Ältere Frau mit Brille sitzt auf dem Sofa und schaut auf den Laptop
Körperwissen

Herpes Zoster: Wenn Windpocken ein Nachspiel haben

Herpes Zoster gilt als Seniorenkrankheit – dabei kann die Gürtelrose alle Menschen treffen. Schuld an dem schmerzhaften Hautausschlag ist das Windpocken-Virus: Es schlummert im Körper und wird bei Jüngeren vor allem durch Stress aktiviert. Wer die Krankheit und ihre Auslöser kennt, kann sich schützen.

Zu viel Stress: Risikofaktor für die psychische und körperliche Gesundheit

Ein anspruchsvolles Projekt im Job, kranke Angehörige oder ein Umzug: Stressige Phasen durchläuft im Alltag jeder. Hält die Belastung aber über eine längere Zeit an, kann sie krank machen. Oft ist es dann die Psyche, die leidet – die Folgen können Depression, Burn-out, Schlaf- oder Angststörungen sein.

Negativer Stress beeinträchtigt aber auch den Körper: Die Stresshormone schwächen das Immunsystem, sodass es sich nicht mehr wie gewohnt gegen Erreger wehren kann. Wer ständig unter Anspannung steht, ist öfter erkältet und infiziert sich leichter mit Viren. Auch Herpes Zoster, vielen als Gürtelrose geläufig, kann durch Dauerstress ausbrechen. Weitere Risikofaktoren sind ein hohes Lebensalter, Traumata, UV-Strahlung oder eine Abwehrschwäche aufgrund von Chemotherapie oder HIV.

Was ist Gürtelrose – und was hat sie mit Windpocken zu tun?

Das auffälligste Merkmal der Infektionskrankheit ist ein schmerzhafter Ausschlag, der meist an einer Seite an Rumpf oder Brustkorb auftritt. Auch die Arme, der Kopf oder das Gesicht sind manchmal betroffen. Oft bilden sich Bläschen, deren Anordnung an ein Band oder den namengebenden Gürtel erinnert. Verantwortlich für die Gürtelrose ist das Varizella-Zoster-Virus – das gleich zwei Krankheiten auslöst: Zuerst bekommen Betroffene im Kindesalter die meist harmlosen Windpocken. Sind diese abgeheilt, verschwinden die Viren nicht ganz, sondern schlummern in den Nervenwurzeln des Rückenmarks. Gegen ein starkes Immunsystem sind die Viren machtlos – im Alter, oder wenn die Abwehr geschwächt ist, können sie sich jedoch erneut vermehren. Sie wandern nach außen auf die Haut und lösen dort Entzündungen aus – Herpes Zoster entsteht.

Herpes Zoster: Symptome und Verlauf

Schon bevor sich der Hautausschlag bildet, fühlen sich Betroffene müde und energielos. Typisch sind auch leichtes Fieber und ein Kribbeln unter der Haut. Zwei bis drei Tage später kommen stechende, starke Schmerzen an den betroffenen Stellen dazu. Die Haut rötet sich und innerhalb von zwölf bis 24 Stunden bilden sich juckende Bläschen. Nach etwa fünf Tagen platzen die Blasen, es entstehen gelbliche Krusten. Verläuft die Gürtelrose komplikationslos, heilt sie innerhalb von vier Wochen völlig aus. Die Gefahr, jemanden anzustecken, ist recht gering. Die Viren werden nicht über Tröpfchen, etwa Niesen oder Husten, übertragen. Nur der direkte Kontakt mit der Bläschen-Flüssigkeit ist infektiös.

In seltenen Fällen verläuft die Gürtelrose, ohne dass sich ein Ausschlag oder Bläschen bilden – das macht es schwer, sie zu erkennen. Treten die Schmerzen am Brustkorb auf, werden die Symptome dann oft mit einem Herzinfarkt verwechselt. Über verschiedene Labortests und Ausschlussverfahren erfolgt letztendlich die richtige Diagnose.

Gürtelrose: Diese Komplikationen können auftreten

Wenn sich die Bläschen auf der Stirn oder Kopfhaut gebildet haben, kann der Erreger in seltenen Fällen die Gesichtsnerven lähmen oder die Binde- und Hornhaut angreifen. Ist das Ohr betroffen, kann Schwerhörigkeit oder wiederkehrender Schwindel eine Folge sein.

Eine schmerzhafte Folgeerkrankung der Gürtelrose bei älteren Patienten sind anhaltende Nervenschmerzen, weit über die Dauer der Gürtelrose hinaus. Diese treten als bohrender Dauerschmerz, kurze Schmerzattacken oder Berührungsschmerz auf. Diese sogenannte Post-Zoster-Neuralgie wird leider oft chronisch und ist dann schwer zu behandeln – deshalb ist eine frühe Diagnose und Behandlung so wichtig.

Gürtelrose behandeln: Eine frühzeitige Therapie ist wichtig

Um Komplikationen zu verhindern, sollten Betroffene so schnell wie möglich zum Arzt – möglichst innerhalb von 72 Stunden nachdem die ersten Symptome auftreten. Dieser setzt antivirale Medikamente ein, um die Vermehrung der Viren zu unterdrücken. Eine solche Behandlung verkürzt die Erkrankung und beugt Komplikationen vor. Auch Schmerzmittel und Cremes gegen den Juckreiz machen den Verlauf erträglicher. Da die Gürtelrose oft durch zu viel Stress ausgelöst wird, unterstützen Ruhe und Entspannung den Heilungsprozess.

Gut zu wissen: Menschen ab 50 Jahren, die schon Windpocken hatten, können sich gegen Herpes Zoster impfen lassen. Die Schutzwirkung liegt zwar nur bei etwa 50 Prozent – die Impfung wird aber von der STIKO empfohlen, da sie für einen milden Verlauf sorgt und das Risiko der langanhaltenden Nervenschmerzen verringert.

Ältere Frau dehnt sich auf Yogamatte

Damit du gesund bleibst: Dauerbelastung vermeiden

Ständige Überforderung löst nicht nur Viruserkrankungen wie Herpes Zoster aus: Sind Stresshormone wie Cortisol auf Dauer erhöht, steigt der Blutdruck – und somit auch das Risiko, für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im schlimmsten Fall droht ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Leber reagiert ebenfalls auf Cortisol, sie lagert mehr Fett ein – die Folge sind erhöhte Leberwerte. Auch der Magen spielt bei Dauerstress verrückt und reagiert mit Sodbrennen, Verstopfung, Durchfall oder Geschwüren.

Balance finden: Warum es ohne Stress nicht geht

Stress ist ganz natürlich und lebensnotwendig. Bist du angespannt, steigen die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und du bist für besondere Herausforderungen gewappnet. Auf eine solche Stressreaktion sollte aber eine Entspannungsphase folgen, damit dein Körper sich regeneriert und neue Kräfte sammelt. Denn ohne Pausen macht Stress auf Dauer krank.

Was du tun kannst? Finde heraus, welcher Stress-Typ du bist und was du brauchst, um zu relaxen. Vielleicht helfen dir regelmäßige Achtsamkeitsübungen – oder dir tut ein schweißtreibendes Gruppen-Workout im Fitnessstudio gut. In jedem Fall gilt: Wir unterstützen dich, ausgeglichener durch deinen Alltag zu kommen. Zum Beispiel mit unseren Gesundheitskursen: Finde deine Stärke beim Resilienztraining oder relaxe bei der progressiven Muskelentspannung.

Du hast Sorge, dass dich eine Stresserkrankung bereits fest im Griff hat? Unser medizinischer Informationsservice Clarimedis ist rund um die Uhr für dich da und berät dich kostenfrei am Telefon.

Gute Gesundheit und ruhige Zeiten wünscht dir deine AOK Hessen.