Darm-Hirn-Achse: Was haben Darmbakterien mit Depressionen zu tun?
Selbsthilfe

Darm-Hirn-Achse: Was haben Darmbakterien mit Depressionen zu tun?

Deine Darmbakterien haben großen Einfluss auf deine Psyche – das zeigen neuste Forschungsergebnisse. In der recht jungen Mikrobiom-Forschung mehren sich Hinweise, dass eine gestörte Darmflora eine Depression mitverursachen kann. Erforscht wird deshalb auch, ob Pro- und Präbiotika Darmbakterien vermehren können, die sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Effekte dieser winzigen Mikroben sind zwar noch nicht ausreichend mit wissenschaftlichen Studien belegt, erste Erkenntnisse klingen jedoch vielversprechend.

Darm-Hirn-Achse – bitte was?

In deinem Bauch verbirgt sich ein zweites Gehirn: dein Darm. Er ist ein hochkomplexes Nervensystem, das ähnlich aufgebaut ist wie das Gehirn in unserem Kopf. Deshalb wird er als Bauchgehirn bezeichnet. Unser Darm kann quasi eigenständig „denken“ und vielfältige Prozesse in Gang bringen. Er erhält nicht nur Anweisungen aus dem Gehirn, sondern sendet auch selbst Signale dorthin. Kommuniziert wird über bestimmte Nervenbahnen, der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Und zwar intensiv und wechselseitig! Die meisten Nervenimpulse werden dabei von unserem Darm ans Gehirn gesendet. Es gibt Anzeichen, dass spezielle Darmbakterien die Hirnaktivität verändern und das seelische Gleichgewicht positiv beeinflussen können.

Ob eine psychobiotische Ernährung bzw. eine Nahrungsergänzung mit Probiotika depressive Erkrankungen tatsächlich verhindern können, steht noch am Anfang der Forschung.

Psychobiotika: Wie Bakterien unsere psychische Gesundheit beeinflussen

Was wir essen, wird als Information über die Darmnerven zum Gehirn weitergeleitet. Dabei spielt unsere Darmflora die Hauptrolle. Im menschlichen Verdauungstrakt wurden bis heute in der Darmflora, also dem Darm-Mikrobiom, mehr als 1.000 verschiedene Bakterienarten gefunden. Die kleinen Mikroben helfen uns, die tägliche Nahrung zu verarbeiten. Sie produzieren lebenswichtige Vitamine (z.B. B-Vitamine und Vitamin K) und kommunizieren mit unserem Nerven-, Immun- und Hormonsystem.

Psychobiotische Ernährung für eine gesunde Darmflora

Mit einer psychobiotischen Ernährung förderst du eine gesunde Balance des Mikrobioms. Bei dieser Ernährungsform stehen vor allem Gemüse, Obst und ballaststoffreiche Getreidesorten auf dem Speiseplan. Nüsse, Körner, Samen, gesunde Fette (Olivenöl, Leinöl) und fermentierte Lebensmittel (Joghurt, Sauerkraut, Kefir) solltest du am besten täglich essen. Fleisch und Süßigkeiten dagegen so wenig wie möglich. Gerade Zucker füttert Bakterien, die entzündliche Prozesse fördern. Fisch, Geflügel und Eier? Ja, aber in Maßen!

Um psychobiotische Darmbakterien zu vermehren, solltest du ausreichend Pro- und Präbiotika zu dir nehmen. Während Probiotika die Produktion von Glückshormonen fördern, können Präbiotika den Stresspegel ausbalancieren, indem sie das Stresshormon Kortisol senken.

Probiotika sind Lebensmittel mit lebenden Milchsäurebakterien, die sich besonders positiv auf die Darmflora auswirken. Ganz vorne rangieren die Bakterienstämme Lactobacillus und Bifidobakterien. Präbiotika sind Ballaststoffe, welche die probiotischen Bakterien sozusagen füttern. Vor allem der Ballaststoff Inulin hat positive Auswirkungen auf unsere Darmbakterien.

Können fehlende Bakterienstämme eine Depression begünstigen?

Wissenschaftler der Katholischen Universität Leuven in Belgien untersuchten in einer groß angelegten Studie mit über 2.000 Stuhlproben, wie das Mikrobiom mit der psychischen Gesundheit zusammenhängt. Sie entdeckten, dass bei Menschen mit Depression zwei Bakterienstämme in der Darmflora fehlen. Die Bakterienarten der Gattungen Coprococcus und Dialister wurden nur vermindert im Stuhl depressiver Personen nachgewiesen. Selbst nach Einnahme von Antidepressiva hatte sich dieses Ergebnis nicht verändert. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen fehlenden Bakterien und Depressionen ist zwar nicht eindeutig belegt, die Anzeichen der Untersuchung deuten aber daraufhin. Die Studie wurde im Fachjournal „Nature Microbiology“ im Februar 2019 veröffentlicht.

Stuhltransplantation gegen Depressionen

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hat sich eine Stuhltransplantation als wirksam erwiesen. Ob dieser Therapieansatz eine Option bei depressiven Erkrankungen ist, wird gerade erforscht. An der Universität Basel versuchen Forscher, mit Stuhltransplantationen die Mikrobiom-Zusammensetzung depressiver Patienten zu beeinflussen.

Für wissenschaftlich gesicherte individuelle Therapieempfehlungen ist es noch zu früh. Gar nicht früh genug kannst du damit beginnen, den guten Darmbakterien auf die Sprünge zu helfen und für eine gesunde Darmflora zu sorgen.

Suchst du nach weiteren Tipps für eine optimale Nährstoffversorgung für deinen Darm? Unsere interaktive Gemüsetabelle zeigt dir, welches Gemüse die höchsten Nährwerte hat. Außerdem verraten wir dir, was an probiotischen Drinks wie Activia, Yakult und Co. dran ist, wie du deinen Darm gesund hältst und wie er überhaupt funktioniert. Wenn dein Darm schon 50-mal Geburtstag mit dir feiern durfte, solltest du übrigens auch regelmäßig zur Darmkrebsfrüherkennung gehen.

Einen gesunden und klugen Darm wünscht deine AOK-Hessen.