Bewährt, sicher, verträglich: So wirkt Kortison
Wirkstoffglossar

Bewährt, sicher, verträglich: So wirkt Kortison

Kortison hat keinen besonders guten Ruf. Das Medikament ist vor allem für seine unerwünschten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder einen erhöhten Blutzuckerspiegel bekannt. Dabei basiert Kortison auf dem körpereigenen Hormon Cortisol. Es ist für viele wichtige Aufgaben in unserem Organismus zuständig. Wird Kortison sorgfältig und kurzzeitig angewendet, gilt es als sicherer Wirkstoff, der Entzündungen und Schmerzen schnell reduzieren kann.

Was ist Kortison eigentlich und wann wird es eingesetzt?

Sogenannte Kortikoide regeln Teile des Stoffwechsels an und sind eine Reaktion des Körpers auf äußere Belastungen. Deshalb werden sie auch Stress-Hormone genannt. Als Medikament lindert Kortison Entzündungen, wo auch immer sie sich im Körper befinden. Es wirkt immunsuppressiv – heißt, das Arzneimittel macht die Abwehraktivitäten des Körpers weniger aggressiv. Gezielt eingesetzt, wirkt es optimal auf Entzündungsherde ein.

Bei diesen Krankheiten wird Kortison verschrieben:

  • Ekzeme, Hautausschlag, Schuppenflechte
  • Gelenk- und Schleimbeutelentzündungen, Rheuma
  • Asthma, Allergien, Lungenkrankheit COPD
  • Tinnitus
  • Zur Minderung von Schüben bei chronischen Krankheiten
  • Zur Lungenreifung des Embryos bei einer drohenden Frühgeburt

Warum hat Kortison einen schlechten Ruf?

Kortison wurde Mitte der Vierzigerjahre zum ersten Mal eingesetzt. Es bescherte der Medizin riesige Erfolge: Starke Rheuma-Schmerzen konnten gelindert werden, Asthma-Patienten erhielten einen Lebensretter, der ihnen Luft schenkte. Kortison bekam den Ruf eines Wunderheilmittels. Doch schon bald kamen die Schattenseiten zum Vorschein: Das neue Medikament wurde überaus großzügig verwendet, es traten zum Teil sehr starke Nebenwirkungen auf. Mittlerweile hat die Medizin viel dazugelernt. Ärzte setzten Kortison gezielt und sehr gut dosiert ein. Mit einer umsichtigen Behandlung treten heute wenige bis keine Nebenwirkungen auf.

Kortisonsalbe: Auf der Haut ein sicherer Helfer

Hautärzte verschreiben Kortison meist als Creme, wenn sich die Entzündungszellen direkt am Ort des Geschehens abwehren lassen – zum Beispiel auf deiner gereizten Haut. Ein Vorteil der lokalen Anwendung: Das Kortison gelangt nicht unnötig in die Blutbahn, sondern auf direktem Wege dahin, wo es schmerzt und brennt. Gerade Juckreiz und Hautrötungen lassen sich so zuverlässig lindern. Wichtig für dich zu wissen, ist, dass die Anwendung zeitlich und lokal begrenzt sein sollte. Eine dauernde Nutzung kann die Haut verdünnen. Natürlich stimmen Ärzte die Kortisonbehandlung auf die jeweilige Körperpartie ab: An den Oberschenkeln werden höherdosierte Präparate eingesetzt als an empfindlichen Stellen wie im Gesicht oder im Genitalbereich.

Kortisonspray: Erste Hilfe bei Asthma und heftigem Heuschnupfen

Wer hypersensible Bronchien oder Asthma hat, braucht bei plötzlicher Atemnot blitzschnell Linderung. Dosiersprays bringen dann das lebenswichtige Kortison direkt in die Bronchien, wo es helfen kann. Auch bei schwerem Heuschnupfen können Kortison-Nasensprays die Immunreaktion in der Nase unterdrücken. Im Allgemeinen ist Kortison zum Inhalieren problemlos, effektiv und in den empfohlenen Dosierungen sicher. Wichtig ist dennoch immer der Blick auf den Beipackzettel: Rachensprays können unter anderem die Schutzfunktion der Mundschleimhäute senken und eine Pilzinfektion auslösen. Es wird empfohlen, dass du nach jeder Inhalation deinen Mund ausspülst oder deine Zähne putzt.

Kortison-Tabletten und Spritzen: hochdosiert – und bei richtiger Anwendung hochwirksam

Bei Erkrankungen wie Rheuma wird Kortison in Form von Tabletten, Spritzen oder Infusionen verabreicht. Verordnet dein Arzt dir eine Einnahme für zwei bis drei Wochen, riskierst du kaum ernsthafte Nebenwirkungen. Spritzen wird er dir wahrscheinlich nur einmalig oder in Abständen verabreichen. Nimmst du Tabletten, gelangt das Kortison ins Blut und wirkt in deinem ganzen Körper. Deshalb solltest du diese Regeln bei der Einnahme von Kortison-Tabletten beachten:

  • Nimm dein Medikament immer zwischen 6 und 8 Uhr morgens ein. Zu dieser Zeit schüttet dein Körper das meiste Cortisol aus und du verhinderst, dass er die eigene Produktion senkt.
  • Kortison-Tabletten können die Wirkung von anderen Wirkstoffen verstärken oder abschwächen. Informiere deinen Arzt, wenn du bereits andere Medikamente nimmst.
  • Warte mit einer Impfung lieber, bis deine Kortison-Behandlung abgeschlossen ist. Sonst kann dein Körper durch die immunsuppressive Wirkung des Kortisons eventuell nicht ausreichend Antikörper bilden.
  • Setze Kortison-Tabletten nie abrupt, sondern in Absprache mit deinem Arzt ab. Entzugserscheinungen sind möglich, da dein Körper nicht mehr genug eigenes Cortisol produziert.
  • Während der Behandlung mit Kortison steigt der morgendliche Blutzuckerspiegel. Behalte deine Werte in dieser Zeit gut im Auge, falls du Diabetiker bist.

Was Kortison kann – und was nicht

Kortison ist keine Wunderwaffe. Es heilt nicht, sondern lindert die Symptome deiner Erkrankung. Allergien etwa haben meist Ursachen, die durch Kortison nicht behoben werden. Deshalb verschreiben Ärzte Kortison meist nur für eine bestimmte Zeit, danach empfehlen sie ein Medikament ohne den Wirkstoff. Ein einheitliches Behandlungsschema gibt es allerdings meist nicht.

Wenn du sicher sein willst, ob Kortison der richtige Wirkstoff für deine Symptome ist, kannst du dich zum Beispiel über deinen Apotheker beraten lassen oder eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Für eine weitere Online-Recherche zu Kortison empfehlen wir dir unsere Tipps, um vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen zu finden und richtig einzuordnen. Unser  medizinisches Info-Telefon AOK-Clarimedis hilft dir gerne weiter und informiert über Wirkung, Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.