Junge Frau bekommt Kopfhörer aufgesetzt.
Facharztwissen

Tinnitus: Was tun, wenn es im Ohr pfeift oder klingelt?

Ein permanentes Ohrengeräusch kann die Lebensqualität stark einschränken. Ausgelöst wird das Klingeln oft durch Lärm oder einen vorausgegangenen Hörsturz. Betroffene sollten so früh wie möglich zur Ärztin oder zum Arzt gehen, damit der Tinnitus nicht chronisch wird.                                  

Nach einem lauten Konzert oder wenn du eine laute Maschine benutzt hast, blieb dir bestimmt auch schon ein Geräusch im Ohr. Das ist unangenehm, verschwindet aber in der Regel innerhalb weniger Tage wieder. Aber was, wenn das Ohrensausen zum ständigen Begleiter wird? Mediziner*innen sprechen dann von einem Tinnitus. Bist du betroffen, solltest du so schnell wie möglich zum/zur HNO-Ärzt*in gehen, denn unbehandelt kann das Geräusch chronisch werden.

Betroffene erleben die Belastung unterschiedlich

Betroffen sind vor allem Menschen über 50 – die Erkrankung kommt recht häufig vor: Etwa fünf bis 15 Prozent der Erwachsenen durchleben einen Tinnitus. Wie stark das Ohrgeräusch ausgeprägt ist, variiert dabei stark. Manche Betroffene arrangieren sich mit ihm, bei anderen führt es auf Dauer zu Schlafproblemen, gestörter Konzentration oder depressiven Verstimmungen. Mediziner*innen teilen den Tinnitus in vier verschiedene Schweregrade ein – je nachdem, wie stark die Patient*innenen sich durch ihn belastet fühlen.

Tinnitus – typische Kennzeichen und Besonderheiten

Das namensgebende lateinische „tinnire“ bedeutet übersetzt „klingeln“ – viele nehmen das Geräusch aber auch als Pfeifen, Summen oder Rauschen wahr. Manche hören es in einer konstanten Lautstärke, bei anderen ist es ab- und zunehmend. Es kommt auch vor, dass nur ein Ohr betroffen ist. Typisch für einen Tinnitus: Das Geräusch wird nur subjektiv von den Betroffenen wahrgenommen. Das erschwert den Ärzt*innen die Behandlung, da sie die Geräuschquelle nicht lokalisieren können.

Rauschen im Ohr – das sind die Ursachen

Die Gründe für einen Tinnitus sind unterschiedlich. Ähnlich wie bei Schmerzen handelt es sich nämlich nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom. Das sind die häufigsten Auslöser:

  • Lärm oder Knalltrauma: Wird der Hörnerv durch einen lauten Knall oder dauerhafte Lärmbelastung beschädigt, sendet er falsche Signale an das Gehirn. Daraufhin nehmen Betroffene Geräusche wahr, die es eigentlich gar nicht gibt.
  • Ohrenerkrankungen: Ein verstopfter Gehörgang, Drehschwindel oder eine Mittelohrentzündung können ein Ohrgeräusch nach sich ziehen. Ist die Grundkrankheit ausgeheilt, verschwindet es aber zum Glück in fast allen Fällen.
  • Hörsturz: Ein Infarkt im Ohr ist oft stressbedingt. Er schränkt das Hörvermögen ein, Betroffene fühlen sich, als hätten sie Watte im Ohr. Als Folgeerscheinung kommt oft ein Tinnitus dazu – in etwa 30 Prozent der Fälle wird dieser chronisch. Ob auch der Tinnitus durch Stress ausgelöst wird, ist unklar.
  • Otosklerose: Die Knochenerkrankung im Innen- und Mittelohr führt unbehandelt zu Hörverlust. Auch ein Tinnitus kann dabei auftreten.
  • Bluthochdruck: Ein zu hoher Blutdruck oder eine Verkalkung der Arterien können die Durchblutung im Innenohr stören und ein Ohrengeräusch auslösen.
  • Medikamente: Antibiotika, Krebs- oder Malariamedizin kann in seltenen Fällen einen Tinnitus zur Folge haben.
  • Kieferbeschwerden: In der Nähe von Kiefer und Gehör liegen zahlreiche Nerven und Blutgefäße. Geraten sie ins Ungleichgewicht – etwa durch Verspannungen, kommt es zu Irritationen wie etwa Ohrgeräuschen.

Ein Sonderfall ist der sogenannte primäre Tinnitus. Dabei treten die Ohrgeräusche auf, ohne dass eine Ursache erkennbar ist. Ein möglicher Auslöser ist Stress – ausreichend belegbar ist dies allerdings noch nicht.

Wie lässt sich ein Tinnitus behandeln?

Mediziner*innen unterscheiden zwischen akutem und chronischem Tinnitus. Vom akuten Tinnitus spricht man, wenn die Ohrgeräusche nicht länger als drei Monate andauern. Hält das Ohrgeräusch länger als drei Monate an, gilt es als chronisch.

Ein akuter Tinnitus sollte so schnell wie möglich beim/bei der HNO-Ärzt*in abgeklärt werden. Diese*r testet das Gehör und kontrolliert den Ohrendruck und den Hörnerv. Je genauer die Ausprägung des Ohrgeräuschs bekannt ist, desto genauer fällt die Diagnose aus. Bei einem akuten Tinnitus, etwa aufgrund eines Hörsturzes, wirkt das Medikament Kortison zuverlässig.

Für einen chronischen Tinnitus gibt es verschiedene Therapien, die das Leben mit dem Ohrgeräusch erleichtern. Beim sogenannten Retraining lernen Betroffene, den Tinnitus zu überhören und sich an ihn zu gewöhnen. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung sind Teil dieser Behandlung. Genau wie eine Verhaltenstherapie, bei der die Patient*innen erfahren, wie sie Stress und Ängste besser verarbeiten können.

Ältere Frau im Schneidersitz macht eine Entspannungsübung im Garten.

Gesund bleiben heißt auch, sich Stille zu gönnen

Lärm kann krank machen – deshalb ist es wichtig, sich kleine Ruheoasen zu schaffen. Denn wenn du bewusst Stille zulässt, erholst du dich vom stressigen Alltag und erhöhst sogar deine Produktivität. Bist du regelmäßig lauter Musik oder Straßengeräuschen ausgesetzt, sind Gehörschutzstöpsel sinnvoll.

Wusstest du, dass Ärzt*innen geprüfte Gesundheits- und Medizinapps als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) verordnen dürfen? Wir finden das gut und wichtig und übernehmen die Kosten, wenn es medizinisch sinnvoll ist. Bist du von einem Ohrengeräusch betroffen, verschafft dir vielleicht die App Kalmeda Linderung. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass der Austausch mit anderen Betroffenen eine große Stütze bei chronischen Erkrankungen ist – deshalb unterstützen wir die Deutsche Tinnitus-Liga.  

Gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.