Erblicher Brustkrebs: Brustentfernung sinnvoll?
Vorsorgeuntersuchung

Erblicher Brustkrebs: Brustentfernung sinnvoll?

Das bekannteste Beispiel einer Frau, die sich vorsorglich die Brüste hat abnehmen lassen, ist wahrscheinlich Angelina Jolie. Die amerikanische Schauspielerin machte im Jahr 2013 Schlagzeilen mit ihrer radikalen Entscheidung für diese OP. Seitdem ist die Erkrankung erblicher Brustkrebs auch bei vielen Menschen ein Thema, die bis dahin noch nie etwas davon gehört hatten. Aber was verbirgt sich eigentlich dahinter und ist diese Operation überhaupt sinnvoll?

Häufigkeit

Leider tritt Brustkrebs nicht selten auf. In Deutschland erkrankt ungefähr eine von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens daran, etwa 75.000 im Jahr. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter bis ungefähr 64 Jahre, danach sinkt sie wieder. Eine 40-jährige Frau hat ein statistisches Risiko von 1,5 Prozent, eine 60-jährige Frau von 3,6 Prozent, an Brustkrebs zu erkranken. Dies gilt jedoch nur dann, wenn in der Familie bisher keine Fälle von Brustkrebs vorgekommen sind. Wenn Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt sind, verdoppelt sich dieses durchschnittliche Risiko. Zu einer Krebserkrankung kommt es, wenn Genmutationen zu einem unkontrollierbaren Tumorzellwachstum führen. Bei den meisten Krebsarten sind davon aber nur Gene in den Krebszellen betroffen. Bei erblichem Brustkrebs hingegen finden sich die Mutationen auch in den anderen Körperzellen und werden an die nächste Generation weitergegeben. Bei fünf bis zehn Prozent der Frauen mit Brustkrebs können solche vererbbaren Genmutationen nachgewiesen werden – am häufigsten betroffen sind die Gene BRCA1 und BRCA2 (Breast Cancer = Brustkrebs). Ungefähr die Hälfte dieser Frauen erkrankt vor ihrem siebzigsten Lebensjahr an Brustkrebs.

Diagnose

Wenn in Familien Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs aufgetreten sind, vor allem gehäuft oder bereits im jungen Alter von unter 50 Jahren, sollten sich Frauen vorsorglich in einem Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs beraten lassen. In Hessen ist die zuständige Zentrumssprecherin Prof. Dr. Christine Solbach vom Universitätsklinikum Frankfurt. Betroffene können einen Termin telefonisch unter 069 63015503 vereinbaren.

Ob nach der Beratung auch eine Gendiagnostik erforderlich ist, hängt von dem individuell ermittelten familiären Risiko ab.

Wir, deine AOK Hessen, übernehmen in der Regel die Kosten für die dortige Beratung und die vom Zentrum veranlasste Gendiagnostik. Informiere dich bitte vorab bei uns.

Mastektomie als Prävention

Werden bei bisher gesunden Frauen die Genmutationen BRCA1 oder BRCA2 nachgewiesen, können als präventive Maßnahmen die Mastektomie, die beidseitige Entfernung des gesunden Brustdrüsengewebes, und eine Entfernung der Eierstöcke in Betracht gezogen werden. Das Risiko, tatsächlich an Brustkrebs zu erkranken, soll so um bis zu 95 Prozent gesenkt werden. Über alle Möglichkeiten der Diagnostik und der Operation werden Patientinnen vorab ausführlich beraten. Die Empfehlung des Arztes wird immer individuell getroffen.

Und danach?

Viele Frauen wünschen sich, dass die verlorene Brust wieder aufgebaut wird. Das ist in der Regel auch möglich. Dabei gibt es eine Bandbreite unterschiedlicher Verfahren. Vom Brustaufbau mit Eigengewebe bis zum Brustaufbau mit Implantaten oder kombinierte Verfahren. Welches das für dich geeignete Verfahren ist, wird dein Arzt mit dir besprechen.

Deine AOK Hessen wird dich bei deinen Entscheidungen gerne begleiten.