oft erst nach mehreren Stunden auf.

Symptome: Neben typischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen leiden manche Betroffene auch unter Migräne, Ekzemen oder chronischem Schnupfen.

Therapie: Nahrungsmittel, die Unverträglichkeiten auslösen, vermeiden. Allerdings vertragen viele Betroffene eine kleine Menge davon – sie können sich an die vom Körper tolerierte Menge herantasten.

Ein Sonderfall ist die Zöliakie, bei der die Darmschleimhaut durch die Aufnahme von Gluten stark geschädigt wird – sie ist keine Glutenunverträglichkeit, sondern eine Autoimmunerkrankung. Betroffene müssen eine strikte glutenfreie Diät halten.

  • Funktionelle Darmerkrankung: das Reizdarmsyndrom

Die häufigste funktionelle Darmerkrankung ist das Reizdarmsyndrom. Seine Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Bei einigen Betroffenen ist der Verdauungstrakt besonders reizempfindlich, sodass Darmgase oder Kontraktionen Beschwerden verursachen. Bei anderen lösen bestimmte Nahrungsmittel die Beschwerden aus – und auch die Psyche kann eine Rolle spielen. Das Reizdarmsyndrom ermitteln Ärzte mittels einer Ausschlussdiagnose – für Betroffene oft ein langer, beschwerlicher Weg.

Symptome: Typischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen.

Therapie: Vielen Betroffenen hilft eine FODMAP-arme Ernährung, bei der sie auf vergärbare Kohlenhydrate verzichten. Auch Probiotika, Entspannungsübungen oder Ballaststoffe wie Flohsamen können sich positiv auswirken.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

So bezeichnet man wiederkehrende oder dauerhaft entzündliche Erkrankungen des Darms – die beiden häufigsten sind Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn. Für beide gilt: Der Alltag von Betroffenen ist oft eingeschränkt, auch weil die Beschwerden immer noch tabuisiert sind.

  • Morbus Crohn

Bei dieser Erkrankung ist die Darmwand betroffen, die Entzündungen sind oft von gesunden Abschnitten unterbrochen. Die Ursachen von Morbus Crohn sind nicht geklärt. Mediziner gehen davon aus, dass der Körper gegen sein eigenes Immunsystem arbeitet. Die Krankheit tritt in Schüben auf.

Symptome: Die Beschwerden reichen von typischen Darmproblemen bis zu Fieber, ständiger Erschöpfung, entzündlichen Hautveränderungen, Gelenkschmerzen und Gewichtsverlust.

Therapie: Bei leichten Verläufen können Durchfall- oder Schmerzmedikamente Linderung bringen. Schwere Schübe müssen mit Kortison oder Immunsuppressiva behandelt werden. Generell raten Ärzte zu einer vollwertigen, fett- und zuckerarmen Ernährung.

  • Colitis Ulcerosa

Entzündet ist vor allem die Darmschleimhaut des Dickdarms. Das betrifft aber „nur“ die Schleimhaut, nicht die tieferen Schichten der Darmwand. Wie die Erkrankung entsteht, wissen Experten nicht genau – das Zusammenspiel von Immunsystem, Darmflora und Darm scheint gestört zu sein. Auch Colitis Ulcerosa tritt in Schüben auf.

Symptome: Andauernder schmerzhafter Stuhldrang, viele Stuhlentleerungen täglich, starke Krämpfe und (blutige) Durchfälle.

Therapie: Leichte Schübe lassen sich mit dem Medikament Mesalazin behandeln. Bei schweren Verläufen helfen Infusionen mit Kortison. Viele Patienten versuchen, die schubfreie Phase mit Probiotika, Flohsamenschalen, Kurkuma oder Stressreduzierung zu verlängern.

Akute Entzündungen im Darm

Entzündungen der Schleimhaut durch Viren oder Bakterien verschwinden meist nach ein paar Tagen von selbst. Anders sieht es aus, wenn Darmausstülpungen oder der Blinddarm betroffen sind:

  • Divertikulitis

Viele Menschen haben Ausstülpungen im Darm, sogenannte Divertikel. In den meisten Fällen bereiten sie keine Probleme. Bei etwa fünf Prozent entzünden sie sich irgendwann – dann spricht man von einer Divertikulitis.

Symptome: Starke Unterbauchkrämpfe, meistens auf der linken Seite, Durchfall oder Verstopfung, gelegentlich Fieber.

Therapie: Bei leichten Verläufen genügt es, auf flüssige Nahrung umzustellen. Ist die Entzündung ausgeprägt, sollten sich Betroffene ein Antibiotikum verschreiben lassen. Wird die Divertikulitis chronisch, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.

  • Appendizitis (Blinddarmentzündung)

Bei einer Blinddarmentzündung entzündet sich der Wurmfortsatz, ein Anhängsel des Blinddarms. Dieser verkümmerte Fortsatz hat nur eine dünne Öffnung zum Blinddarm hin. Wird diese verstopft, etwa durch Kotreste, vermehren sich Darmbakterien und begünstigen eine Entzündung.

Symptome: Schmerzen im rechten Unterbauch, Appetitlosigkeit, starke Übelkeit, Fieber.

Therapie: Es besteht die Gefahr, dass sich ein Eiterherd bildet oder sich die Bauchhöhle entzündet – beides kann lebensgefährlich werden. Bei Verdacht auf eine Appenizitis musst du daher unbedingt ins Krankenhaus. Dort wird sehr wahrscheinlich der entzündete Darmabschnitt operativ entfernt.

Darmtumore und Vorstufen

Bösartige Tumore im Dick- oder Mastdarm entwickeln sich meist aus gutartigen Wucherungen (Polypen). Da vor allem ältere Menschen solche Polypen entwickeln, ist für sie die Darmkrebsvorsorge wichtig. Darmkrebs kann aber auch erblich bedingt sein – wer Erkrankungen in der Familie hat, beginnt in Absprache mit seinem Arzt schon früh mit der Vorsorge.

Symptome: Darmkrebs verläuft lange symptomfrei, das macht ihn so gefährlich. Hat sich der Tumor entwickelt, ist der Stuhl blutig, es treten abwechselnd Verstopfung und übelriechende Durchfälle auf.

Therapie: Wird Darmkrebs frühzeitig entdeckt, ist er oft heilbar – dann schneiden Chirurgen den betroffenen Teil des Darms heraus.

Darmbeschwerden müssen dir nicht unangenehm sein

Der Darm spielt eine wichtige Rolle für deine Gesundheit, er beeinflusst sogar deine Psyche. Deshalb solltest du wiederkehrende Darmprobleme ernst nehmen und mit deinem Arzt über sie sprechen. Das muss dir nicht unangenehm sein – denn genau dafür ist dein Gastroenterologe ausgebildet. Und auch, wenn du keine Beschwerden hast: Mit einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung stärkst du deine Darmflora und fühlst dich rundum wohl – unsere Ernährungsexperten unterstützen dich gerne dabei.

Gut zu wissen: Mit unserem Gesundheits-Check hast du deine Darmgesundheit im Blick und erkennst Krankheiten frühzeitig. Und falls du bei einer ernsten Diagnose Zweifel hast, unterstützen wir dich auch dabei, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Eine gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.