Der Fingerhut: giftige Heilpflanze und Herzmittel
Heilkräuter

Der Fingerhut: giftige Heilpflanze und Herzmittel

In kräftiges Rot, Lila oder Gelb gekleidet, zieht er zurzeit alle Blicke auf sich: der Fingerhut. Schön ist er zweifellos, doch mit Vorsicht zu genießen, denn die Pflanze ist hochgiftig. Interessanterweise wird der Fingerhut trotzdem seit Jahrhunderten als Medikament eingesetzt. Was ist der Fingerhut nun: Gift oder Medizin? Die Antwort ist einfach: beides – entscheidend ist die Dosierung des Wirkstoffes.

Altbekannte Wirkung

In der Volksmedizin ist der Fingerhut – nach seiner lateinischen Bezeichnung auch Digitalis genannt – als Heilmittel bereits seit dem Mittelalter bekannt. Natürlich war es in erster Linie die giftige Wirkung, die unseren Vorfahren auffiel. Dennoch wurde auch die heilkundliche Verwendung erprobt und das so gewonnene Wissen weitergegeben. Im 18. Jahrhundert fand ein englischer Arzt heraus, welche Wirkstoffe der Digitalis bei der Behandlung eines Herzleidens von Nutzen sind. Seitdem ist der Fingerhut aus der Medizin nicht mehr wegzudenken.

Herzschwäche: Fingerhut kann helfen

Digitalis-Medikamente werden auch häufig als „Herzglykoside“ bezeichnet, weil sie auf das Herz wirken. So kommen die Medikamente vor allem bei Herzinsuffizienz zum Einsatz. Bei dieser Krankheit ist die Pumpleistung des Herzens deutlich vermindert, sodass bereits alltägliche Anforderungen, wie z. B. das Treppensteigen, für den Betroffenen zur Belastung werden können. Herzglykoside steigern die Kraft des Herzens und senken gleichzeitig seine Frequenz. So bekommt das Herz mehr Zeit, um kräftig genug zu schlagen.

Heil- oder Giftstoff? Eine Debatte

Glykoside aus der Digitalis-Pflanze werden auch heute noch verwendet. Allerdings stehen die Medikamente wegen ihrer geringen „therapeutischen Breite“ immer wieder in der Kritik. Denn ausschlaggebend für den Erfolg des Medikaments ist die Dosierung, die perfekt sein muss: zu wenig und die gewünschte Wirkung bleibt aus, zu viel und eine Vergiftung kann die Folge sein. Deswegen werden heute zunehmend sichere Ersatzstoffe eingesetzt. Digitalis-Medikamente kommen jedoch weiterhin zum Einsatz, wenn andere Präparate keine Wirkung zeigen.

Wichtig ist, dass du die Fertigmedikamente niemals auf andere Weise einnehmen solltest als von deinem Arzt empfohlen. Fingerhut bleibt eben eine Giftpflanze und die Nebenwirkungen können mit Übelkeit, Schwindel und Erbrechen sowie Herzrhythmusstörungen teilweise stark ausfallen.

Den Stellenwert, den die „Herzglykoside“ vor rund 20 Jahren noch hatten, haben sie heute nicht mehr. Die wissenschaftliche Untersuchung der Digitalis-Wirkstoffe jedoch geht weiter.

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Weiterhin gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.

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