Sepsis: vorbeugen, erkennen, zügig handeln
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Sepsis: vorbeugen, erkennen, zügig handeln

Eine leichte Infektion nach einer Verletzung ist schnell passiert und normalerweise kein Grund zur Sorge. Bestimmt hattest du schon öfter eine Wunde, die sich gerötet hat und leicht angeschwollen ist. Der Grund dafür: Keime sind in die Wunde eingedrungen und vermehren sich. Breitet sich die Infektion allerdings aus, kann eine lebensgefährliche Sepsis entstehen. Bei einer Sepsis ist es wichtig, die Symptome zu erkennen und richtig zu reagieren. Wir erklären dir, worauf du achten solltest und wie du dich bestmöglich davor schützt.

Sepsis: Die heftige Abwehrreaktion des Körpers auf Keime

Bei einer Sepsis versagen einzelne oder mehrere Organe aufgrund einer Überreaktion des Immunsystems. Der Auslöser ist eine Infektion durch Keime – meist Bakterien, selten auch Viren, Pilze oder Parasiten. Im Volksmund wird die Sepsis häufig Blutvergiftung genannt. Der Begriff ist etwas irreführend: Die Erreger breiten sich zwar durch das Blut im Körper aus, Gift ist dabei jedoch nicht im Spiel. Als Folge der Infektion kann es zu einer fehlregulierten Immunantwort kommen – dann wird es lebensbedrohlich.

In diesem Fall schafft es das Immunsystem nicht, die Keime lokal in Schach zu halten. Sie gelangen durch die Blut- und Lymphgefäße zu den Organen. So sammelt sich eine hohe Anzahl von Bakterien im Blut. Das Immunsystem reagiert heftig darauf: Die körpereigenen Abwehrzellen senden massenweise Botenstoffe aus, um bestimmte Reaktionen auf den Erreger hervorzurufen. Doch diese Immunantwort gerät außer Kontrolle, immer mehr Botenstoffe werden ausgeschüttet. Schließlich werden nicht nur die Erreger angegriffen, sondern auch körpereigenes Gewebe und Organe. Im schlimmsten Fall führt die Abwehrreaktion zu einem sogenannten septischen Schock: Lebenswichtige Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, der Blutdruck fällt ab und es kommt zu einem Multiorganversagen.

Risikogruppen bei einer Sepsis: Wer ist besonders gefährdet?

Eine Sepsis ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Im Schnitt erkranken 154.000 Menschen jährlich daran, rund jeder dritte Patient stirbt. Bei älteren Personen, kleinen Kindern oder chronisch Kranken reichen manchmal bereits kleinere Verletzungen aus, um eine Sepsis auszulösen. Außerdem entsteht die Infektion nicht nur bei äußerlichen Verletzungen wie Wunden und Insektenstichen, sondern auch bei einer Lungen- oder Harnwegsentzündung.

Gesunde Kinder und Erwachsene schützt das Immunsystem meist gut vor dieser schweren Infektion: Die körpereigene Abwehr erkennt Keime, die in den Körper gelangen, und tötet sie zügig ab. Leichte Verletzungen sind deswegen meist kein Problem. Anders ist es häufig bei größeren Verletzungen oder stark verschmutzten Wunden: Hier ist es wichtig, auf deutliche Warnsignale zu achten, die wir dir im nächsten Abschnitt zeigen.

Sepsis-Symptome: Bei diesen Anzeichen solltest du sofort handeln

Eine Sepsis ist eine lebensgefährliche Erkrankung. Entdeckt man sie rechtzeitig, steigen die Überlebenschancen enorm. Es gibt eine Reihe von Symptomen, an denen du die Erkrankung früh erkennen kannst. Wähle den Notruf bzw. die 112, wenn

du Anzeichen einer Infektion hast:

  • Stark gerötete, geschwollene schmerzhafte Wunde
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, eventuell auch Flankenschmerzen
    (entstehen links, rechts oder beidseitig am unteren Rumpf)
  • Schwerer Durchfall mit Erbrechen
  • Husten, starke Verschleimung

Und mindestens zwei Anzeichen einer Ausbreitung der Infektion im Körper:

  • Sehr niedriger Blutdruck (erkennst du z. B. an einem hohen Puls, Müdigkeit und Schwindel)
  • Herzrasen
  • Hohes Fieber, Schüttelfrost oder eine niedrige Temperatur unter 36°C
  • Verwirrtheit, Benommenheit, starke Müdigkeit
  • Kalte, fleckige Haut
  • Extreme Schwäche/starkes Krankheitsgefühl

Gerade bei chronisch Kranken oder älteren Menschen sind die Anzeichen einer Sepsis oft versteckt oder fehlen fast vollständig. Leichtes Fieber, Krankheitsgefühl oder plötzliche Schlappheit sind manchmal die einzigen Symptome. Im Zweifel kontaktierst du am besten zügig den Hausarzt. Eine gute Faustregel: Wenn jemand zu schwach, krank oder verwirrt ist, um es selbst zum Arzt zu schaffen, wählt er sofort die 112.

Kleinere Wunden richtig versorgen: So schützt du dich vor einer Sepsis

Einmal mit dem Küchenmesser beim Zwiebelschneiden abgerutscht, bei der Gartenarbeit in die Schere gegriffen oder von einer Mücke gestochen worden: Verletzungen entstehen häufig in Alltagssituationen und sind meist mit desinfizierendem Wundspray sowie einem Pflaster gut versorgt. Hast du dich sehr tief geschnitten oder bildet sich bereits Eiter, suchst du vorsichtshalber einen Arzt auf. Gut zu wissen: Es gibt auch die Möglichkeit, sich gegen bestimmte Erreger impfen zu lassen, die häufig für eine Sepsis verantwortlich sind. Dazu zählt die Schutzimpfung gegen Pneumokokken ­– die Kosten dafür übernimmt die AOK ab 60 Jahren.

Infektionen vorbeugen: von H wie Hygiene bis I wie Immunsystem stärken!

Damit du dich gar nicht erst verletzt und sich eine Wunde durch Keime infiziert, triff am besten bei bestimmten Arbeiten Vorsichtsmaßnahmen: Trage im Garten Handschuhe oder wende beim Schneiden in der Küche den sogenannten Krallengriff an, bei dem du die Finger am Lebensmittel nach innen krümmst. So passiert meist nichts, wenn du mit dem Messer abrutschst.

Mit einfachen Hygienemaßnahmen wie gründlichem Händewaschen kannst du dich vor einer Sepsis und weiteren Infektionen schützen. Außerdem lohnt es sich, dein Immunsystem aktiv zu stärken – dazu gehört nicht nur eine vitaminreiche Ernährung, sondern auch Stress vermeiden und bewusste Entspannung. Und im Notfall solltest du am besten sofort reagieren, denn: Je schneller die Sepsis behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen