Gemeinschaft macht glücklich: Einsamkeit überwinden
Selbsthilfe

Gemeinschaft macht glücklich: Einsamkeit überwinden

Ein starkes Umfeld und eine erfüllende Beziehung erhöhen unsere Lebensqualität gewaltig. Fehlen sie, können wir uns einsam fühlen. Das ist nicht nur ein schmerzhaftes Gefühl, sondern ein Zustand, der auf Dauer auch deiner Gesundheit schaden kann. Die Einsamkeit ist ein Warnsignal, das uns Menschen dazu bewegen soll, den sozialen Anschluss nicht zu verlieren. Anders als häufig angenommen betrifft sie junge Menschen genauso sehr wie ältere. Wie es dazu erst gar nicht kommt oder was du tun kannst, um der Isolation zu entweichen, erfährst du in unseren Tipps.

Geselligkeit liegt uns in den Genen

Wir Menschen sind von Natur aus soziale Wesen. Wir wollen dazugehören und uns anderen Menschen verbunden fühlen. Das Gefühl von Einsamkeit ist ein Warnsignal, das tief in uns verwurzelt ist. Es erinnert uns daran, den sozialen Anschluss nicht zu verlieren. Denn auch aus evolutionärer Sicht sind wir für ein sicheres und gesundes Leben auf unser soziales Umfeld angewiesen. Das Miteinander im Stamm oder in der Dorfgemeinschaft war lange Zeit überlebenswichtig, weil es Schutz, Nahrung und ein Dach über dem Kopf versprach. Von der Gemeinschaft ausgegrenzt zu werden konnte früher sehr gefährlich sein. Obwohl wir heute in Deutschland mit allem Lebensnotwendigen bestens versorgt sind, bleibt das Bedürfnis nach sozialer Nähe. Fehlt es, verspüren wir Stress und Schmerz. Denn die Hirnregionen zuständig für Schmerz und Einsamkeit sind identisch!

Einsamkeit – eine Stressreaktion mit Folgen

Auf Einsamkeit reagiert dein Körper häufig mit Stressanzeichen: Der Blutdruck steigt und dein Blut ist voller Stresshormone. Außerdem fährt dein Körper im Stresszustand Prozesse runter, die nicht für das direkte Überleben notwendig sind. So zum Beispiel deine Verdauung und die Immunabwehr. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, bedeutet das eine starke Belastung für deinen ganzen Körper, und der Stress kann krank machen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu – genauso wie die Gefahr, an Diabetes oder Krebs zu erkranken. Außerdem kann ständige Einsamkeit zu einer Depression führen.

Laut einer Studie der Brigham Young University, Utah, USA, kann Einsamkeit langfristig zu einem ähnlich hohen Gesundheitsrisiko führen wie Fettleibigkeit, Bewegungsmangel oder starkes Rauchen! Ein gesundes soziales Umfeld, ein enger Austausch und starker Zusammenhalt sind also wichtige Bestandteile eines gesunden Lebensstils.

Alleinsein und Einsamkeit – ein wichtiger Unterschied

Wenn du alleine bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du dich auch einsam fühlst. Viele Menschen genießen es, ab und an niemanden um sich herum zu haben. Eine kleine Auszeit nur für dich kann sogar gesund sein. Endlich kannst du dich mal auf deine Bedürfnisse konzentrieren. Doch während wir uns für eine persönliche Auszeit bewusst entscheiden, ist Einsamkeit nicht selbst gewählt. Einsame Menschen sind in der Regel traurig und fühlen sich ausgegrenzt – oft selbst dann, wenn sie von anderen umgeben sind. Ihnen fehlen ein soziales Miteinander sowie das Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit. Dadurch leidet auf Dauer auch ihr Selbstwertgefühl.

Hier lauert eine große Gefahr. Denn wenn Menschen ihr Selbstwertgefühl verlieren, kann das leicht dazu führen, dass sie sich weniger zutrauen. Sie fühlen sich nutzlos, minderwertig und verstricken sich in negativen Gedanken. Zudem können ihre kommunikativen Fähigkeiten verloren gehen. Sie werden eigenbrötlerisch und es mangelt ihnen zunehmend an Empathie, d.h. sie können sich nur schlecht in ihre Mitmenschen hineinversetzen – sie verlieren ihr Feingefühl für höfliche Umgangsformen. Das macht es für sie immer schwieriger, aus der Einsamkeit auszubrechen. Viele werden aufgrund von negativen Erfahrungen auch misstrauischer oder fürchten sich vor Zurückweisung. So geraten sie leicht in eine sich selbst verstärkende Spirale, aus der sie sich mit eigener Kraft nur noch schwer befreien können.

Ob jung oder alt – Einsamkeit kann jeden treffen

Der Umzug in eine andere Stadt, eine schmerzhafte Trennung, der Auszug der Kinder oder der Eintritt in den Ruhestand – viele Situationen können dazu führen, dass wir uns zuweilen einsam fühlen. Einsamkeit betrifft junge und ältere Menschen gleichermaßen – und sie nimmt in Deutschland immer weiter zu. Das zeigt der Deutsche Alterssurvey, eine Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Altersfragen. Ein Grund für Einsamkeit könnte die fortschreitende Fokussierung auf das Individuum in unserer modernen Gesellschaft sein. Immer mehr Menschen messen den persönlichen Bedürfnissen den höchsten Stellenwert zu. Darüber hinaus verbringen junge Menschen häufig längere Zeit im Ausland, ziehen zum Studium oder für den Job in eine andere Stadt und verlieren so den persönlichen Kontakt zu ihrem früheren Umfeld.

Im höheren Alter lässt sich eine leichte Zunahme an empfundener Einsamkeit erkennen. Dann leiden Betroffene besonders unter großen Lebensumstellungen oder sozialen Verlusten wie zum Beispiel der Tod von Lebenspartnern oder lebenslangen Angehörigen und Freunden. Oder eine Krankheit schränkt die Menschen ein und erschwert die Teilnahme am sozialen Leben.

Digitalisierung – neue Hoffnung gegen die Einsamkeit?

Unser Leben spielt sich heute zunehmend digital ab. Das kann einerseits hilfreich sein, denn wir haben viele neue Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, uns zu vernetzen und auszutauschen – mit weniger Berührungsängsten. Dadurch müssen wir zwar nie allein sein, doch wirklich tiefgründige Begegnungen ergeben sich nur selten. Dem echten zwischenmenschlichen Kontakt kann die Technik kaum das Wasser reichen. Das kennst du bestimmt auch von dir selbst. Ausgiebige Telefonate mit den Liebsten können zwar Freude bereiten, doch eine echte Umarmung und Gespräche von Angesicht zu Angesicht berühren alle Sinne und erfüllen uns dadurch auf einer ganz anderen Ebene.

Tipps gegen die Einsamkeit

Wenn du dich einsam fühlst, können dir folgende Tipps dabei helfen, den gesellschaftlichen Anschluss wiederzufinden:

  • Frische aktiv alte Kontakt auf. Rufe zum Beispiel spontan Angehörige oder Freunde/Bekannte an, die du länger nicht gesehen hast. Die meisten freuen sich genauso wie du über den Austausch.
  • Bringe mehr Bewegung in dein Leben. Regelmäßige körperliche Aktivität – am besten in der Natur – fördert den Stressabbau und hebt deine Stimmung. Mit einem Partner macht es noch mehr Spaß und ihr könnt euch gegenseitig motivieren.
  • Mache dir selbst regelmäßig kleine Freuden. Trage deine Lieblingskleidung, gönne dir einen Wellnesstag oder dein Leibgericht. Indem du dir selbst etwas Gutes tust, förderst du dein Selbstwertgefühl.
  • Nimm bewusst die kleinen Chancen im Alltag wahr. Ob ein Plausch mit alten Freunden oder der Small Talk mit dem Kassenpersonal im Supermarkt – nutze die Gelegenheiten im Alltag, um mit anderen ins Gespräch zu kommen. Sei neugierig und bekunde dein Interesse, indem du Fragen stellst.
  • Biete anderen deine Hilfe an. Kannst du vielleicht nähen oder Einkäufe für Menschen erledigen, die bewegungseingeschränkt sind? Dann biete deine Hilfe im Internet, in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis an. So förderst du dein Gefühl der Selbstwirksamkeit und auch dein Selbstvertrauen verbessert sich.

Weitere Tipps und Inspirationen gegen die Einsamkeit findest du auch in unserem Artikel für mehr Selbstliebe. Wie du schnell Freunde findest, zeigen wir dir in unserem Beitrag „Neu in der Gegend“. Außerdem unterstützt dich unser Online-Programm „Stress im Griff“ dabei, Stress zu reduzieren und gelassener durch den Alltag zu gehen.

Bitte beachte, dass dieser Artikel eine medizinische Beratung und Behandlung nicht ersetzen kann. Wenn du dich über längere Zeit einsam fühlst und aus eigener Kraft nicht weiterweißt, wende dich bitte an den Arzt deines Vertrauens.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.

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