Geplant oder nicht: Wann ist ein Kaiserschnitt sinnvoll?
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Geplant oder nicht: Wann ist ein Kaiserschnitt sinnvoll?

Immer mehr Babys in Deutschland erblicken per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Jede dritte Frau entbindet per Kaiserschnitt. Im Gegensatz zu früher ist die Sectio heutzutage deutlich sicherer und der Kaiserschnitt gilt in der Regel als Eingriff mit geringem Risiko. Dennoch sollte man bei der Wahl der Geburtsmethode einige Dinge beachten. Welche Arten des Kaiserschnitts es gibt und wann eine Sectio für das Wohlergehen von Mutter und Kind sinnvoll sein kann, das erläutern wir hier.

Die Arten der Sectio im Überblick

Die Medizin unterscheidet generell vier Arten des Kaiserschnitts: primäre Sectio, sekundäre Sectio, Notkaiserschnitt und Wunschkaiserschnitt. Bei allen Arten wird das Baby nicht auf natürlichem Wege durch die Scheide der Mutter geboren, sondern von einem Arzt mittels eines Bauchschnittes aus der Gebärmutter geholt.

Der primäre Kaiserschnitt – gut geplant

Gibt es bereits während der Schwangerschaft Bedenken oder Komplikationen, kann der geplante Kaiserschnitt eine sinnvolle Option sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind zu groß für das mütterliche Becken zu sein scheint oder die Plazenta vor dem Muttermund liegt. Auch bei einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm kann ein Kaiserschnitt sinnvoll sein. Das Gleiche gilt für Mehrlingsgeburten. Auch wenn ein Baby so quer liegt, dass eine vaginale Geburt unmöglich wird, ist die primäre Sectio angebracht.

Bei der sogenannten Beckenendlage sollte die individuelle Situation vorab von der Schwangeren mit der Geburtsklinik besprochen werden. Häufig gelingt es, das Kind mit einer äußeren Wendung von der Beckenendlage in die gewünschte Schädellage zu drehen. Diese Wendung kann in der 37. und 38. Schwangerschaftswoche versucht werden und ist in 50 % der Fälle erfolgreich. Generell lässt sich sagen, dass die Beckenendlage kein zwingender Grund für einen Kaiserschnitt ist.

Liegt eine schwere Erkrankung der Mutter vor oder wurde diese bereits an der Gebärmutter operiert, kann ein primärer Kaiserschnitt ebenfalls sinnvoll sein, um das Wohl von Mutter und Kind zu gewährleisten und Risiken zu minimieren. Ein Kaiserschnitt ist ebenfalls oft nötig, wenn die Mutter an Infektionskrankheiten leidet, welche bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden könnten.

Der sekundäre Kaiserschnitt – bei Komplikationen

Im Gegensatz zum geplanten primären Kaiserschnitt spricht man von einem sekundären Kaiserschnitt, wenn die Sectio erst im Verlauf der Geburt notwendig wird. Das ist generell dann der Fall, wenn das Wohlergehen der Mutter oder des Kindes gefährdet ist.

Mögliche Gründe für die sekundäre Sectio sind extreme Erschöpfung oder hohes Fieber der Mutter. Auch mangelnde Kooperation oder ein hohes Alter (über 40) der Mutter kann einen Kaiserschnitt sinnvoll machen. Komplikationen wie ein Riss der Gebärmutter, Geburtsstillstand oder auch eine vorzeitige Ablösung der Plazenta können ebenfalls Gründe für eine Sectio sein.

Beim Kind zählen konstant abfallende Herztöne oder eine Lage, die den Eintritt in den Geburtskanal unmöglich macht, zu den Gründen für einen sekundären Kaiserschnitt. Auch eine eingeklemmte Nabelschnur kann zu einer Sectio führen, da die Gefahr besteht, dass das Kind nicht genügend Sauerstoff bekommt.


Reicht die Zeit aus, wird der sekundäre wie auch der primäre Kaiserschnitt in einer rückenmarksnahen Betäubung (Peridual- oder Spinalanästhesie) vorgenommen. Diese hat den Vorteil, dass die Mutter das Kind direkt nach der Geburt in den Arm nehmen kann. Zudem darf in diesem Fall meist auch eine Begleitperson im Operationssaal anwesend sein.

Der Notkaiserschnitt – im Ernstfall

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich beim Notkaiserschnitt um eine Sectio, die dann durchgeführt wird, wenn Mutter und/oder Kind in akuter Gefahr sind. Das ist glücklicherweise extrem selten, kann aber dennoch vorkommen. Eine schwere, schwangerschaftsbedingte Erkrankung der Mutter kann einer der Gründe sein. Aber auch abfallende Herztöne des Kindes oder eine vorzeitige Lösung der Plazenta kann dazu führen, dass ein Notkaiserschnitt nötig wird.

In diesem Fall ist meist keine Zeit für eine regionale Betäubung. Stattdessen wird die Mutter unter Vollnarkose gesetzt. Diese ist innerhalb weniger Minuten wirksam, und so werden im Ernstfall kostbare Minuten gespart.

Der Wunschkaiserschnitt – Entscheidung der Mutter

Der Wunschkaiserschnitt unterscheidet sich von den anderen drei Arten der Sectio, weil es in diesem Fall keine medizinische Notwendigkeit gibt. Allerdings unterscheiden sich die Definitionen etwas.

Manche Mediziner sehen große Ängste und Sorgen einer Mutter beispielsweise als legitimen Grund für eine primäre Sectio. Weithin wird deshalb als Wunschkaiserschnitt eine Sectio bezeichnet, die aus komplett anderen Gründen gewünscht wird. Etwa, weil es berufliche oder terminliche Gründe gibt oder der Partner/die Partnerin sonst bei der Geburt nicht dabei sein könnte.

Die Entscheidung der Mutter sollte jedoch unabhängig von ihren Gründen immer respektiert werden. Wichtig ist die umfassende Beratung durch den Frauenarzt, die Klinik und/oder die Hebamme. Nur so können die Risiken für Mutter und Kind sorgsam abgewägt werden.

Aus Sicht der Schwangeren

Neben den rein medizinischen Gründen, die für oder gegen einen Kaiserschnitt sprechen, sind die Sorgen und Ängste der werdenden Mutter häufige Faktoren, die bedacht werden.

Es ist völlig normal, dass du dir als werdende Mama Sorgen darum machst, ob alles gut gehen wird. Auch die Angst vor den Schmerzen oder möglichen Komplikationen ist normal. Darüber hinaus gibt es für die Mama auch weitere Faktoren zu bedenken.

Die natürliche, vaginale Geburt wirkt sich generell positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Studien zeigen etwa einen Zusammenhang zwischen natürlichen Geburten und einem geringeren Risiko für Krankheiten wie Asthma und Diabetes.

Zusätzlich ist die natürliche Geburt ein emotionales Erlebnis, was für die Bindung der Mutter ein wichtiger Faktor sein kann. Aber auch die Planung weiterer Schwangerschaften spielt eine Rolle. Ein Kaiserschnitt bedeutet nicht automatisch, dass die nächste Geburt nicht natürlich sein kann.

Sollten keine Komplikationen auftreten, ist eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt kein Problem. Allerdings sollte man nach einer Sectio nicht direkt wieder schwanger werden. Damit die Kaiserschnitt-Narbe verheilen und der Körper sich erholen kann, wird eine Pause von mindestens drei Monaten empfohlen. Besser ist ein ganzes Jahr.

Weit verbreitet ist auch die Annahme, dass dem Baby bei einem Kaiserschnitt die Bakterien aus der Scheide der Mutter fehlen. Viele Mütter wünschen sich deshalb, dass bei einem Kaiserschnitt das Kind beim sogenannten „Vaginal Seeding“ mit Sekreten aus der Scheide eingerieben wird. Diese Prozedur wird von der Wissenschaft derzeit aber nicht unterstützt.

Kaiserschnitt für alle?

Auch wenn eine Sectio heutzutage sehr sicher ist, stellt sie keine generelle Lösung für jede Geburt dar. Die individuelle Situation sollte immer mit dem Arzt besprochen werden. Im Juni 2020 wurde deshalb eine neue Leitlinie für Ärzte und Hebammen veröffentlicht, die diese dabei unterstützen soll, werdende Mütter optimal zu beraten. So kann sichergestellt werden, dass für Mutter und Kind die beste Lösung gefunden wird.

Gemeinsam werden das eigene Risiko abgewägt und Optionen besprochen. Dabei solltest du auf jeden Fall all deine Bedenken äußern! Gemeinsam mit der Geburtsklinik findest du so die beste Lösung für dich und dein Baby.

Deine AOK steht dir während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt immer zur Seite. Wir erklären dir hier die wichtigsten Anträge.

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