Mamma-Screening – sinnvoll oder sinnlos?
Vorsorgeuntersuchung

Mamma-Screening – sinnvoll oder sinnlos?

Jährlich erkranken rund 72.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Nur 18 Prozent der Betroffenen sind jünger als 50 Jahre, fast die Hälfte aller Brustkrebserkrankungen wird bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren festgestellt. Mit 65 Jahren ist das Erkrankungsrisiko am höchsten. Um möglichst viele Frauen in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren auf Brustkrebs zu untersuchen, wurde das gesetzliche Mammographie-Screening eingeführt. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Aber kann die Mammographie zur Vermeidung von Todesfällen durch Brustkrebs beitragen und gibt es auch Nachteile durch diese Früherkennungsuntersuchung?

Was ist das Mamma-Screening eigentlich?

Die Mammographie ist eine Untersuchung, die zur Früherkennung von Brustkrebs dient. Dabei wird die Brust geröntgt, um schon sehr kleine und noch nicht zu ertastende Tumore zu erkennen. Nach dem Röntgen betrachten mindestens zwei Ärzte unabhängig voneinander die Röntgenaufnahme. Bei auffälligen Befunden werden weitere Untersuchungen, wie eine Gewebeentnahme (Biopsie) oder nochmalige Mammographien, eingeleitet.

Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, sofern sie keine Symptome aufweisen, erhalten im Abstand von zwei Jahren eine Einladung zum Screening, das in extra dafür eingerichteten Screening-Zentren durchgeführt wird. Die Zentren sind zertifiziert und die Mammographie wird von speziell geschulten Fachkräften vorgenommen. Das Programm wird streng kontrolliert und entspricht hohen Qualitätsstandards. Die Untersuchungskosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Bei dreißig von 1000 Teilnehmerinnen am Mammographie-Screening werden auffällige Befunde festgestellt, die näher untersucht werden müssen. Letztendlich erhalten statistisch gesehen sechs der ursprünglich 1000 untersuchten Frauen die Diagnose Brustkrebs, bei 24 war es hingegen „falscher Alarm“.

Das bringt dir die Untersuchung

Wird Brustkrebs im frühen Stadium erkannt, sind die Heilungschancen besser als bei späterer Diagnose. Allerdings erkrankt glücklicherweise mit oder ohne Screening nur ein kleiner Anteil Frauen an Brustkrebs. Wenn also keine gehäuften Krebsfälle in der Familie vorkommen, ist der konkrete Nutzen für die einzelne Frau derzeit noch offen und es kann nicht gesagt werden, ob Frauen, die regelmäßig zur Mammographie gehen, insgesamt länger leben als Frauen, die die Untersuchung nicht in Anspruch nehmen.

Nachteile der Mammographie

Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass durch die Mammographie auch bösartige Tumore entdeckt werden, die sich nicht ausbreiten und die daher zu Lebzeiten unauffällig geblieben wären. Tritt ein Verdachtsfall auf, der weiterer Untersuchungen bedarf, ist das für die betroffene Frau oft sehr belastend.

Ein weiteres Risiko könnte die Strahlenbelastung sein, denn die Röntgenbestrahlung kann selber – wenn auch in sehr geringem Ausmaß – das Krebsrisiko erhöhen.

Und wenn die Mammographie in Ordnung ist?

Auch ein unauffälliges Mammographie-Ergebnis ist immer nur eine Momentaufnahme – in den zwei Jahren zwischen den Screenings besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass Brustkrebs entsteht oder dass mikroskopisch kleine Herde, die bei aller Sorgfalt nicht sichtbar waren, heranwachsen. Deshalb sollten die Brüste unbedingt durch jede Frau – egal welchen Alters – selber und bei der jährlichen Früherkennungsuntersuchung durch die Frauenärztin bzw. den Frauenarzt abgetastet werden. Verdächtig sind

  • tastbare Knoten, Dellen oder Verhärtungen der Haut,
  • sichtbare Verformungen, Hautveränderungen oder Einziehungen der Brustwarze,
  • Blutungen oder andere Absonderungen aus der Brustwarze.

Worüber du dir im Klaren sein solltest

Die Mammographie dient lediglich zur Früherkennung und kann Brustkrebs nicht vorbeugen – echte Prävention funktioniert nur durch einen Lebensstil mit viel Bewegung, gesunder Ernährung, Rauch- und Alkoholverzicht, Normalgewicht, einer kritischen Haltung gegenüber der Einnahme von Östrogenen und vielem mehr.

Wenn es in deiner (blutsverwandten) Familie bereits zu Krebs – vor allem zu Brust- oder Eierstockkrebs – gekommen ist, solltest du dein individuelles Risiko für Brustkrebs ermitteln lassen. Möglicherweise ist dann eine Mammographie sogar schon vor dem 50. Lebensjahr sinnvoll.

Wenn es keine Hinweise auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko gibt, bleibt die Mammographie eine Entscheidung, die jede Frau für sich treffen muss. Deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt beraten dich gerne, wenn du dir dabei unsicher bist.

Du möchtest mehr Infos zum Mamma-Screening? Die findest du auf unserer Webseite.