Endometriose: Das Chamäleon unter den Frauenkrankheiten
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Endometriose: Das Chamäleon unter den Frauenkrankheiten

„Im August wird der Schmerz unerträglich. Ich werde wahnsinnig davon, und die Ärzte finden keine wirkliche Erklärung.“ Anfang 2018 beschreibt Schauspielerin Lena Dunham in einem intimen Beitrag für die amerikanische Vogue, was vielleicht auch dein monatlicher Albtraum ist: unerträgliche Periodenschmerzen. Dieses Problem trifft viele Frauen. Ärzte finden häufig keine Ursache oder schenken der Patientin keinen Glauben. Dahinter steckt oft Endometriose.

Endometriose: Die unerkannte Krankheit

Es ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen: Endometriose. Schätzungsweise 10 – 15% aller Frauen und Trans*Männer im fruchtbaren Alter leiden unter Zysten, Entzündungen und Reizungen im Bauchraum, den sogenannten Endometrioseherden. Obwohl sie so verbreitet ist, wird sie oft nicht erkannt. Durchschnittlich müssen Patientinnen sechs Jahre auf die Diagnose warten. 

Symptome: Mehr als nur Periodenschmerzen

Bei Endometriose siedeln sich Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut (dem Endometrium) ähneln, außerhalb der Gebärmutter an. Betroffen sind häufig das Bauchfell, die Eierstöcke, die Gebärmutterwand, Blase oder der Darm. Es kann aber auch die Lunge befallen sein. Die Endometriosezellen verhalten sich wie die eigentliche Gebärmutterschleimhaut hormonell zyklusabhängig. Sie wachsen bis zum Eisprung und werden anschließend abgebaut. Allerdings können sie nicht wie das Endometrium als Menstruationsblutung abfließen.

Endometriose macht sich nicht immer bemerkbar. Manche Frauen sind betroffen, ohne darunter zu leiden. Meistens tarnt sie sich jedoch als „Chamäleon“, denn die Symptome sind sehr unterschiedlich. Häufig sind:

  • Starke Unterleibsschmerzen und -krämpfe vor und während der Menstruation
  • Starke und unregelmäßige Regelblutungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen beim Stuhlgang und Urinieren
  • Blutungen aus Blase und Darm
  • Darm-Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung

Mögliche Folgen von Endometriose

Üblicherweise schwankt die Intensität der Beschwerden im Laufe des monatlichen Zyklus. Doch bei vielen Patientinnen entstehen Vernarbungen, Verwachsungen und chronische Entzündungen. Diese verursachen anhaltende Schmerzen. Vielleicht erlebst auch du es, dass du dich deswegen ständig müde und erschöpft, aber auch traurig und gereizt fühlst.

Sind die Eileiter betroffen, werden viele Frauen unfruchtbar. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. schätzt: Bei 40 – 60 % aller Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist Endometriose die Ursache. Doch auch mit dieser Erkrankung ist es möglich, ein Kind zu bekommen. Die Endometriose erschwert dir zwar den Weg zum Wunschkind. Aber du hast trotzdem gute Chancen, mit künstlicher Befruchtung schwanger zu werden.

Endometriosezellen gelten als gutartig. Doch sie können sich ausbreiten und so dauerhafte Schäden verursachen. Ein allgemein erhöhtes Krebsrisiko hast du deswegen nicht. Nur in sehr seltenen Fällen entwickelt sich auf dem Boden der Endometriose ein bösartiger Tumor.

Die Behandlung der Krankheit ist langwierig

Die Ursache von Endometriose ist bisher unbekannt. Klar ist nur: In vielen Fällen wird sie vererbt. Und sie ist ganz sicher nicht ansteckend. Sie beginnt in der Zeit zwischen der Pubertät und den Wechseljahren. Die Krankheit gilt bisher als unheilbar und es gibt keine sichere Therapie. Mit der Menopause bildet sich die Endometriose allerdings oft von selbst zurück.

Endometriose muss nur behandelt werden, wenn du Beschwerden hast. Wenn du unter lang anhaltenden Schmerzen, unerfülltem Kinderwunsch oder einer endometriosebedingten Organstörung leidest, ist ein erfahrener Gynäkologe der beste Ansprechpartner. Dieser wird dich zuerst abtasten und einen Ultraschall durchführen. Manchmal kann er so schon Endometrioseherde erkennen.

Oft ist für eine sichere Diagnose eine Bauchspiegelung notwendig. Bei diesem operativen Eingriff führt der Arzt kleine optische Instrumente in den Bauchraum ein und untersucht so die Organe. Findet er dabei einen Endometrioseherd, wird er diesen unter Umständen entfernen. Wenn deine Endometriose bereits tief in das Gewebe von anderen Organen wie Blase oder Darm eingewachsen ist, wähle am besten eine Klinik, die viel Erfahrung mit solchen Eingriffen hat.

Möglicherweise wird der Arzt auch zuerst versuchen, die Endometriose mit Medikamenten einzudämmen.

Manchen Patientinnen helfen schmerz- oder krampflösende Mittel. Andere machen mit Akupunktur oder gesunder Ernährung gute Erfahrungen. Da Endometriose zyklusabhängig ist, lässt sie sich manchmal mit Hormonen „auf Eis legen“. Besprich mit deinem Arzt, ob eine solche Behandlung für dich sinnvoll ist. Vielleicht werden deine Beschwerden auch nach einer Schwangerschaft besser. Welche Therapie dein Arzt dir empfiehlt, hängt davon ab, wie stark deine Beschwerden sind, wo die Endometrioseherde genau liegen, wie alt du bist und ob du noch Kinder bekommen möchtest.

Die Krankheit kann durch emotionale Probleme verstärkt werden. Oder andersrum: Die starken Schmerzen sind häufig eine enorme Belastung für deine Psyche. Es kann dir helfen, wenn du dir zusätzlich bei einem Psychologen, einem Schmerztherapeuten oder einem Sexualberater Hilfe suchst.

Wenn keine andere Therapie hilft oder die Schmerzen zu groß sind, ist der letzte Ausweg, sich die Eileiter oder Gebärmutter entfernen zu lassen. Ohne Eierstöcke produziert dein Körper kein Östrogen mehr. Ohne dieses Hormon können die Endometrioseherde nicht weiterwachsen. Allerdings versetzt dich dieser Eingriff schlagartig in die Wechseljahre, was wiederum starke Beschwerden hervorrufen kann. Werden diese mit Östrogenpräparaten behandelt, können die Endometriose-Symptome zurückkehren.

Auch für Lena Dunham gab es schlussendlich keine andere Lösung: Sie unterzog sich mit 31 Jahren einer sogenannten Hysterektomie (Gebärmutterentfernung).

Endometriose: So findest du Hilfe

Betroffene Frauen gehen oft einen langen Leidensweg, bis sie Hilfe finden. Viele scheuen ein offenes Gespräch. Denn die Periode ist immer noch ein Tabu-Thema. Andere werden nicht ernst genommen. Dabei ist es besonders wichtig, dass du dir Hilfe suchst, wenn du unter starken Schmerzen oder anderen Symptomen leidest. Am besten kontaktierst du einen Frauenarzt, der sich mit Endometriose auskennt.

Wir helfen dir mit unserem medizinischem Info-Telefon bei allen Fragen gerne weiter. Vielleicht gibt dir auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe Kraft. Erzähle deiner Familie und deinen Freunden, wie es dir geht. So gibst du ihnen die Möglichkeit, deine Krankheit zu verstehen und dich besser zu unterstützen.

Gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen.

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