Neurodermitis bei Kindern: Wie Eltern unterstützen können
Facharztwissen

Neurodermitis bei Kindern: Wie Eltern unterstützen können

Ausschlag, schuppige Haut und quälender Juckreiz: Neurodermitis beginnt oft schon im Säuglingsalter. Die Symptome sind eine starke Belastung für Kind und Eltern gleichermaßen – trotzdem können einige Verhaltensweisen zur Linderung beitragen. Bei Babys stehen vor allem Pflegerituale im Vordergrund, ältere Kinder brauchen auch seelischen Support.

Etwa 14 Prozent der Kinder in Deutschland erkranken an Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt. Die chronische Hauterkrankung tritt in Schüben auf und zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen von roten Hautstellen bis zu nässenden Ekzemen. Aber wie kommt es zu den Hautveränderungen? Meist fehlen der schützenden Hornschicht die Feuchthaltefaktoren. Die Haut trocknet aus – Schadstoffe und Allergene dringen leichter ein und es kommt zu Entzündungen. Diese erleben die Betroffenen als starken Juckreiz. Je mehr die Kinder kratzen, desto mehr Bakterien dringen in die Haut ein und die wunden Stellen heilen nicht ab.

Babys erkranken anders als ältere Kinder – Erwachsene sind selten betroffen

Betroffene Babys entwickeln schon mit wenigen Monaten erste Anzeichen einer Neurodermitis. Diese treten meist im Gesicht, an den Ohren oder auf der Kopfhaut auf. Vielleicht hast du dafür auch schon die Bezeichnung „Milchschorf“ gehört. Auch an den Ärmchen oder Beinen zeigen sich die Symptome gelegentlich. Die Haut ist trocken, schuppig und gerötet – feuchte Ekzeme sind bei Babys eher selten. Bei älteren Kindern sind oft die Gelenkbeugen von Ellenbogen und Knie betroffen – oder auch der Bereich der Augenlider. Bei schweren Schüben zeigen sich nässende Stellen, die für die Psyche besonders belastend sind. Neurodermitis ist nicht heilbar – aber sie lässt sich mit der richtigen Pflege lindern. Außerdem gibt es eine gute Nachricht: Bei den meisten wird die Haut gesund, während sie heranwachsen – nur zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen haben Neurodermitis.

Oberstes Gebot bei Neurodermitis: Juckreiz lindern und Schübe hinauszögern

Medizinische Salben und Cremes machen die akuten Phasen der Hauterkrankung erträglicher – und verlängern die schubfreien Zeiten. Auch kleine Anpassungen im Alltag helfen deinem Kind, ein möglichst beschwerdefreies Leben zu führen. Diese Routinen und Gewohnheiten haben sich bewährt:

  • Die richtige Hautpflege: Regelmäßiges Eincremen mit reichhaltigen Cremes und Lotionen tut der trockenen Haut gut. Am besten ihr macht daraus zwei feste Rituale am Morgen und am Abend. Gewöhnliche Drogerieprodukte enthalten hautreizende Farb- und Konservierungsstoffe. Setze deshalb lieber auf rückfettende, parfümfreie Cremes. Wohltuend sind auch Inhaltsstoffe wie Urea oder Nachtkerzenöl. Bei starken Schüben kann auch eine Creme mit Kortison sinnvoll sein. Lasst euch zur passenden Pflege von eurem Haut- oder Kinderarzt beraten – er kann dir auch ein Rezept ausstellen, das in der Apotheke für dein Kind angerührt wird. Wichtig: Behaltet die Pflegeroutine auch in schubfreien Phasen bei. 
  • Moderate Temperaturen: Auch wenn kalte Umschläge oder Eiswürfel kurzfristig den Juckreiz lindern – sie reizen die Haut unnötig. Das gilt auch für heiße Bäder oder Duschen. Dein Kind wäscht und pflegt sich am besten mit lauwarmem Wasser und milden Waschlotionen. Bei Wannenbädern empfehlen sich rückfettende Badeöle. Achte auch darauf, dass dein Kind nicht zu warm gekleidet ist, denn Schwitzen verstärkt den Juckreiz. 
  • Gut verträgliche Stoffe: Verwende Waschmittel ohne Duftstoffe oder aggressive Waschsubstanzen. Neue Kleidung wäschst du möglichst bevor dein Kind sie trägt. Auch raue Wolle oder Kunstfasern reizen die Haut. Wohltuend ist Kleidung aus hautfreundlichem Material wie Baumwolle, Seide, Leinen oder Viskose.
  • Weniger kratzen: Babys und Kleinkinder verstehen noch nicht, dass sie sich nicht kratzen sollen. Für sie gibt es spezielle Pyjamas, die betroffene Stellen schützen. Auch streicheln hilft den Kleinsten, den Juckreiz zu vergessen – vielleicht macht ihr daraus ein Einschlafritual? Ältere Kinder schützen sich nachts mit Baumwoll-Handschuhen – so verletzen sie sich nicht, wenn sie sich unbewusst kratzen. In jedem Fall gilt: Die Fingernägel von Betroffenen sollten immer kurz geschnitten sein, damit beim Kratzen möglichst wenig Bakterien in die Wunden gelangen. 
  • Den Speiseplan anpassen: Es gibt nicht „die richtige“ Ernährung bei Neurodermitis. Sinnvoll ist es aber in jedem Fall, ausgewogen, vitamin- und nährstoffreich zu essen. Zusätzlich solltest du ärztlich abklären, ob dein Kind gegen bestimmte Lebensmittel allergisch ist – so wie etwa ein Drittel der Kinder mit atopischem Ekzem. Einzelne Nahrungsmittel ersetzt du einfach, etwa Äpfel durch Weintrauben. Falls dein Kind auf eine ganze Lebensmittelgruppe allergisch reagiert, kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein. Dort bekommst du Tipps, wie es weiterhin alle wichtigen Nährstoffe erhält.
  • Reizarme Umgebung: Hat ein Familienmitglied Neurodermitis, solltet ihr auf Haustiere verzichten. Denn Katzen- oder Hundehaare können ein zusätzlicher Provokationsfaktor sein. Auch Hausstaubmilben verschlimmern oft den Juckreiz – achtet deshalb darauf, die Wohn- und Schlafräume mehrmals pro Woche zu saugen und verzichtet auf Staubfänger wie Vorhänge und Teppiche.

Baby das mit Creme eingerieben wird

Neurodermitis bei deinem Kind: Jetzt ist Verständnis gefragt

Neben der passgenauen Pflege ist es wichtig, das Selbstbewusstsein deines Kindes zu stärken. Denn auch die Psyche leidet unter dem veränderten Hautbild. Darauf kommt es an:

  • Viel kommunizieren: Sind Rötungen oder Ekzeme sichtbar, werden Kinder oft gehänselt oder angestarrt. Sprich mit deinem Kind darüber und gib ihm Informationen über die Neurodermitis an die Hand. So kann es selbst erklären, was mit ihm los ist – und es fühlt sich der Krankheit nicht hilflos ausgeliefert. Eventuell ist es auch sinnvoll, Erzieher oder Lehrer in die Aufklärung einzubinden.
  • Selbstwertgefühl stärken: Vermittle deinem Kind, dass es mehr ist als seine Haut und dass es liebenswert ist. Schafft bewusst „Neurodermitis freie Zonen“, in denen es um andere Themen geht. So erlebt dein Kind Erfolge, etwa im Sport, die es für schwere Schübe stärken.
  • Nicht schimpfen: Ältere Kinder verstehen, dass das Kratzen die Neurodermitis verschlimmert. Es ist aber auch eine natürliche Reaktion auf den quälenden Juckreiz. Reagiere daher verständnisvoll, wenn das Kind sich blutig kratzt. Überleg zusammen mit ihm, wie ihr dies beim nächsten Mal verhindert – zum Beispiel, indem das Kind stattdessen den Teddy kratzt, Mandalas malt, oder du gehst mit ihm zusammen auf eine Phantasiereise.
  • Gutes Stress-Management: Es ist ganz normal, dass sich Eltern betroffener Kinder überfordert fühlen. Arztbesuche, Hautpflege und schlaflose Nächte sind eine große Belastung. Achte darauf, diesen Stress nicht auf dein Kind zu übertragen. Sonst macht es sich Vorwürfe, dass es dir seinetwegen schlecht geht. Wichtig sind klare Vereinbarungen mit dem Partner oder anderen Betreuenden – vor allem auch bei Babys, die nachts nicht zur Ruhe kommen.

Warum ist ausgerechnet mein Kind krank?

Eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko einer Neurodermitis. Sind beide Elternteile vorbelastet, trifft es den Nachwuchs mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent. Auch Kinder, die bereits an Asthma oder Heuschnupfen leiden, erkranken häufiger am atopischen Ekzem. Eltern, die (auch vor der Schwangerschaft) nicht rauchen, erhöhen die Chance, dass der Nachwuchs gesund bleibt. Wie kannst du vorbeugen? Falls möglich, stillen Mamas ihr Kind und achten frühzeitig darauf, ob es auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagiert. Es gibt allerdings noch weitere Faktoren, die zur Erkrankung beitragen – Ärzte vermuten, dass beispielsweise Umweltbelastungen oder vermehrte Hygiene eine Rolle spielen. 

Was jetzt wichtig ist: Im Team gegen Neurodermitis

Das atopische Ekzem ist eine Herausforderung für die ganze Familie. Diese lässt sich am besten meistern, wenn ihr euch gegenseitig unterstützt und eure Sorgen und Ängste kommuniziert. Du hast etwas zu gestresst reagiert? Sag deinem Kind ruhig, dass du nicht böse mit ihm bist. Sondern einfach eine schlechte Nacht hattest. Und gestehe auch deinem Kind zu, manchmal einfach richtig sauer auf das ständige Jucken zu sein und sich im Bett zu verkriechen. Vielen Eltern hilft es, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch wir stehen an deiner Seite und haben alle wichtigen Informationen zur Neurodermitis für dich gebündelt. Und falls dir der Alltag mit krankem Kind manchmal über den Kopf wächst, findest du Entspannung mit unserem Programm „Stress im Griff“.

Gute Gesundheit wünscht dir und deiner Familie deine AOK Hessen.