Hessen deine Nichtschläfer – Volkskrankheit Schlafstörung?
Körperwissen

Hessen deine Nichtschläfer – Volkskrankheit Schlafstörung?

Das Thema Schlafstörung ist mittlerweile in aller Munde. Manche sprechen bereits von einer neuen „Volkskrankheit“. Doch nun mal zu den Fakten: Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet unter Ein- und Durchschlafstörungen, ein Fünftel bewertet zusätzlich auch noch ihre Schlafqualität als schlecht. Das ist zwar höchst subjektiv, aber es zeigt, wie verbreitet dieses Phänomen mittlerweile ist. Bei circa sechs Prozent der Deutschen ist es sogar so, dass sie mindestens dreimal pro Woche unter Ein- oder Durchschlafstörungen leiden.

Auch die Mediziner sind alarmiert

Diese starke Verbreitung des Problems ruft auch die Mediziner auf den Plan. Letztes Jahr tagten die Fachkräfte in Weiß unter dem Motto „Die schlaflose Gesellschaft“ in Mainz. Über 2.000 Mediziner, Wissenschaftler und Experten trafen sich bei unseren Nachbarn, um bei der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin neueste Erkenntnisse auszutauschen. Sicherlich wurde in den zwei Tagen ebenfalls wenig geschlafen …

War das früher besser?

Der Mensch gilt heute als Schwachpunkt in der immer produktiver werdenden Gesellschaft. Und die Industrie richtet sich darauf ein. So wird das TV-Programm schon längst rund um die Uhr gesendet. Und Dank des Internets sind die Ladenöffnungszeiten nicht mehr so wichtig. Die Online-Verkaufsplattformen kennen keine Sperrstunden. So ist mit wenigen Klicks das neue Outfit ausgewählt und bestellt. Eine perfekte Beschäftigung, wenn es mit dem Schlafen mal wieder nicht klappt …

Wohin führt das alles?

Die Auswirkungen des schlechten Schlafs sind alarmierend. Sie äußern sich unter anderem durch Tagesmüdigkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Stress,

einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand bis hin zur Einschränkung der sozialen Kontakte. Auch volkswirtschaftlich ist ein Schaden durch Krankheitsfehltage, Leistungsabfall und Produktivitätsverlust durchaus messbar. Die Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beziffert den Gesamtschaden 2012 auf 18 Milliarden Euro. Dies entspräche 0,7 % des Bruttoinlandsproduktes. Die Agentur ging in dieser Studie von 6,6 Millionen Arbeitnehmern mit verringerter Produktivität und erhöhter Fehlerquote als Folge von Schlafstörungen aus.

Um dennoch den notwendigen Schlaf zu bekommen, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben, greifen viele regelmäßig zu Schlafmitteln. Und das mit teilweise fatalen Folgen: So gelten in Deutschland knapp 1 Million Menschen als abhängig von den kleinen Helferlein. Sie kommen ohne Pillen gar nicht mehr zur Ruhe und müssen sogar regelmäßig die Dosis erhöhen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dieser Teufelskreis macht es den Betroffenen zunehmend schwer, auf natürlichem Wege ins Land der Träume zu gelangen.

Wann sollte ich zum Arzt?

Schlafmittel können kurzfristig dabei helfen, wieder auf die Spur zu kommen. Allerdings sollten sie nur in Ausnahmefällen genommen werden. Denn bei regelmäßiger Anwendung überwiegen die Nachteile deutlich gegenüber den Vorteilen. Wenn du seit längerer Zeit das Gefühl hast, nicht einschlafen zu können, und Hausmittel wie Lesen, Lüften oder eine heiße Milch mit Honig nicht wirken, dann solltest du dringend deinen Hausarzt aufsuchen und mit ihm über das Problem sprechen. Denn Schlafmittel bekämpfen immer nur die Symptome, nicht aber die Ursache. Und die gilt es, zu ermitteln und abzustellen.