Eine Person tropft mit einer Pipette eine Flüssigkeit in ein gefülltes Glas (Getränk).
Körperwissen

K.o.-Tropfen: So schützt du dich und andere

K.o.-Tropfen werden heimlich in Getränke gemischt und sorgen dafür, dass das Opfer „k.o.” – und somit wehrlos – ist. Wir erklären die Wirkungen der Knockout-Tropfen und wie sich Frauen und Männer schützen können. Dabei ist klar: Schuld sind immer nur die Täter.

Was sind K.o.-Tropfen?

Bei K.o.-Tropfen handelt es sich meist um flüssige, farblose und nahezu geschmacklose Substanzen. Sie wirken bereits nach kurzer Zeit einschläfernd, muskelentspannend oder auch enthemmend. Diese potenziellen Knockout-Mittel können sowohl als Tropfen, Pulver oder Tabletten unbemerkt in Getränke oder in Speisen gemischt werden. Seltener injizieren Täter sie sogar mit einer Spritze, zum Beispiel in den Arm. Die Opfer sind nicht nur wehrlos gegenüber Diebstahl und sexuellem Missbrauch – K.o.-Tropfen können lebensgefährlich sein.

Liquid Ecstasy, Rohypnol und Ketamin – diese K.o.-Tropfen gibt es

Als K.o.-Tropfen werden unterschiedliche Substanzen bezeichnet, die meist im medizinischen Bereich als Schlaf-, Beruhigungs- oder Narkosemittel eingesetzt werden. Dabei steht die Abkürzung K.o. für das englische Wort "knockout" und heißt so viel wie "außer Gefecht setzen". Folgende Stoffe gehören dazu:

  • Das Narkosemittel Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) oder seine Vorstufe Gamma-Butyrolacton (GBL) – sie ist auch als Liquid Ecstasy bekannt.
  • Das Narkosemittel Ketamin
  • Die Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. Dazu gehören Flunitrazepam, Alprazolam und Diazepam. Besser sind die Mittel unter ihren Handelsnamen bekannt: Rohypnol, Xanax, Valium.

Diese Substanzen sind nur teilweise verboten. Aber: Es ist in jedem Fall illegal, einem Menschen Knockout-Tropfen, ohne dessen Wissen zu verabreichen. Das ist gefährliche Körperverletzung. Die Straftat wiegt natürlich noch schwerer, wenn weitere Übergriffe dazukommen – beispielsweise sexueller Missbrauch.

So wirken K.o.-Tropfen: Der Verlauf

Erst einmal: Nie sind Opfer schuld an einer Attacke mit K.o.-Tropfen. Wenn dir etwas passiert, ist dein Verhalten nicht auf dem Prüfstand. Die Verantwortung trifft einzig und allein die Täter. 

Um dich zu schützen, ist es wichtig, die Wirkung der Tropfen zu verstehen:

  • Etwa 10 Minuten nach der Einnahme ist Betroffenen schwindelig – oft wird ihnen übel. Dieses Gefühl ähnelt einem Alkoholrausch, auch wenn man nur sehr wenig Alkohol getrunken hat.
  • Bei manchen Menschen wirken die Drogen enthemmend oder sie verursachen ein Gefühl wie „in Watte gepackt“ sein.
  • Später machen die Tropfen Opfer müde. Sie schlafen ein oder werden bewusstlos.
  • Je nach Substanz und Dosis dauert der Zustand meist einige Stunden an.

Beim Aufwachen fühlen sich die Betroffenen so, als seien sie verkatert. Sie erleiden oft eine anterograde Amnesie. Das heißt: Sie erinnern sich nicht oder nur teilweise an den Abend.  

Wie stark du auf K.o.-Tropfen reagierst, hängt von mehreren Faktoren ab: wie viel du gegessen hast, wie hoch die Dosis der Substanz ist und wie viel Alkohol du getrunken hast. In Kombination mit Alkohol wirken K.o.-Tropfen besonders stark und können im schlimmsten Fall sogar zu Atem- oder Herzstillstand führen.

Junge Frau liegt benommen auf einer Couch.

Schütze dich: K.o.-Tropfen keine Chance geben

Die Wirkung von K.o.-Tropfen ähnelt der von starkem Alkoholkonsum. Erste Anzeichen sind meist Schwindel, Taubheitsgefühl oder Übelkeit. Am ehesten kannst du Alkohol und K.o.-Tropfen dadurch unterscheiden, dass bei Knockout-Tropfen die Wirkung sehr plötzlich einsetzt. 

 Es gibt aber Tipps, die dir dabei helfen, auf dich aufzupassen:

  1. Achte immer auf deine Gläser oder Flaschen. Vorsicht auch, wenn du offene Getränke oder Speisen von Unbekannten angeboten bekommst. Das gilt für Clubs und Bars genauso wie für Privatpartys.
  2. Vereinbare mit Freuden, dass ihr gegenseitig auf eure Gläser aufpasst und immer gemeinsam den Heimweg antretet.
  3. Sprich sofort mit deinen Freunden bei einer sehr plötzlichen Zustandsveränderung. Du fühlst dich schwindelig, benommen oder dir ist übel? Such dir schnell Hilfe. Bitte Freunde, mit dir an einen sicheren Ort im Freien zu gehen. Bist du allein unterwegs: Sprich das Personal an.
  4. Sei vorsichtig mit Alkohol: Dir fallen Warnzeichen weniger auf, wenn du betrunken bist. Dann merkst du beispielsweise nicht, wenn jemand etwas in dein Glas mischt.
  5. Du fühlst dich von jemandem bedroht? Vertraue deinem Instinkt, hol dir Hilfe und rufe die Polizei.
  6. K.o.-Tropfen-Tests für Getränke für den Selbstgebrauch funktionieren nur teilweise, auf sie sollte man sich nicht zu sehr verlassen.

So schützt du andere

Du merkst, dass sich jemand auf einer Party komisch verhält oder unsicher auf den Beinen ist? Biete Hilfe an. Oft vergeht einige Zeit zwischen ersten Symptomen und der Bewusstlosigkeit – diese nutzen Täter, um sich den Opfern anzunähern. Sie bringen sie dann meistens an einen anderen Ort. Wenn du so eine Szene mitbekommst, beobachte sie aufmerksam und hole gegebenenfalls Hilfe.

Erste Hilfe

  • Jemand ist bewusstlos oder nicht ansprechbar? Rufe als erstes den Notruf 112, kontrolliere die Atmung und bringe die Person bei Bedarf in die stabile Seitenlage.
  • Bei Verdacht auf eine Gewalttat: Rufe die Polizei 110 und sichere Beweise.
  • Um schlimme Nachwirkungen zu stoppen, sollte das Opfer schnell im Krankenhaus untersucht und behandelt werden.

Übergriff nach K.o.-Tropfen? Das ist jetzt zu tun

Erst einmal: Nie sind Opfer schuld an einem Übergriff. Die Verantwortung trifft einzig und allein die Täter. Wenn du vermutest, Opfer von K.o.-Tropfen zu sein – gehe unbedingt zum Arzt. Das ist wichtig, um dich behandeln zu lassen und um Beweise sicherzustellen. Denn: Im Urin lassen sich K.o.-Tropfen nur für 12 Stunden nachweisen. Deswegen sollte man die Polizei schnell informieren. Die muss eine Urinuntersuchung anfordern, die vor Gericht verwertbar ist.

Vermutest du, sexuell misshandelt worden zu sein, solltest du möglichst Beweise für die Tat sammeln. Lass dich im Krankenhaus oder von deiner Frauenärztin untersuchen. Wenn es dir möglich ist, vermeide es, dich davor zu waschen. Auch deine Kleidung stellst du lieber sicher: Hier könnten DNA-Spuren zu finden sein.

Hol dir unbedingt Hilfe und sprich mit einer Vertrauensperson. Weitere Informationen dazu, worauf du in diesem schlimmen Fall achten kannst, findest du auf der Info-Seite „K.o.-Tropfen NEIN DANKE”.

Hohe Dunkelziffer bei K.o.-Tropfen

Es ist unbekannt, wie viele Menschen in Deutschland Opfer von K.o.-Tropfen werden. Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Das liegt einerseits daran, dass sich Betroffene nicht an die Vorgänge erinnern oder ihre Symptome für einen Kater halten. Ein anderer, trauriger Grund ist, dass sich Betroffene schämen. Sie trauen sich nicht, den Täter bei der Polizei anzuklagen oder sich an einen Arzt zu wenden. Oft sind sie auch traumatisiert.

Hilfe, wenn es dir schlecht geht

Hast du Sorgen, dass dir etwas passiert ist? Rufe auf jeden Fall die Polizei. Auch wenn du erst später verstehst, was vorgefallen ist: Melde dich bei der Polizei. Lass dich zusätzlich unbedingt ärztlich kontrollieren.

Niemand sollte allein mit solchen Ängsten sein. Wenn du anonym darüber sprechen willst, kannst du das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen” unter der 08000 116 016 oder das Opfertelefon des Weißen Rings – 116006 – anrufen, der Weiße Ring bietet auch Online-Hilfe an. Manchmal hilft es auch, mit anderen Betroffenen zu sprechen.

Bei gesundheitlichen Fragen stehen dir unsere medizinischen Experten von Clarimedis kostenlos zur Verfügung. Ein körperlicher Übergriff ist eine große psychische Belastung für Opfer. Zögere nicht, auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ärzte und Krankenhäuser findest du mit unserem Gesundheitsnavigator leicht.

Gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.