Mann nutzt eine Faszienrolle für seine Waden.
Daily Fit

Faszientraining: Lassen sich Verspannungen wegrollen?

Faszien führten als Teil des Bindegewebes lange ein Schattendasein. Seit ein paar Jahren jedoch liegt es im Trend, sie mit Rollen und Bällen zu bearbeiten. Fast jedes Fitnessstudio hat entsprechende Workouts im Programm. Das Versprechen der Hersteller und Kursanbieter: Die Übungen sollen Verhärtungen der Muskeln lösen und das Gewebe geschmeidig halten. Hier erfährst du, wie Faszientraining funktioniert und wann es sinnvoll ist.

Gesunde Faszien: Schutz für Gelenke und Organe

Faszien kannst du dir wie eine Hülle für Muskeln und Organe vorstellen. Als dünne, weiße Schicht liegen sie zwischen Unterhautfettzellen und Muskulatur und durchziehen den ganzen Körper wie ein Geflecht. Ihre festen, dichten Kollagenfasern bilden mit reißfesten Strängen einen Schutzwall. Gleichzeitig sorgen weiche Elastinfasern und Lymphflüssigkeit dafür, dass die Muskelfasern und Organe sich geschmeidig bewegen können. Gesunde Faszien halten den Körper innerlich zusammen und schicken Informationen über Bewegungsabläufe an unser Gehirn. Außerdem besitzen sie empfindliche Sensoren – mit denen sie Schmerzen ans Gehirn melden. Daraus schließen Sportwissenschaftler, dass muskuläre Schmerzen gar nicht im Muskel selbst, sondern in den Faszien entstehen könnten

Durch falsche Belastung oder Bewegungsmangel verdrehen oder verhärten sich die Faszien. Das spüren wir dann als Verspannung oder Muskelschmerz, etwa am Rücken oder im Knie. Da die Faszien wie eine Kette miteinander verbunden sind, kann der Schmerz allerdings an einer ganz anderen Stelle auftreten – etwa an inneren Organen wie Magen, Darm oder Blase, die ebenfalls Teil des Fasziennetzes sind

Faszientraining – wie funktioniert das Workout fürs Bindegewebe?

Die Idee ist simpel: Das Bindegewebe soll sich lockern, indem wir es durch Druck und Bewegung stimulieren. Das bekannteste Tool dafür ist die Faszienrolle aus Kunststoff, die es in verschiedenen Härtegraden gibt. Du bewegst verspannte Körperpartien wie Rücken, Po oder Oberschenkel über die Rolle hinweg. Über dein Körpergewicht wird so Druck auf die Faszienstränge aufgebaut – dabei wird Flüssigkeit aus ihnen herausgepresst. Die Strukturen entspannen und lösen sich. Die Faszien können anschließend neue Feuchtigkeit aufnehmen und bleiben elastisch

Faszienrolle und Co.: Wie wirksam ist das Training?

Immer wieder melden sich Kritiker der Workouts zu Wort. Die Methode sei nicht wissenschaftlich bewiesen, die Forschung stecke noch in den Kinderschuhen. Wir haben uns die Fakten angeschaut:

  • Beweglichkeit: Faszientraining kann die Durchblutung fördern und den Stoffwechsel im Bindegewebe unterstützen. Damit verbessert sich die Beweglichkeit von Muskeln und Gelenken. Jedoch: Der Effekt hält nur, solange der Muskel ausreichend bewegt wird.
  • Muskelkater: Sportwissenschaftler sind überzeugt, dass sich Muskelkater durch regelmäßiges „Rollen“ mildern lässt. Generell hilft es nach intensiven Sporteinheiten, die beanspruchten Muskeln mit einer Faszienrolle zu lösen. Das sei effektiver als eine herkömmliche Massage.
  • Verhärtungen: Wer sich regelmäßig bewegt, tut damit etwas für seine Faszien. Denn dadurch werden diese weicher – Verhärtungen haben es schwerer. Experten raten, Faszientraining mit anderen Workouts wie Yoga oder Pilates zu kombinieren. Denn ein effektives Training umfasst nicht nur das Bindegewebe, sondern auch die Muskulatur.
  • Rückenschmerzen: Verhärtete Faszien können Druck auf Nervenenden ausüben und so Probleme verursachen. Regelmäßiges Training mit der Faszienrolle lindert die Beschwerden am Rücken. Ärzte raten allerdings, bei starken Schmerzen nur unter Anleitung eines Physiotherapeuten zur Rolle zu greifen.
  • Verklebungen: Für die Theorie, dass Faszien „verkleben“ und dadurch Schmerzen verursachen, gibt es keine Belege

Unser Fazit: Es spricht bei gesunden Hobbysportlern nichts gegen das Training mit der Rolle. Allerdings ist es nicht der einzige Weg, etwas für seine Faszien zu tun. Auch wippendes, langsames Dehnen, Hüpfen oder Springen hat einen ähnlichen Effekt. Fest steht aber: Wer monoton trainiert, etwa stundenlang Rennrad fährt, sollte sich auch um seine Faszien kümmern. Denn diese einseitigen Bewegungen senken den Wassergehalt im Bindegewebe

Equipment: So findest du die passende Faszienrolle

Je härter die Rolle ist, desto schmerzhafter ist das Training am Anfang. Steige deshalb mit einer weichen Rolle ein und taste dich an eine härtere langsam heran. Noppen und Rillen sorgen für einen zusätzlichen Massageeffekt – nach Meinung von Experten spricht nichts gegen eine solche Rolle. Hast du dich schon einmal gefragt, wozu die kleinen Faszien-Bälle gut sind? Mit ihnen lassen sich bestimmte Schmerzpunkte, beispielsweise an der Wirbelsäule, gezielt behandeln. Wichtig: Wähle nicht die billigste Faszienrolle aus – für ein qualitativ hochwertiges Modell musst du mit 20 bis 30 Euro rechnen

Faszien-Übungen: So kannst du das Training gestalten

Probier einfach selbst aus, wie sich das Workout mit der Rolle anfühlt – und ob es dir guttut. Wir haben drei effektive Übungen für dich zusammengestellt

Vorweg: Führe die Bewegungen nur in eine Richtung aus – und zwar zum Herzen hin. Und: Von schmerzhaftem Training raten Experten ab. Falls es sich nicht gut anfühlt, wechsle lieber zu einer anderen Übung. Am sinnvollsten ist das Faszientraining nach einer Sporteinheit – etwa nach dem Joggen oder einer Radtour. Los geht’s!

Für den oberen Rücken und Nacken:

  1. Drücke Faszienrolle oder Ball mit dem Rücken im Stehen gegen die Wand.
  2. Gehe langsam etwas in die Knie und richte dich wieder auf.
  3. Wiederhole die Übung etwa 3-5 Minuten lang.

Für das Gesäß:

  1. Setz dich in einer aufrechten Position auf der Faszienrolle und stütze dich seitlich mit den Händen ab.
  2. Laufe jetzt mit den Füßen langsam vor und zurück.
  3. Wiederhole die Übung etwa 3-5 Minuten lang

Für den unteren Rücken:

  1. Setz dich auf den Boden und winkle die Beine an.
  2. Positioniere die Rolle unter der Lendenwirbelsäule, lehne dich zurück und stütze dich mit den Händen ab.
  3. Bewege die Rolle langsam zur Brustwirbelsäule hin und wieder zurück.
  4. Wiederhole die Übung etwa 3-5 Minuten lang.

Langfristig gesund bleiben: Bewegung gehört dazu

Vielleicht ist Faszien-Training ja auch etwas für dich. Versuch es einfach mal – mit unserem Gesundheitskurs Faszien-Fit. Dich zieht es eher ins Wasser? Dann passt unser Aquafitness-Angebot zu deinen Bedürfnissen. Natürlich ist es auch vollkommen in Ordnung, wenn du dich lieber allein bewegst: Mach zum Beispiel jeden Abend einen langen Spaziergang oder fahr mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.