Pflegebedürftigkeit: gut vorbereitet im Fall der Fälle
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Pflegebedürftigkeit: gut vorbereitet im Fall der Fälle

Aktiv sein, Kraft haben und mitten im Leben stehen – das wünscht sich jeder Mensch so lange wie möglich. Doch auch wenn wir nicht gerne daran denken: Unser Zustand kann sich in jeder Lebensphase schnell ändern. Pflegebedürftigkeit ist nicht nur ein Thema für ältere Menschen. Sie kann jeden treffen. Daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit den Gedanken rund um das Thema Pflege zu beschäftigen und rechtzeitig die passenden Weichen zu stellen. Das heißt: Bescheid wissen, sich absichern und die richtigen Infos für Angehörige hinterlegen.

Besser Bescheid wissen schützt

Alles ist gut. Doch dann kommt plötzlich ein Unfall oder eine Krankheit und der Partner, das Kind, die Eltern oder man selbst wird zum Pflegefall. Einfach so über Nacht. Besonders schlimm trifft das all jene Menschen, die sich noch nicht gedanklich damit beschäftigt haben. Denn mal im Ernst: Wäre es nicht besser, wenn du in so einer Situation zumindest grundsätzlich wüsstest, was auf dich zukommen kann? Nicht, weil du dich ängstlich über solche Szenarien informierst. Sondern weil es dich interessiert und du dir und deinen Angehörigen viele Sorgen und Zweifel nimmst, wenn im Vorfeld alles klar geregelt ist.

Was ist also zu tun?

  1. Vollmacht haben: Angehörige können Leistungen der Pflegeversicherung nur beantragen, wenn sie dazu berechtigt sind. Für deine Eltern oder deinen Partner würdest du also eine Vollmacht bzw. Verfügung benötigen. Das kann eine Patientenverfügung sein.
  2. Leistungen beantragen: Wer als Pflegebedürftiger Leistungen erhalten möchte, muss in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre lang als Mitglied in der Pflegeversicherung oder familienversichert gewesen sein. Den Antrag für Leistungen kannst du bei der Pflegekasse der AOK anfordern – per E-Mail oder telefonisch.
  3. Pflegetagebuch führen: Nach der Antragstellung wird geprüft, in welchem Maß der jeweilige Mensch pflegebedürftig ist. Dafür kommen Spezialisten ins Haus. Schreibe darum auf, was für die Pflege alles zu tun ist. Notiere auch Kleinigkeiten und den Zeitaufwand. Das erleichtert die Einstufung in eine der fünf Pflegegrade. Lege auch Befunde aus dem Krankenhaus in dieses Buch. Am besten alle Unterlagen, die du zum Pflegefall besitzt.
  4. Begutachtung erleben: Der Gutachter wird sich unter anderem ansehen, wie selbstständig sich der Pflegebedürftige bewegen kann, wie gut seine geistigen Fähigkeiten sind und wie er sein Alltagsleben bewältigt. Er wird auch mit euch sprechen und den Bericht dann an die Pflegekasse weiterleiten. Nach spätestens 25 Arbeitstagen erhältst du eine Antwort der Pflegekasse und erfährst den genehmigten Pflegegrad. Ist der Pflegegrad deiner Meinung nach zu niedrig, kannst du innerhalb eines Monats schriftlich Einspruch einlegen.

Zu Hause bleiben oder ins Heim?

Je nach Pflegegrad werden dann später bestimmte Beträge bezahlt. Pflegegrad 1 umfasst nur einen sogenannten Entlastungsbeitrag. Pflegegeld und -sachleistungen gibt es ab Pflegegrad 2, wenn zu Hause gepflegt wird. Online kannst du übrigens rund um die Uhr nach einem geeigneten Pflegedienst oder Pflegeheim suchen, u. a. nach Qualität, Angebot und Preisen sortieren oder vergleichen. Der Pflege-Navigator der AOK enthält auch Informationen zu Unterstützungsangeboten für den Alltag, inklusive Leistungsart, Ziel- und Altersgruppe sowie Preise.

Ein Mann und eine Frau sehen sich Unterlagen an, die sie in der Hand halten.

Finanzielle Risiken mit Zusatzversicherung senken

Pflegebedürftigkeit ist auch ein Thema von Kosten. Denn die sind hoch, wenn man in einem Heim untergebracht wird. Bei Pflegegrad 2 kostet das rund 2.500 Euro im Monat. Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung zahlt davon jedoch nur 770 Euro. Mit einer Pflegezusatzversicherung kannst du Lücken füllen. So eine Versicherung bringt jedoch Wartezeiten mit sich. Abgeschlossen werden kann sie nur für jemanden, der noch nicht pflegebedürftig ist. Lasse dich also rechtzeitig dazu beraten.

Die Patientenverfügung festlegen: Was soll mit mir geschehen?

Eine Sache kannst du auf jeden Fall jetzt schon erledigen: Lege in einer Patientenverfügung fest, welche medizinische und pflegerische Behandlung du bei bestimmten Erkrankungen wünschst. Nur so kannst du sicherstellen, dass im Ernstfall Entscheidungen in deinem Sinne getroffen werden. In einer Patientenverfügung kann auch festgehalten werden, wo du sterben möchtest, zum Beispiel zu Hause oder in einem Hospiz. Informationen zur Patientenverfügung, zu Vollmachten und weitere Themen erhältst du zum Download beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Weitere Infos rund um das Thema Pflege

Möchtest du dich rund um das Thema Pflege noch weiter informieren? Dann entdecke auch unseren Film mit den wichtigsten Infos zur AOK-Pflegeberatung. Du möchtest erfahren, was bei Demenz auf dich zukommt oder was eigentlich eine Palliativ-Pflege ist? Diese Themen klingen auf Anhieb erstmal schwer verdaulich. Sie werden jedoch leichter, wenn man sich damit beschäftigt.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.