Mehrlingsgeburt: Doppeltes Glück unter besonderen Bedingungen
Geburt & Geburtsarten

Mehrlingsgeburt: Doppeltes Glück unter besonderen Bedingungen

Bestimmt erlebst du gerade eine aufregende Zeit: Eine Mehrlingsschwangerschaft ist ein besonderes Wunder. Zwillinge oder noch mehr Kinder zu erwarten ist natürlich auch sehr anstrengend – und manchmal beunruhigend, gerade beim Gedanken an die Geburt. Wir erklären dir, was bei deiner Mehrlingsgeburt auf dich zukommt und wie du dich gut darauf vorbereitest.

Bei der Wahl der Klinik auf die professionelle Ausstattung achten

Der erste Schritt bei deiner Vorbereitung ist es, den passenden Geburtsort aussuchen. Experten raten davon ab, Mehrlinge im Geburtshaus oder per Hausgeburt zu bekommen. Sinnvoller ist eine Klinik mit Neugeborenen-Intensivstation und Perinatalzentrum für die Versorgung von Frühgeborenen. Entscheide dich lieber frühzeitig für deinen Favoriten: Gerade Spezialkliniken haben oft sehr frühe Anmeldefristen – am besten die Webseiten der Geburtsstationen checken oder gleich dort anrufen. Bei der Auswahl der passenden Geburtsklinik hilft dir auch unser Krankenhausnavigator weiter. Besprich dich zu diesem Thema auch mit deiner/m behandelnden Frauenärztin/Frauenarzt.

37 Wochen: Warum Mehrlinge meist früher kommen

Mehrlinge kommen häufiger früher zur Welt als Einlinge – viele Mehrlingsschwangerschaften enden in einer Frühgeburt. Besteht bei dir das Risiko, wirst du möglicherweise bereits vorab in die Klinik eingewiesen. Dort wird man dich besonders überwachen. Abhängig von den Untersuchungsergebnissen können dir gegebenenfalls Medikamente verabreicht werden, die deine Babys gut auf die kommende Geburt vorbereiten.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt, die Geburt von Zwillingen spätestens zur vollendeten 37. Schwangerschaftswoche einzuleiten. Studien haben gezeigt, dass dadurch deutlich weniger Komplikationen auftreten als bei einer längeren Schwangerschaft. Dann wird es in deinem Bauch sehr eng und deine Plazenta muss intensiv arbeiten, um beide Kinder optimal zu versorgen.

Bei Drillingen und mehr Kindern raten Geburtshelfer grundsätzlich zum Kaiserschnitt, da sonst häufiger Komplikationen auftreten können. Eine Mehrlingsgeburt ist unabhängig vom Geburtszeitpunkt und -modus eine große Herausforderung. Keine Sorge: Die Geburtshelfer in der Klinik sind dafür ausgebildet und werden dich gut durch diese Zeit begleiten.

Natürlich Geburt: Auch bei Zwillingen empfehlenswert

Viele glauben, dass Zwillinge immer per Sectio geboren werden. Oft ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig, aber nicht immer. Die 2013 groß angelegte Twin Birth Study mit 106 Zentren aus 25 Ländern stellte fest, dass bei Zwillingen eine vaginale Geburt angestrebt werden sollte. Sie ist grundsätzlich möglich und wirkt sich wie bei Einlingen positiv auf die Entwicklung aus. Studien zufolge haben Babys nach einer natürlichen Geburt ein geringeres Risiko für Krankheiten wie Asthma und Diabetes. Am besten ist dafür eine Klinik mit viel Erfahrung geeignet.

Eine natürliche Geburt ist bei Zwillingen möglich, wenn:

  • Die 34. Schwangerschaftswoche vollendet wurde.
  • Das Gewicht der Kinder auf mindestens 1.800 g geschätzt wird und sie höchstens 500 g Gewichtsunterschied haben.
  • Beide Kinder eine eigene Fruchtblase haben. Sonst droht dem zweiten Kind eine Nabelschnurverschlingung.
  • Das geburtsführende Kind in Schädellage liegt. Beim zweiten Kind ist die Lage weniger entscheidend. Ist das erste geboren, dreht es sich oft von allein in die richtige Position oder „rutscht einfach nach“. Es darf allerdings nicht quer liegen. Dein/e Frauenärztin/Frauenarzt wird dir hier zur Seite stehen und dich individuell zu deiner Situation beraten.

Wie läuft die natürliche Geburt bei Zwillingen ab?

Während der Geburt wird dir eine Hebamme zur Seite stehen, die dich psychisch und physisch nach Kräften unterstützt. Die Geburt von Zwillingen kann etwas länger dauern als die durchschnittlichen 12 bis 14 Stunden einer Erstlingsgeburt mit einem Kind. Bei Zwillingen ist die Gebärmutter bereits von der Schwangerschaft stark beansprucht und kann nicht mehr so kräftig mitarbeiten. Das schadet den Babys in der Regel nicht – zur Sicherheit werden sie kontinuierlich per CTG überwacht. Nach dem ersten Kind ist es wichtig, dass auch das zweite schnell zur Welt kommt. Oft wird in dieser Phase Oxytocin verabreicht, um die Wehentätigkeit noch einmal anzukurbeln. Es kann auch sein, dass das zweite Kind sich beim „Nachrutschen“ querlegt. In diesem Fall muss das Kind per Kaiserschnitt geholt werden.

Was passiert nach der Geburt?

Geht es euch allen gut, könnt ihr die Klinik zeitnah nach der Geburt verlassen. Auch eine ambulante Geburt ist möglich. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass deine Kinder besondere Unterstützung brauchen und eventuell noch auf der Frühgeborenen-Station behandelt werden. In einem Familienzimmer könnt ihr in euer neues gemeinsames Leben starten.

Zu Hause warten große Herausforderungen auf euch. Deswegen hast du als junge Mehrlingsmutter mindestens zwölf Wochen Mutterschutz nach der Geburt, das sind vier Wochen mehr als normal. Wurden deine Kinder zu früh geboren, wird die Differenz zum Entbindungstermin hinzuaddiert. Der Alltag mit zwei (oder mehr) Babys hält ziemlich auf Trab. Es macht Sinn, dass ihr euch frühzeitig Unterstützung besorgt. Ist die Mutter erkrankt, etwa nach einem Kaiserschnitt, übernimmt die AOK bis zu vier Wochen lang die Kosten für eine Haushaltshilfe.  

Gute Gesundheit und einen schönen Start ins Familienleben wünscht deine AOK Hessen.