Kleines Mädchen gibt seiner Mutter einen Kuss.
Kinder & Jugendliche

Stress bei Kindern erkennen und abbauen

Uns Erwachsenen kommt die Welt unserer Kinder recht idyllisch vor. Die Jüngsten leben für den Moment und haben keine Sorgen, so glauben wir. Studien zeigen jedoch, dass auch Kinder Stress empfinden. Das fängt schon bei den Kleinsten an, nimmt bei Grundschulkindern zu und steigert sich weiter. Fast jeder zweite Jugendliche gibt an, häufig oder sogar sehr häufig gestresst zu sein. Zum Glück gibt es einiges, was du als Elternteil dagegen unternehmen kannst.

Wie entsteht Stress bei Kindern?

Kinder haben sensible Antennen. Schon die Allerkleinsten merken, wenn die Eltern gestresst sind und leiden unter dem hektischen Familienalltag. Besonders hochsensible Kinder sind dafür anfällig. Je älter der Nachwuchs wird, desto mehr belastet ihn: Viele Kinder fühlen sich beispielsweise von den Erwartungen in der Schule überfordert. Hinzu kommt Streit mit Freunden oder Ärger mit den Mitschülern. Auch ein voller Freizeitkalender fordert Kinder heraus. Oft müssen sie Termine wahrnehmen, die ihnen keinen Spaß machen. Passiert gerade viel in eurer Familie? Ob Einschulung, Umzug oder vielleicht sogar die Trennung der Eltern: Neue Situationen sind für Kinder anstrengend und manchmal auch ein wenig beängstigend.

Aber nicht nur euer Alltagsrhythmus mutet deinem Kind viel zu. Auch was es isst, spielt eine Rolle: Eine zuckerreiche Ernährung stresst kleine Kinderkörper.

Stress bei Kindern: Das sind die Symptome

Kleine Kinder, kleine Sorgen? Stress äußert sich auch bei den Jüngsten wie eine Burn-Out-Erkrankung eines Erwachsenen. Dauerstress belastet Körper und Seele ganzheitlich. Die Kinder leiden dann unter:

  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsproblemen
  • Schlafproblemen
  • Lust- und Antriebslosigkeit
  • Appetitlosigkeit, Traurigkeit
  • Depressiver Verstimmung
  • Gereiztheit bis hin zu Aggression

Außerdem haben stark gestresste Kinder ein höheres Risiko für starkes Übergewicht.

Corona stresst Kinder

Die Corona-Pandemie bringt viele Menschen an ihre Grenzen. Auch bei Kindern hat der Stress seither zugenommen. 87 Prozent von ihnen empfinden die Situation als belastend. Dabei sind nicht alle Kinder gleich betroffen. Habt ihr eine stabile Familiensituation, in der sich dein Kind geborgen fühlt, federt das einiges ab. Deswegen solltest du dir jetzt besonders viel Zeit für dein Kind nehmen und Verständnis für seine Sorgen zeigen. Überlege dir gut, ob jeder Konflikt ausgetragen werden muss. Dein Fokus als Mutter oder Vater sollte jetzt darauf liegen, Stressoren zu mindern. Schulstoff kann dein Kind auch später noch nachholen und es wird auch nicht gleich zum viel zitierten „Tyrannen“, wenn du mal ein Auge zudrückst.

Wichtig: Vergiss nicht deine eigenen Bedürfnisse. Du wirst oft laut, weil dir Homeoffice und Homeschooling zu viel werden? Manchmal geht nicht alles. Überlege dir, an welcher Stelle du Abstriche machst. Hilfe findest du auch im AOK-Programm „Stress im Griff“.

Sechs Tipps, um Stress bei Kindern abzubauen

Stress reduzierst du nicht per Knopfdruck. Aber mit unseren einfachen Tipps findet ihr wieder die innere Mitte eurer Familie:

  1. Nimm deine Vorbildfunktion wahr: Du überträgst deinen Stress auf deine Kinder. Fang also bei dir selbst an. Deine Kinder werden es dir verzeihen, wenn du lieber kurz in Ruhe Kaffee trinkst, anstatt Bauklötze zu stapeln.
  2. Zeig Verständnis und schraub deine Erwartungen runter: Weißt du noch, wie fordernd das Schulleben war? Weise dein Kind nicht ständig auf Fehler in den Schularbeiten hin und leg den Fokus nicht auf gute Noten. Sag ihm stattdessen etwas Nettes – aber von Herzen.
  3. Stärk den Kinderkörper mit guter Ernährung: Für einen vollen Alltag braucht dein Kind Energie. Achte darauf, dass es ausgewogen frühstückt, pack ihm eine gesunde Pausenbox ein und biete ihm ausreichend Wasser und ungesüßten Tee an.
  4. Gib deinem Kind Freiraum, um über sich selbst zu bestimmen: Montags Klavierunterricht, dienstags Ballett und zweimal die Woche Fußballtraining? Ein bis zwei verplante Nachmittage sind für die meisten Kinder genug. Lass dein Kind stattdessen nach eigenen Vorstellungen toben und kreativ werden – am besten mit Freunden an der frischen Luft.
  5. Reduziert den Stress mit Entspannungsübungen: Von Wettlauf über Yoga, Mandalas ausmalen oder klassische Atemübungen – jedes Kind findet eine Methode, die es relaxt. Probiere ruhig ein paar mit ihm aus.
  6. Entwickelt gemeinsame Rituale: Ein fester Tagesablauf gibt deinem Kind Stabilität und Sicherheit – am liebsten mit dir zusammen. Lasst den Tag ruhig ausklingen. Kuschelt miteinander, lest ein Buch oder veranstaltet einen gemeinsamen Abendkreis, indem jeder von seinem Tag erzählt. Du wirst sehen: Das tut auch dir gut.

In stressigen Zeiten die Ruhe bewahren

Nicht nur der Alltag, auch große Ereignisse können ganz schön stressig werden. Egal ob Kindergeburtstag, Jubiläum oder Weihnachten: So kommt ihr stressfrei durch die Feiertage.

Und wenn alles nicht hilft? Manchmal musst du einfach den Pausenknopf drücken. Auf einer Eltern-Kind-Kur könnt ihr gemeinsam neue Kraft tanken.

Einen entspannten Familienalltag und gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.