Vergessene Lebensmittel: Von Portulak bis zur Nachtkerze
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Vergessene Lebensmittel: Von Portulak bis zur Nachtkerze

Kennst du den Guten Heinrich oder die Pimpinelle? Viele Lebensmittel, die früher regelmäßig serviert wurden, sind heute von unserem Speiseplan verschwunden. Schade eigentlich, denn regionales Essen wie Portulak oder die Kornelkirsche ist lecker und gesund. Manchen dieser Pflanzen wird sogar eine heilende Wirkung nachgesagt. Im Supermarkt findest du sie eher selten – aber vielleicht bald in deinem eigenen Garten? 

Traditionelle Pflanzen, die wieder auf unserem Teller landen sollten

Bereite doch mal eine dieser fünf altbekannten Gemüsesorten und Kräuter zu. Sie sind lecker, voller wertvoller Nährstoffe und helfen dir vielleicht sogar gegen das eine oder andere Leiden – auch wenn es in den meisten Fällen noch keine klinischen Studien gibt, die die Heilkräfte belegen, wird ihnen nämlich ein positiver Effekt zugeschrieben.

Pimpinelle

Die Pimpinelle ist ein Küchenkraut, das in trockenen Wiesen wächst. Vielleicht hast du sie schon mal gegessen: Sie ist ein traditioneller Bestandteil der Frankfurter Grünen Soße und damit ein Standard in der hessischen Küche.

Geschmack: Die Pimpinelle schmeckt leicht gurkenähnlich.

Deswegen ist sie so gut: Sie enthält gesunde Gerbstoffe, Flavonoide, Vitamin C und ätherische Öle, ganz besonders Linalool.

Heilende Wirkung: Die Pimpinelle soll bei Magenproblemen guttun: Sie gilt als krampflösend und verdauungsfördernd. Studien bestätigen, dass Linalool entzündungshemmend sein kann. Dadurch ist die Pimpinelle förderlich bei Hautproblemen und auch gegen Müdigkeit.

Mögliche Nebenwirkungen: Iss nicht zu viel auf einmal. Das könnte zu Bauchschmerzen führen.

So verwendest du sie: Mach eine „Grie Soß“ daraus oder verarbeite sie im Salat oder Kräuterquark. Du solltest sie weder erhitzen noch trocknen, sonst geht der gute Geschmack verloren.

Eigene Ernte: Ernte die Pimpinelle von Mai bis September frisch von der Fensterbank.

Gibt es Verwechslungsgefahr? Pimpinelle ist nicht gleich Pimpinelle: Die essbare Pimpinelle wird auch Kleiner Wiesenkopf genannt. Pimpinellen, auch bekannt als Bibernellen, aus der Familie der Doldenblütler sind etwas anderes.

Nachtkerze

Die Nachtkerze wurde aus Nordamerika vorwiegend als Zierpflanze eingeführt. Sie blüht hübsch – und das nachts! – und ist sehr gesund.

Geschmack: Die Wurzel schmeckt herzhaft-süßlich, die Blätter sind herb-würzig, die Blüten süß.

Deswegen ist sie so gut: Die Nachtkerze ist reich an Vitamin C, ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E. Vor allem die Nachtkerzensamen enthalten zudem viel Linolsäure.

Heilende Wirkung: Die Nachtkerze soll PMS lindern und als Tee gut gegen Magen-Darm-Probleme helfen. Das Öl der Nachtkerzensamen ist ein bekanntes Naturheilmittel gegen Hautprobleme wie Neurodermitis, da es entzündungshemmend und juckreizlindernd wirken soll. Klinische Studien konnten dies aber bisher nicht bestätigen.

Mögliche Nebenwirkungen: Vorsicht bei Patienten mit schizophrenen Beschwerden oder Epilepsie: Die Nachtkerze könnte eine Wechselwirkung mit Phenothiazinen verursachen und hemmt eventuell die Blutgerinnung.

So verwendest du sie: Die Nachtkerze kannst du vielseitig zubereiten. Koche die Wurzel wie eine Schwarzwurzel, verarbeite die jungen Blätter im Salat oder bereite sie wie Spinat zu. Die essbaren Blüten verzieren Süßspeisen.

Eigene Ernte: Von Juli bis Oktober kannst du die Nachtkerze ernten. Verwende aber nur die jungen Blätter vor der Blüte. Danach werden sie zu bitter.

Gibt es Verwechslungsgefahr? Es gibt einige unterschiedliche Varianten der Nachtkerze. Achte auf den botanischen Namen Oenothera biennis, um die genießbare zu erhalten.

Kornelkirsche

Du brauchst mal eine Abwechslung zu den üblichen Beeren? Sammle doch mal Holunderbeeren oder pflanz die Kornelkirsche in deinem Garten an. Diese wächst an einem Strauch, der durchaus die Ausmaße eines kleinen Baumes erreichen kann.

Geschmack: Die Früchte schmecken süßlich-herb.

Deswegen ist sie so gut: Die Kornelkirsche ist ein starker Vitamin-C-Lieferant. Sie enthält aber auch Pektin, Vitamin B, Vitamin E, Flavonoide und Gerbstoffe.

Heilende Wirkung: Die Kornelkirsche hat keine erwiesene Heilwirkung. Aber es heißt, sie tut bei Durchfall gut.

Mögliche Nebenwirkungen: Mit der Kornelkirsche kannst du nicht viel falsch machen.

So verwendest du sie: Am besten kochst du sie wie Preiselbeeren ein – sie ist zwar roh essbar, aber dann sehr sauer. Du kannst Marmelade aus der Kornelkirsche kochen oder sie entsaften und ein Getränk aus ihr zubereiten. Auch eine Alternative: Leg sie halb-reif wie Oliven ein.

Eigene Ernte: Die Früchte werden zwischen August und Oktober reif. Du erkennst dies daran, dass sie tiefrot, saftig und leicht glasig werden.

Gibt es Verwechslungsgefahr? Die Kornelkirsche wird auch Gelber Hartriegel genannt. Verwechsle sie nicht mit dem Roten Hartriegel – der schmeckt nicht. Die roten Früchte sehen auch Vogelbeeren ähnlich. Die sind übrigens gar nicht giftig und gekocht sogar sehr gesund.

Portulak

Der krautartige Portulak mit seinen fleischigen Blättern ist ein wahrer Überlebenskünstler, der sich schnell verbreitet und daher als Unkraut gilt. Oder anders betrachtet: Mit wenig Aufwand bekommst du einen großen Vorrat an leckerem Gemüse aus deinem Garten.

Geschmack: Portulak schmeckt leicht säuerlich, aber auch ein wenig nussig.

Deswegen ist er so gut: Das Kraut unterstützt deine Gesundheit mit vielen Vitaminen und Nährstoffen: Er enthält Vitamin A, Omega-3-Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Vitamin C, Magnesium, Kalium, sehr viel Alpha-Linolensäure, Eisen und Kalzium.

Heilende Wirkung: Portulak wirkt harntreibend. Dadurch sollen dein Körper entgiftet und Entzündungen gehemmt werden. Sein reicher Schatz an Vitamin A ist gut für Haut und Augen. Magnesium stärkt die Nerven und regt die Serotonin-Produktion an. Ein echtes Mood Food also!

Mögliche Nebenwirkungen: Portulak enthält viel Oxalsäure. Verzichte besser, wenn du unter Nierensteinen, Arthritis, Rheuma oder Gicht leidest.

So verwendest du ihn: Portulakblätter schmecken wunderbar roh im Salat oder klein gehackt im Kräuterquark. Du kannst sie auch wie Spinat garen. Die Blütenknospen legst du wie Kapern ein. Achtung: „Sommer-Portulak“ schmeckt von Natur aus recht salzig. Koste also erst mal, bevor du nachsalzt.

Eigene Ernte: Pflück die Blätter von Mai bis September. Ernte sie aber nur solange der Portulak nicht blüht. Danach werden sie ungenießbar.

Gibt es Verwechslungsgefahr? „Winter-Portulak“ ist kein richtiger Portulak, sondern Tellerkraut. Aber auch das ist essbar und gesund.

Guter Heinrich

Früher wuchs der Gute Heinrich fast überall, heute gilt er als gefährdet. Tu dir und der Umwelt etwas Gutes und pflanz den „Wilden Spinat“ in deinem Garten an!

Geschmack: Die Blätter schmecken würzig-pikant.

Deswegen ist er so gut: Guter Heinrich stärkt dich mit Vitamin C, Kalium, Eisen und Provitamin A.

Heilende Wirkung: Als Heilpflanze ist er weniger bekannt. Er soll aber gegen Verstopfung helfen.

Mögliche Nebenwirkungen: Auch der Gute Heinrich enthält Oxalsäure, die kritisch ist, wenn du unter Nierensteinen, Arthritis, Rheuma oder Gicht leidest. Diese wird allerdings weniger, wenn du das Kraut kochst.

So verwendest du ihn: Alle Pflanzenteile des Guten Heinrichs sind essbar. Gare die jungen Blätter wie Spinat oder mixe sie in deinen Smoothie. Die jungen Triebe und Stängel verarbeitest du wie Spargel. Die Blüten brätst du in Butter.

Eigene Ernte: Bediene dich von März bis Oktober an den Blättern. Sobald der Gute Heinrich blüht, werden diese bitter.

Gibt es Verwechslungsgefahr? Die Blätter des sehr giftigen Aronstabs sehen denen des Guten Heinrichs sehr ähnlich. Schau genau hin, wenn du sie aus der Natur sammelst: die des Aronstabs sind glatter und glänzender.

Rezepte: Gemüse aus Nachtkerzenwurzeln und „falsche Oliven“

Möchtest du gerne mal Nachtkerzen oder Kornelkirschen zubereiten? Wir haben zwei leckere Rezepte für dich:

Curry-Gemüse mit Nachtkerzenwurzeln

Du brauchst für 4 Personen:

  • 500 g Nachtkerzenwurzeln
  • 200 g Süßkartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Kokosöl
  • 1 TL Brühe
  • 200 ml Kokosmilch
  • Currypulver nach Geschmack
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Bund Koriander
  • Als Beilage: Reis

So geht’s:

  1. Schäl die Nachtkerzenwurzeln und die Süßkartoffeln und schneide sie in Scheiben.
  2. Gehackte Zwiebeln im Öl andünsten, Wurzeln und Süßkartoffeln hinzufügen und ein paar Minuten anbraten.
  3. Das Ganze mit Gemüsebrühe und Kokosmilch aufgießen und würzen.
  4. Ca. 15 min. köcheln lassen und zum Schluss mit Koriander verzieren.
  5. Dazu passt Reis als Beilage.

„Falsche Oliven“ – eingelegte Kornelkirsche

Du brauchst für ein Glas:

  • 350 g fast reife Kornelkirschen
  • 1 Knoblauchzehe
  • 350 g Salz
  • Kräuter
  • Olivenöl

So geht’s:

  1. Sterilisiere zwei Einmachgläser.
  2. Wasche die Kornelkirschen und lass sie abtropfen. Fülle ein halbes Glas mit den Kirschen.
  3. Vermische das Salz mit 1 Liter Wasser. Gieße es über die Kirschen und verschließe den Deckel gut.
  4. Lass die Kirschen etwa 14 Tage ziehen. Schüttle das Glas einmal pro Tag. 
  5. Wenn alle Kirschen zu Boden gesunken sind, kannst du weitermachen: Schmecke die Kirschen ab. Sind sie zu salzig, wasche das überschüssige Salz ab und lass die Kirschen abtropfen.
  6. Nimm ein neues sterilisiertes Einmachglas. Schichte die Kornelkirschen gemeinsam mit Knoblauch und gehackten Kräutern. Mach das Glas nicht zu voll.
  7. Übergieße die „falschen Oliven“ mit Olivenöl und lass das Ganze noch mal ein paar Tage stehen.

Gesundes aus dem Kräutergarten: Nachhaltig ernähren aus eigenem Anbau

Dein Garten hält viele leckere Zutaten für dich bereit. Thymian, Zitronenmelisse und Liebstöckl sind weitere Superpflanzen aus dem eigenen Anbau. Kapuzinerkresse verschönert deinen Balkon und deinen Speiseplan als scharfer Sommersalat

Suchst du noch mehr Anregungen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung? Frag unsere Experten im AOK-Ernährungsforum oder besuch unsere Ernährungskurse.

Guten Appetit und gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.