Job und Pflege: Wie geht das zusammen?
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Job und Pflege: Wie geht das zusammen?

Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, ist das nicht nur eine große emotionale Belastung für die Angehörigen, sondern es erfordert auch einen großen organisatorischen Aufwand. Fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen wird zu Hause von Angehörigen versorgt. Was für den Pflegebedürftigen die angenehmste Lösung ist, ist für den Angehörigen eine große Herausforderung: Er hat nun einen zweiten Vollzeitjob neben dem eigentlichen Beruf und muss beides zeitlich vereinen. Das zerrt an Nerven und Kräften. In Deutschland wird deshalb die Pflege von Familienmitgliedern oder Partnern besonders unterstützt.

Notfallpflege

Bei einem plötzlichen Pflegefall in der Familie kannst du ohne vorherige Ankündigung bis zu zehn Tage von der Arbeit freigestellt werden, um dich um die Art der Pflege und anfallenden Aufgaben zu kümmern – ganz gleich, ob du entscheidest, eine teil- oder vollstationäre Pflege zu organisieren oder die Pflege selbst zu übernehmen.

Bei der Versicherung des Pflegebedürftigen beantragst du Pflegeunterstützungsgeld für diese Zeit. Du solltest natürlich trotzdem so früh wie möglich deinen Arbeitgeber informieren, falls ein baldiger Pflegefall absehbar ist.

Wichtig: Diese Regelung gilt für nahe Angehörige des Pflegebedürftigen. Diese können die gesamten zehn Tage auch unter sich aufteilen, um sich gegenseitig zu entlasten.

Sechsmonatige Pflegezeit

Wenn du dich dazu entschließt, die Pflege selbst zu übernehmen, kannst du eine bis zu sechs monatige unbezahlte Auszeit von deinem Job nehmen – sofern du in einem Betrieb mit mehr als 15 Angestellten arbeitest. In dieser Zeit stehst du unter Kündigungsschutz. Wenn der Betrieb kleiner ist, kannst du trotzdem einen Antrag auf Pflegezeit stellen. Dieser kann dann aber von deinem Chef abgelehnt werden. Ob du dich für diese Zeit ganz oder nur teilweise freistellen lassen willst, kannst du selbst entscheiden. Finanzielle Unterstützung sichert dir das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zu: du kannst ein zinsloses Darlehen aufnehmen, um das wegfallende Gehalt auszugleichen.

Familienpflegezeit

Um die Pflege auch längerfristig mit deinem Job unter einen Hut zu kriegen, kannst du bis zu zwei Jahre in Teilzeit arbeiten – also bis zu 15 Stunden pro Woche. Auch für diese Zeit stehst du unter Kündigungsschutz. Der Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit gilt allerdings nur, wenn du in einem Betrieb mit mehr als 25 Angestellten arbeitest.

Ähnlich wie bei den sechs Monaten Pflegezeit kannst du auch für diese Zeit ein zinsloses Darlehen beantragen.

Alle Formen der Pflegezeit können übrigens miteinander kombiniert werden und schließen sich gegenseitig nicht aus. Während der gesamten Pflegezeit bist du weiterhin sozial- und krankenversichert. Auch für deine Unfall- und Arbeitslosenversicherung kommt die Krankenversicherung des Pflegefalls auf.

Diese Regelungen sollen dir zwar den Spagat zwischen Beruf und Pflege erleichtern. Natürlich bist du aber trotzdem großem Stress ausgesetzt. Deshalb gibt es auch Möglichkeiten, die dich im Alltag entlasten wie beispielsweise Einkaufshilfen oder stundenweise Betreuung. Als Pflegender hast du außerdem Urlaubsanspruch oder kannst in Kur fahren. In dieser Zeit wird der Pflegebedürftige professionell versorgt.

Hilfreich können außerdem Selbsthilfegruppen sein, in denen du dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst.

Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige von deiner AOK Hessen findest du auf unserer Webseite.

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