Co-Abhängigkeit: Was ist das?
Suchtprävention

Co-Abhängigkeit: Was ist das?

Sucht zerstört oft nicht nur das Leben der direkt abhängigen Menschen – sie ist eine Belastung für die ganze Familie und das nahe Umfeld. Wenn dein Partner oder deine Mutter/dein Vater alkoholabhängig ist, hat das auch enorme Auswirkungen auf dich und deine psychische Gesundheit. Du machst dir sicher viele Sorgen und Gedanken, ob finanzieller oder sozialer Art oder sogar um das Leben dieser dir am Herzen liegenden Person. Wird das eigene Leben völlig durch die Sucht des Abhängigen gesteuert, spricht man von Co-Abhängigkeit.

Wenn die Sucht des anderen den Alltag bestimmt

Das Zusammenleben mit einem Alkoholkranken ist unglaublich kraft- und nervenaufreibend. Alkoholabhängige haben oft Stimmungsschwankungen, denen die Angehörigen wehrlos ausgesetzt sind. Das kann von übermäßigen Liebesbekundungen und Geschenken bis hin zu Wutausbrüchen und sogar körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch reichen. Die Verhaltensweisen sind oft völlig unverhältnismäßig, was den Abhängigen auch für sein nahes Umfeld völlig unberechenbar macht.

Betroffene versuchen oft, die Sucht ihres Partners oder Elternteils zu vertuschen und zu überspielen. Ihnen ist der Zustand des Süchtigen peinlich, und sie wollen nach außen hin den Eindruck vermitteln, dass sie alles unter Kontrolle haben. Sie erfinden Ausreden für sein Verhalten und laden immer seltener Freunde und Verwandte nach Hause ein, da sie nie wissen, in welchem Zustand der Angehörige ist. Das führt zu sozialer Isolation.

Oft übernehmen Co-Abhängige die gesamte Verantwortung für den Süchtigen und versuchen, den Alltag allein zu stemmen. Dazu kommen Schuldgefühle und die Verdrängung von Sorgen oder Gefühlen, die das eigene Leben betreffen. Die Last, die sie mit sich tragen, ist enorm.

Wer einmal in die Co-Abhängigkeit gerutscht ist, hat ein hohes Risiko, diesem Muster wieder zu verfallen. Rund 60 Prozent der Frauen, die mit einem Alkoholkranken verheiratet sind, sind mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil aufgewachsen.

Zurück ins eigene Leben

Um wieder ein glückliches und befreites Leben führen zu können, gilt es, dich von deiner Co-Abhängigkeit zu lösen und zu erkennen, dass du nicht an der Sucht deines Partners, deines Vaters oder deiner Mutter schuld bist und dass du demjenigen auch nicht helfen kannst. Er muss sich selbst dazu entschließen, seine Sucht zu bekämpfen.
Deine Aufgabe ist es, dich um dich selbst zu kümmern. Du hast ein Recht auf dein eigenes Leben, das sich um dich dreht. Deine eigenen Probleme und Gefühle sind wichtig und dürfen nicht in der Abhängigkeit deines Partners oder des Elternteils untergehen.

Der erste Schritt aus der Co-Abhängigkeit ist, dich anderen gegenüber zu öffnen und dir Hilfe zu suchen – daran ist nichts peinlich oder schwach. Das kann eine Beratungsstelle, der Kontakt mit anderen Betroffenen oder dein Hausarzt sein. Co-Abhängigkeit betrifft mehr Menschen, als du denkst, und du bist nicht allein in dieser scheinbar verfahrenen Situation. Wichtig ist, darüber zu sprechen und den Schritt aus der Heimlichkeit zu wagen.

Mehr Infos zum Thema Alkoholsucht und welchen Einfluss sie auf das Familienleben hat, erfährst du in diesem Artikel.