Frühling ohne Schniefen: Heuschnupfen erkennen und richtig behandeln
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Frühling ohne Schniefen: Heuschnupfen erkennen und richtig behandeln

Jeder Vierte in Deutschland reagiert allergisch auf Pflanzenpollen. Falls du dazugehörst, solltest du unbedingt einen guten Allergologen aufsuchen. Der weiß, welche Therapie für dich die richtige ist – und stellt sicher, dass sich die Symptome nicht verschlimmern.

Wenn du an Heuschnupfen leidest, vermiesen Pollen oft die schönsten Tage im Jahr. Doch das muss nicht sein: Erfahrene Mediziner können Heuschnupfen mittlerweile gut therapieren –Ansprechpartner sind HNO-, Lungenfacharzt, Kinder- oder Hautarzt. Im ersten Schrittmuss das auslösende Allergen gefunden werden. Auch einen chronischen Schnupfen sollte ein Facharzt ausschließen. Ist die Diagnose „Pollenallergie“ bestätigt, behandelst du mit deinem Arzt die Ursache.

Heuschnupfen: Darum ist eine schnelle Diagnose wichtig

Bleibt der Heuschnupfen über Jahre unbehandelt, breiten sich die Symptome oder Ursachen häufig weiter aus. In der Folge reagieren Betroffene auf immer mehr Pollenarten oder vielleicht auch auf Hausstaubmilben. In etwa 40 Prozent der Fälle findet auch ein sogenannter Etagenwechsel statt. Das bedeutet, dass sich die Entzündungen von den oberen auf die unteren Atemwege ausweiten. Die Folge: allergisches Asthma entsteht.

Manche Menschen merken nicht sofort, wie stark sie die Erkrankung im Alltag einschränkt. Schnupfen und tränende Augen bringen sie mit der Pollenallergie in Verbindung – nicht aber, dass sie müde und abgeschlagen sind oder unter Kopfschmerzen leiden. Dabei können auch diese Symptome durch eine Pollenallergie ausgelöst werden. Um diese einzuordnen und richtig zu behandeln, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen und eine Anamnese machen lassen.

Oft genügen ein paar kleine Stiche – so testet der Allergologe

Bevor dein Arzt einen Allergietest durchführt, schilderst du ihm deine Beschwerden im Detail. Vielleicht schaut er sich auch mit einem Endoskop an, ob deine Nasenschleimhäute geschwollen sind. Hier sieht er schon erste Hinweise, ob du an Heuschnupfen leidest.

Hat die Anamnese kein eindeutiges Ergebnis geliefert, kann ein sogenannter Prick-Hauttest folgen. Dabei tröpfelt der Behandler etwaige Allergieauslöser in einer konzentrierten Lösung auf deinen Unterarm und führt sie mit einer Nadel unter die Haut. Bist du gegen einen der Stoffe allergisch, rötet sich dein Arm an dieser Stelle oder fängt an, stark zu jucken. Bist du gegen eines der Konzentrate nicht allergisch, passiert nichts.

Stimmt der Hauttest mit der Anamnese und dem endoskopischen Befund überein, genügt das für eine sichere Diagnose. Alternativ kann der Arzt auch dein Blut untersuchen. Denn für die Pollenallergie ist ein bestimmter Antikörper verantwortlich – das Immunglobulin E (IgE). Findet sich dies in deinem Blutbild, bist du allergisch.

Gar nicht so einfach bei Heuschnupfen: Allergieauslöser vermeiden

Die Diagnose Allergie steht fest? Naheliegend wäre es, sich von den Auslösern fernzuhalten. Bei Heuschnupfen ist das schwierig. Denn die Pollen sind nicht nur in Parks und Wäldern in der Luft. Auch in der Stadt setzen sie sich unbemerkt in Kleidung und Haaren fest.

Mit ein paar einfachen Tricks erleichterst du dir allerdings den Alltag. Etwa, indem du dich nach dem Pollenflug- und Wetterbericht richtest. Ist eine hohe Konzentration der Pollen vorhergesagt, vermeidest du möglichst Aufenthalte im Freien. Deine Outdoor-Aktivitäten planst du, wenn weniger Allergieauslöser unterwegs sind. Das ist beispielsweise nach starkem Regen der Fall.

Medikamente

Pollenallergie medikamentös behandeln – die wichtigsten Arzneimittel im Überblick

Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen – zusammen mit deinem Allergologen besprichst du, welche Medikamente deine Beschwerden lindern. Sie alle bekämpfen nicht den Heuschnupfen selbst, sondern unterdrücken unangenehmen Symptome wie verstopfte Nasen oder Dauerniesen. In unserem Überblick stellen wir die wichtigsten vor:

  • Antihistaminika: Bei einer allergischen Reaktion schüttet der Körper den Botenstoff Histamin aus, um sich gegen vermeintliche Eindringlinge zu wehren. Denn das Immunsystem von Allergikern unterscheidet nicht zwischen gefährlichen und harmlosen Stoffen. Histamin wirkt entzündlich und löst Symptome wie geschwollene Schleimhäute aus. Antihistaminika blockieren die Andockstellen des Histamins – und mildern dadurch seine unangenehmen Auswirkungen. Es gibt sie als Tabletten oder Tropfen zum Einnehmen, als Tropfen für die Augen oder die Nase. Sie wirken alle schnell, etwa 30 Minuten nach der Anwendung. Der Effekt hält bis zu 48 Stunden an. Antihistaminika sind frei in der Apotheke erhältlich. Sie sind gut verträglich und helfen bei mittelschweren Beschwerden.
  • Dekongestiva: Diese Nasensprays lassen die Nasenschleimhaut und die Nebenhöhlen abschwellen. Allerdings eignen sie sich nicht für eine dauerhafte Therapie. Denn sie sorgen schnell dafür, dass du dich an sie gewöhnst. Nach einiger Zeit wirken sie dann nicht mehr effektiv. Manchmal lösen sie Nasenbluten aus, wenn du sie über einen längeren Zeitraum anwendest. Ärzte empfehlen daher, sie nicht länger als eine Woche am Stück zu nutzen – auch wenn sie rezeptfrei erhältlich sind. Eine nebenwirkungsfreie Alternative sind Nasenspülungen mit einer Kochsalzlösung. Sie sind einfach zu handhaben und für wenig Geld in jeder Apotheke oder in der Drogerie erhältlich.
  • Cromone: Wie Antihistaminika verhindern sie, dass entzündliche Botenstoffe freigesetzt werden. Sie werden auch Mastzellstabilisatoren genannt, weil sie diese Zellen davon abhalten, Histamin auszuschütten. Sie sind in Form von Augentropfen oder Nasensprays erhältlich und wirken erst nach etwa einer Woche. Bereits vorhandene Beschwerden lindern sie nicht. Da sie nicht so effektiv wie Antihistaminika sind, spielen sie für viele Allergiker keine große Rolle. Du erhältst sie rezeptfrei in der Apotheke.
  • Kortison: Das körpereigene Hormon wirkt entzündungshemmend und kann bei starken Heuschnupfen-Beschwerden in Form von Nasen- oder Halssprays verordnet werden. In der Regel erfolgt das aber nur, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft– oder durch einen Etagenwechsel die Bronchien mitbetroffen sind. Von Kortison-Tabletten oder Spritzen gegen allergische Beschwerden raten Ärzte generell ab. Sie können bei dauerhafter Anwendung müde machen oder zu Hautproblemen führen.

Hyposensibilisierung – der einzige Weg, die Ursachen zu bekämpfen

Die Hyposensibilisierung ist die einzige Möglichkeit, die Pollenallergie loszuwerden. Bei der Behandlung gewöhnt der Arzt dein Immunsystem langsam an den Allergieauslöser. Durch den ständigen Kontakt gewöhnt sich der Körper an das Allergen und wehrt es nicht mehr oder wenigstens nicht mehr so stark ab.

Der Allergologe spritzt zu Beginn eine geringe Dosis, um den Körper nicht zu sehr zu reizen. Dann erhöht er die Menge kontinuierlich. Die Abwehrzellen gewöhnen sich an das Allergen und mit der Zeit toleriert der Körper die Substanz.

Langfristig lindert die Prozedur die Beschwerden bei etwa 80 Prozent der Pollenallergiker – setzt aber viel Geduld voraus. Die Hyposensibilisierung müssen Betroffene mindestens drei Jahre lang für jeweils vier Monate durchhalten. Ob die aufwendige Therapie für dich infrage kommt, wägst du zusammen mit deinem Arzt ab.

Informieren, abwägen, entscheiden: Die richtige Therapie finden

Jeder Allergiker erlebt seinen Alltag mit Heuschnupfen anders. Deshalb gibt es nicht den einen, richtigen Weg. Wichtig ist, eine Diagnose zu erhalten und gemeinsam mit einem erfahrenen Arzt eine maßgeschneiderte Behandlung zu finden. Dürfen wir dich dabei unterstützen? Wir helfen dir gerne mit unserer Facharztsuche. Außerdem steht dir der Informationsservice AOK-Clarimedis zu allen medizinischen Themen zur Verfügung – rund um die Uhr und kostenfrei. Betroffene, die ein allergisches Asthma entwickelt haben, unterstützen wir mit dem Behandlungsprogramm Asthma Bronchiale.

Gute Gesundheit und ein starkes Immunsystem wünscht dir deine AOK Hessen.