Haarausfall: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
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Haarausfall: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Tina Turners Löwenmähne oder die Surferwellen von Schauspieler Chris Hemsworth – Haare halten nicht nur den Kopf warm, sondern sie sind auch ein Zeichen für Persönlichkeit, Vitalität, Jugend und Gesundheit. Umgekehrt führt Haarausfall oft zu seelischen Qualen. Besonders wenn deine Haare plötzlich und dauerhaft ausfallen, ist Ursachenforschung angesagt. Denn Haarausfall kann viele Gründe haben und ist nicht immer unwiderruflich. Wir stellen dir mögliche Ursachen und Therapien vor.

Frühzeitiger Haarausfall – wenn das Haar sich lichtet

Auf deinem Kopf herrscht ein Kommen und Gehen: Denn deine Haare entwickeln sich in mehreren Phasen. Der Großteil ist munter am Wachsen. Ein kleinerer Teil ist in der so genannten Übergangsphase. Der Rest unterliegt der Abstoßungsphase – und fällt aus. Das sind im Schnitt 100 Haare pro Tag. Von Haarausfall sprechen Hautärzte dann, wenn du nachweislich deutlich mehr Haare über einen längeren Zeitraum hinweg verlierst. Für Betroffene ist das ein echtes Problem. Männer wollen nicht vorzeitig älter oder weniger fit aussehen. Für Frauen bedeutet Haarausfall häufig auch der Verlust ihrer Weiblichkeit, sie fühlen sich unattraktiv. Helfen kann eine Beratung beim Dermatologen. Er forscht nach den Ursachen und sucht eine geeignete Therapie. Unser Tipp: Viele Kliniken und Hautärzte bieten eine spezielle Haarsprechstunde an. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie besonders viel Erfahrung im Umgang mit betroffenen Patienten haben.

Oft sind Gene schuld

Haarausfall ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern häufig ein erblich bedingtes Schicksal. Mediziner sprechen dann von der sogenannten androgenetischen Alopezie. Sie betrifft mit zunehmendem Alter bis zu zwei Drittel der Männer und nahezu jede zweite Frau. Schuld daran ist aber keineswegs ein zu hoher Testosteronspiegel. Vielmehr reagieren hier die Haarfollikel – Kanäle, die die Haarwurzeln umgeben – extrem empfindlich auf das männliche Hormon im Blut. Diese Überreaktion stört nicht nur den Wachstumszyklus der Haare, sie werden dadurch auch feiner und kürzer. Ob die erhöhte Testosteronempfindlichkeit der Haarwurzeln auch bei Frauen genetisch bedingten Haarausfall verursacht, ist jedoch noch nicht ganz geklärt.

Medikamente, Krankheiten oder Hormone

Auch wenn die Zahlen zeigen, dass viele Menschen betroffen und mit diesem Problem nicht allein sind, ist dies kein echter Trost. Neben dem erblich bedingten Haarausfall gibt es noch viele weitere Faktoren, die den Haarwuchs beeinflussen. Vorzeitiger Haarausfall kann beispielsweise durch Vorerkrankungen wie Schilddrüsenveränderungen, chronisch-entzündliche Darmleiden oder Autoimmunkrankheiten erklärt werden. Manchmal ist Haarausfall auch die Folge von entzündlichen Hautkrankheiten. Veränderungen des Zyklus, Schwangerschaft und Geburt, Wechseljahre oder hormonelle Verhütungsmittel sind bei Frauen weitere mögliche Ursachen für Haarverlust. Auch einige Medikamente, wie Betablocker oder Cholesterinsenker, lassen als Nebenwirkung verstärkt Haare ausfallen. Manchmal ist auch ein Mangel an Eisen, Zink oder Vitaminen verantwortlich für den Haarausfall.

Woher kommt Haarverlust? Dein Hautarzt gibt Antworten

Da es viele Ursachen für Haarausfall gibt, ist eine gute Diagnostik umso wichtiger. Zu Beginn einer Behandlung von Haarausfall steht deshalb ein ausführliches Gespräch mit deinem Hautarzt. Darin erfragt er, ob du Vorerkrankungen hast, bestimmte Medikamente einnimmst oder Haarausfall in deiner Familie häufiger vorkommt. Er sieht sich deine Kopfhaut genau an und zupft an deinen Haaren. So testet er, wie leicht und in welcher Zahl sich Haare lösen.

Weitere Untersuchungsmethoden sind das Trichogramm oder der Trichoscan zur Haarwurzelanalyse. Beim Trichogramm zieht der Arzt Haare aus der Kopfhaut, um den Anteil an wachsenden und nicht wachsenden Haaren unter dem Mikroskop zu bestimmen. Beim Trichoscan wird ein kleines Areal Haare gekürzt, eingefärbt und in Abständen fotografiert. Ein Computerprogramm wertet anschließend aus, wie gut die Haare nachwachsen. Eine Blutprobe macht die Diagnostik komplett. Sie gibt Auskunft über hormonelle Veränderungen, Nährstoff- und Vitaminwerte sowie Entzündungswerte.

Was hilft den Haaren?

Findet der Dermatologe den Auslöser für deinen Haarausfall, startet er mit der Therapie. Bei einer Vorerkrankung stimmt er sich zum Beispiel mit deinem Hausarzt ab, um die Krankheit zu behandeln. Manchmal reicht es auch aus, ein bestimmtes Medikament zu wechseln oder seine Dosierung zu ändern. Haben die Laborwerte einen Mangel an Vitaminen oder Nährstoffen ergeben, lässt sich das mit veränderten Ernährungsgewohnheiten oder Zusatzpräparaten auffangen, die beispielsweise Eisen, Zink oder Vitamine enthalten.

Ein Haarwuchsmittel, das echte Wunder bewirkt, gibt es allerdings noch nicht. Beim erblich bedingten Haarausfall können verschiedene Wirkstoffe helfen, das Haarwachstum wieder anzuregen und den Haarausfall zu stoppen. Bei leichtem bis mäßigem Haarausfall können speziell Männer durch eine langfristige Medikamentenbehandlung eine Verbesserung erzielen. Allerdings bringt sie auch Risiken mit sich, die vor einer Einnahme sehr gut gegen die positiven Effekte abgewogen werden sollten. In einem Gespräch mit deinem Arzt kannst du klären, welches Ergebnis du dir erhoffst und mit welchen Nebenwirkungen du rechnen musst.

Letzter Ausweg: die Haartransplantation

Jürgen Klopp hat es getan, Christian Lindner und Prinz Harry. Alle drei leiden unter erblich bedingtem Haarausfall und haben sich zu neuer Haarfülle verhelfen lassen. Doch nicht nur Promis setzen auf den Effekt einer Haartransplantation, wenn andere Mittel nicht (mehr) helfen. Dabei entnimmt ein Dermatologe Haare aus dem hinteren Haarkranz, deren Wurzeln nicht überempfindlich auf das Testosteron reagieren. Die Haare pflanzt der Transplanteur dann in die kahlen Bereiche ein. Eine Eigenhaartransplantation ist eine kostspielige kosmetische Maßnahme, die privat zu zahlen ist. Beim erblich bedingten Haarausfall halten die verpflanzten Haare dafür ein Leben lang.

Eine ausgewogene Ernährung, die deine Kopfhaut mit den richtigen Nährstoffen versorgt, sowie ein gesunder Umgang mit Stress helfen dabei, Haut und Haar gesund zu halten. In unserem AOK-Kursprogramm findest du ein breites Angebot rund um Bewegung, Entspannung und gesunde Ernährung.

Bitte beachte, dass unser Artikel eine medizinische Beratung und Behandlung nicht ersetzen kannst. Wenn du verstärkten Haarausfall feststellst, sprich bitte deinen Hausarzt an.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.