Ein Kleinkind sitzt auf einem Töpfchen und trägt in einer Hand ein Stofftier.
Selbsthilfe

Verstopfung bei Kindern: So wird der Darm wieder aktiv

Dein kleines Kind windet sich, rutscht auf dem Popo herum und weint. Dir ist klar: Hier muss jemand dringend auf die Toilette. Doch es weigert sich, ruft: „Nein! Das tut weh!“ Du würdest ihm so gerne helfen, aber wie? Eine akute Verstopfung tritt bei Kleinkindern sehr häufig auf. Dagegen helfen Verständnis, Geduld, kleine Tricks und manchmal auch ein wenig medizinische Unterstützung.

Verstopfung bei Kindern: Mögliche Auslöser

Etwa 30 Prozent aller Kinder leiden hin und wieder an einer akuten Verstopfung. Mögliche Auslöser können die Ernährung oder auch Veränderungen im Alltag sein. Oft sind es recht banale Ursachen, die das große Geschäft zum Problem werden lassen. Vielleicht hat dein Kind an diesem Tag etwas Ungewöhnliches gegessen oder zu wenig getrunken. Oder es musste bei einer langen Fahrt einhalten und hatte zusätzlich auch weniger Bewegung als sonst. Beim nächsten Gang auf die Toilette ist das große Geschäft schließlich zu hart und tut weh. Diese Erinnerung bleibt hängen und so beginnt ein negativer Kreislauf: Dein Kind fürchtet sich vor Schmerzen und hält so lange wie möglich zurück – so entsteht erneut harter Stuhl, auch der nächste Besuch im stillen Örtchen wird unangenehm und die Angst davor war begründet.

Manchmal hat eine akute Verstopfung bei Kindern auch psychische Ursachen. Einige Kleinkinder ekeln sich vor fremden Toiletten. Oder sie sind gestresst, weil sich ihre Lebenssituation ändert, weil sie im Kindergarten eingewöhnt werden oder ein Geschwisterchen geboren wurde. Jetzt helfen vor allem zwei Dinge: Geduld und Verständnis. Vielleicht könnt ihr auch mit Entspannungsübungen den Stress deines Kindes reduzieren.

Die Symptome: Wann spricht man von einer akuten Verstopfung?

Das Kind hatte seit drei Tagen keinen Stuhlgang – ist das schon eine Verstopfung? Normal ist bei Kleinkindern alles von dreimal am Tag bis zu einmal alle zwei Tage. Wie häufig ein Kind aufs Klo geht, ist aber nicht unbedingt entscheidend. Der wichtigste Faktor ist: Der Stuhl ist hart und das Kind hat Schmerzen beim Toilettengang. Du erkennst eine Verstopfung auch daran, dass dein Kind sichtbar zurückhält, über Bauchschmerzen klagt, pupsen muss und wenig Appetit hat. Gelegentlich riecht der Stuhl auch besonders streng. Es kommt vor, dass sich der Darm weitet und das Kind nicht mehr merkt, wenn es muss. Dann kann es passieren, dass kleine Mengen Kot unbemerkt abgehen und in der Unterhose landen.

Gut zu wissen: Eine Verstopfung ist für Kinder normalerweise nicht gefährlich. Wird das Problem allerdings chronisch, das heißt die Beschwerden bestehen länger als zwei Monate, kann es euch unter Umständen sehr lange begleiten und belasten. Daher solltest du nicht zu lange abwarten.

Verstopfung bei Kindern lösen: Hausmittel und Gelassenheit helfen

Leidet dein Kind unter Verstopfung, kannst du zuallererst die Ernährung und Trinkgewohnheit schrittweise verändern. Viel Wasser, ungesüßter Tee oder eine stark verdünnte Saftschorle helfen, den Stuhl weich zu halten. Verzichtet jetzt auf Lebensmittel wie Banane, Möhre, Schokolade, Süßigkeiten, Joghurt mit Zucker oder Weißmehl. Eine darmfreundliche Ernährung mit einem erhöhten Ballaststoff-Anteil hilft. Es gibt einige Nahrungsmittel, die eine aktive Verdauung fördern.

Abführende Lebensmittel:

  • Vollkornprodukte
  • Birne
  • Kürbis
  • Trockenobst
  • Pflaumenmus
  • Leinsamen (nur, wenn das Kind gleichzeitig viel trinkt)

So bleibt die Verdauung aktiv!

Bewegung ist gut für die Verdauung! Ermutige dein Kind, sich viel zu bewegen und so die Verdauung in Gang zu bringen. Spielen und toben im Freien ist jetzt genau das Richtige. Kleinere Kinder kannst du aktiv bei der Bewegung unterstützen, zum Beispiel durch vorsichtiges Massieren des Bauches oder indem du mit den Beinchen Fahrrad fährst. Um Schmerzen vorzubeugen, creme entzündete und wunde Stellen am Po mit einer Wundsalbe ein.

Mit Übung und Spaß zum Toilettenprofi werden

Größeren Kindern ab etwa vier Jahren hilft auch ein konsequentes Toilettentraining. Regelmäßig etwa zehn bis zwanzig Minuten nach den Hauptmahlzeiten begleitest du dein Kind aufs Klo. Gerne kannst du das stille Örtchen auch zu einem interessanten oder entspannenden Ort gestalten. Bilderbücher, Musik oder Seifenblasen machen die Toilette zu einem kindgerechten Platz. Erklär deinem Kind auch, wie der Darm und die Verdauung funktionieren.

Bei kleinen Kindern kann ein Training wiederum genau das Gegenteil bewirken: Kinder, die zu früh oder unter Stress die Windel loswerden, entwickeln oft Angst vorm Töpfchen. Bleib entspannt und warte, bis dein Kind bereit ist, aufs Klo zu gehen. Es wird dir Bescheid sagen, wenn es bereit ist.

Hilfe holen: Wann muss dein Kind zum Arzt?

Auch wenn eine akute Verstopfung bei Kindern nicht gefährlich ist: Werden die Beschwerden auch nach zwei Wochen nicht besser, solltet ihr lieber zum Kinderarzt gehen. Der prüft, ob vielleicht eine organische Ursache vorliegt. Wahrscheinlich wird euch der Arzt ein Abführmittel für Kleinkinder verschreiben. Dieses enthält in der Regel Polyethylenglykole, die den Stuhl auflockern. Auch kleine Kinder vertragen diese Medikamente meistens sehr gut und können sie problemlos über mehrere Wochen nehmen, bis sich die Verstopfung gelöst hat.

Darm im Gleichgewicht: Für die ganze Familie wichtig

Eine gute Verdauung ist nicht nur bei Kindern ein Thema: Achtest du auf deinen Darm? Reizdarmsyndrom, Verstopfung oder Darmprobleme können auch bei Erwachsenen die Lebensqualität einschränken. Sorge daher in der ganzen Familie mit unseren Tipps für eine gesunde Verdauung.

Einer der wichtigsten Pfeiler für ein gutes Bauchgefühl ist eine vollwertige Ernährung. Wie du ausgewogen kochst oder mit Intoleranzen umgehst, lernst du in unseren Ernährungskursen. Auch in unseren Expertenforen zu den Themen „Ernährung“ oder „Eltern & Kind“ findest du Anregungen. Du brauchst schnell einen persönlichen Rat? Wende dich an unseren medizinischen Telefonservice Clarimedis oder an das AOK-Baby-Telefon.

Gute Gesundheit und eine aktive Verdauung wünscht dir deine AOK Hessen.