Mutter mit Frühchen auf der Brust
Baby

Frühchen: So unterstützt du dein Baby bestmöglich

Werdende Eltern sind auf vierzig Wochen freudige Erwartung eingestellt. Aber was, wenn dein Kind deutlich vor dem errechneten Termin auf die Welt kommt? Fest steht: Damit bist du nicht allein – etwa jedes zehnte Baby ist eine Frühgeburt. Und sie sind bei dir und auf Frühgeborenen-Stationen in besten Händen.

Während der Schwangerschaft wächst und entwickelt sich dein Baby Woche für Woche weiter. Das Gehirn, das Nervensystem und die Organfunktionen reifen heran. Kommt ein Kind zu früh auf die Welt, wird dieser Prozess unterbrochen. Dein Baby braucht dann eine besonders intensive Pflege und medizinische Unterstützung. Denn der Organismus des Kindes soll sich so gut weiterentwickeln, wie innerhalb der Gebärmutter.

Wann ist ein Baby ein Frühchen?

Damit ein Frühchen optimal betreut wird, schauen die Ärzte genau auf sein Alter: Besonders viel Unterstützung brauchen Babys, die vor der 29. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren werden. Ihr Gewicht liegt meist unter 1.000 Gramm. Dank der modernen Medizin haben die Winzlinge aber schon ab der 23. SSW gute Chancen zu wachsen und zu gedeihen. Späte Frühgeborene kommen zwischen der 34. und 37. SSW zur Welt. Sie wirken oft „nur“ besonders zart. Auch Kinder, die nach der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, können zu früh dran sein. Wiegt dein Baby trotz termingerechter Geburt weniger als 2.500 Gramm, zählt es als Frühgeburt – und du kannst einen verlängerten Mutterschutz von zwölf Wochen beanspruchen.

Wie wird ein Frühchen vorsorgt?

Die Extra-Fürsorge beginnt schon im Kreißsaal: Dort steht ein Team aus Ärzten und Pflegern bereit, um das Frühgeborene in Empfang zu nehmen. Sie bringen ein fahrbares Wärmebett oder einen Brutkasten mit, in dem sich dein Baby geborgen fühlt. Auf der Neugeborenen-Intensivpflegestation (NIPS) schauen die Pfleger ganz genau hin, was dein Frühchen braucht. Elektroden auf der Brust messen die Sauerstoffsättigung und die Blutzuckerwerte deines Babys. Außerdem wird ihm regelmäßig Blut abgenommen. So können Ärzte schnell eingreifen, wenn es unterstützt werden muss, beispielsweise bei einer Infektion. Auf jeden Fall wird das Kind warm eingepackt, damit es seine Temperatur hält und sein Kreislauf stabil bleibt. Kann dein Neugeborenes noch nicht selbst atmen, bekommt es Hilfe von außen, bis seine Lunge reif genug ist. Vielleicht reicht schon eine Beatmungsmaske, eventuell muss das Baby aber auch vorübergehend durch einen winzigen Schlauch in der Lunge beatmet werden. Ganz kleine Frühchen können oft auch noch nicht so gut selbst ihre Nahrung aufnehmen. Sie erhalten dann eine Magensonde, bis sie stark genug sind, um zu trinken.

Für Eltern sind die ersten Eindrücke und die medizinischen Abläufe auf der Neugeborenen-Intensivstation oft alles andere als einfach. Viele ungewohnte Regeln, Vorschriften und Abläufe müssen eingehalten werden. Das erste Kennenlernen des Kindes findet nicht in einer behaglichen Situation statt, sondern in einer Umgebung aus hochspezialisierter Technik und medizinischen Geräten.

So kannst du dein Frühchen unterstützen

Auf der NIPS herrscht Tag und Nacht ein reges Alltagstreiben. Die Lichter und Geräusche empfinden viele Neugeborene als störend. Und auch für dich als Elternteil ist das sicher eine herausfordernde Situation. Zumal du vielleicht eine weite Anfahrt oder ältere Kinder hast und nicht so oft bei deinem Baby sein kannst, wie du es dir wünschst. Hab deswegen kein schlechtes Gewissen: Es ist wichtiger, die vorhandene Zeit gut zu nutzen, als dass du immer da bist.

Pfleger betreut Baby im Brutkasten

Das tut deinem Baby jetzt gut:

  • „Känguruhen“ hat einen nachweislich positiven Effekt auf das Neugeborene: Leg es dafür, nur mit der Windel bekleidet, auf deine nackte Haut. Die Nähe beruhigt und unterstützt seine Entwicklung. Das kleine Herz schlägt stabiler, das Baby lernt schneller, seine Körpertemperatur zu halten, und auch die Gehirnaktivität wird stimuliert.
  • Muttermilch hilft Neugeborenen. Vor allem die erste Milch, das sogenannte Kolostrum, ist ein echter Immun-Boost für dein Kind. Wenige Tropfen pro Mahlzeit reichen für den winzigen Magen.
  • Eine Begrenzung im Bettchen vermittelt Geborgenheit, beispielsweise, indem die Füßchen mit einer eingerollten Decke gestützt werden. Auch eine Aufnahme von Mamas Herzschlag geben dem Baby das Gefühl, zu Hause zu sein.
  • Gegen störende Lichter kann der Brutkasten eventuell zeitweise mit einem Tuch abgedeckt werden. Besprich dich dazu mit dem Klinikpersonal.

Vergiss nicht, auch für dich selbst zu sorgen: Nimm Hilfe an, wo du kannst, und sprich offen mit dem Pflegepersonal.

Der beste Start für dein frühgeborenes Baby zu Hause

Kann dein Kind selbstständig atmen, seine Körpertemperatur halten und trinken, darfst du es mit nach Hause nehmen. Oft ist es ungefähr um den ursprünglichen Entbindungstermin soweit. Stillst du dein Frühchen, könnte es sogar schon früher die Klinik verlassen. Manchmal brauchen frühgeborene Babys auch zu Hause noch ein bisschen mehr Unterstützung. Es kann also sein, dass ein Monitor noch für ein paar Wochen die Vitalwerte deines Kindes kontrolliert. 

Bald stehen schon die ersten U-Untersuchungen für dein Baby an. Versuche, diese Termine entspannt anzugehen: Es ist völlig normal, dass sich manche Frühchen langsamer entwickeln – in den meisten Fällen gleicht sich das bis zum Grundschulalter ganz von selbst aus. Manchmal wird das Frühgeborene vom Arzt etwas genauer beobachtet und braucht eventuell eine Physio- oder Ergotherapie.

Eine frühe Geburt kann belastend sein

Viele Frauen machen sich Vorwürfe, wenn ihre Schwangerschaft zu früh endet. Ein guter Arzt nimmt ihnen diese Selbstzweifel – denn meist lässt sich eine Frühgeburt nicht verhindern. Die Ursachen sind unterschiedlich und komplex: Der Gebärmutterhals hat sich verkürzt oder Infektionen, Nieren- oder Herzleiden lösen die Frühgeburt aus. Kommt das Baby zu schnell nach seinem älteren Geschwisterchen, war der Körper möglicherweise noch nicht bereit für eine erneute Schwangerschaft. Auch bei Mehrlingen ist eine frühe Geburt wahrscheinlicher als bei einem Kind.

Gut zu wissen: Diabetes oder Bluthochdruck können ein Risikofaktor sein – regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind deshalb wichtig. Nimmst du sie wahr, tust du bereits viel für die Gesundheit deines Babys. Mit „AOK-Priomed“ bieten wir dir ein Programm zur Prävention von Frühgeburten, bei dem du besonders umfassend betreut wirst. Der Arzt erkennt Vorerkrankungen und weiß, wie Betroffene sich am besten verhalten. Wenn sich dein Kind sehr wahrscheinlich früher auf den Weg macht, kannst du vielleicht auch schon die Neugeborenen-Intensivpflegestation einer Klinik besuchen. Vielen Frühchen-Eltern hilft das, sich auf die kommende Situation vorzubereiten. Eine Anlaufstelle dafür ist der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“.

Absolut keinen Spielraum gibt es bei Alkohol und Zigaretten: Beides ist immer eine Gefahr für das Baby und muss in der Schwangerschaft unbedingt vermieden werden.

Deine AOK beantwortet alle Fragen rund um Geburt und Baby

Egal, ob zu früh oder am errechneten Termin: Eine Geburt stellt deinen Alltag immer auf den Kopf. Das Leben mit Baby ist zwar wunderschön – aber manchmal eben auch anstrengend. Damit du gut zurechtkommst, greifen wir dir gerne unter die Arme. Eine Stillberatung beantwortet deine Fragen: von Saugschwierigkeiten bis Stillpositionen. In unserem Expertenforum findest du kompetente Ansprechpartner für alles, was dir auf dem Herzen liegt.

Gute Gesundheit für dich und dein Baby wünscht dir deine AOK Hessen.