Medikamente für Kinder – so behandelst du deinen Nachwuchs richtig
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Medikamente für Kinder – so behandelst du deinen Nachwuchs richtig

Wird der Nachwuchs krank, kommt bei Eltern die große Verunsicherung: Welche Medikamente dürfen Kinder nehmen? Und was gilt es dabei zu beachten? Wir helfen dir dabei, die richtige Behandlung für deinen Nachwuchs zu finden.

Kinder dürfen nicht wie Erwachsene behandelt werden

Das Wichtigste vorweg: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Daher dürfen sie auch nicht die Medikamente ihrer Eltern nehmen, auch nicht in reduzierten Mengen. Kinderkörper funktionieren nicht wie die der Großen: Ihre Organe sind nicht ausgereift, sie haben einen anderen Fett- und Wasseranteil, ihr Stoffwechsel arbeitet anders. Sie können Wirkstoffe entweder zu schnell oder zu langsam aufnehmen. Auch bei Arzneimitteln für Kinder gilt: nur nach einer Beratung durch Kinderarzt/ärztin oder durch Apotheker/in verabreichen.

Das gehört in die Familien-Hausapotheke

Harmlose Infekte und Fieber musst du nicht zwingend behandeln. Häufig sind Ruhe und Zuwendung die beste Medizin für dein Kind. Oft helfen auch Kräutertees über eine Erkältung oder Bauchweh hinweg. Manchmal reicht das aber natürlich nicht. Deswegen empfiehlt es sich, die wichtigsten Medikamente immer vorrätig zu haben:

  • Fiebersenkende und schmerzstillende Zäpfchen oder Fiebersaft (Ibuprofen oder Paracetamol)
  • Kochsalzlösung als Nasentropfen oder zum Inhalieren, abschwellende Nasentropfen (nur kurzfristig anwenden)
  • Hustensaft oder -bonbons (bei älteren Kindern)
  • Desinfektionsmittel zum Säubern von Wunden
  • Wund- und Heilsalbe

Hinzu kommen Medikamente für bereits bekannte oder chronische Erkrankungen.

Medikamente verabreichen: So wird es für Kinder leichter

Eltern wissen, was gut ist. Kinder sind da oft anderer Meinung. Von den fiesen Augentropfen oder dem unangenehm schmeckenden Saft halten sie wenig. Wir haben ein paar Tipps für dich, wie du es deinem Kind leichter machst:

  • Zäpfchen führst du einfacher ein, wenn du sie kurz in der Hand vorwärmst. Vielleicht hilft es deinem Kind auch, wenn du sie mit ein wenig Wasser anfeuchtest. Creme oder Öl können die Wirksamkeit beeinträchtigen.
  • Ohren- und Nasentropfen sind für dein Kind angenehmer, wenn du die Flasche kurz mit der Hand anwärmst.
  • Unangenehm schmeckenden Antibiotikasaft spritzt du am besten mit einer Einmalspritze (ohne Nadel!) an der Zunge vorbei zwischen Zähne und Wangenschleimhaut.
  • Fiebersaft kannst du mit Wasser oder Tee mischen. Milchprodukte oder Fruchtsäfte eignen sich nicht.
  • So landen Augentropfen, wo sie hinsollen: Leg dein Kind hin und bitte es, die Augen zu schließen. Nun tropfst du das Medikament in den Augeninnenwinkel. Heb nun den Kopf deines Kindes etwas an und zieh das untere Lid sanft nach unten. So fließt der Tropfen von selbst ins Auge hinein.
  • Für Säuglinge gibt es Medikamentenschnuller, in die sich Flüssigkeiten einfüllen lassen.

Viele Hersteller arbeiten übrigens an neuen Technologien, mit denen Kindermedikamente besser verabreicht werden, zum Beispiel Mini-Tabletten oder spezielles Granulat.

Das gilt es bei Medikamenten für Kinder zu beachten

Wenn der Nachwuchs hustet und fiebert, sind Mama und Papa meist nervös und gestresst. Umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und den Beipackzettel umsichtig zu lesen. Denn entscheidend ist, dass Medikamente richtig wirken.

So verhinderst du, dass du vermeintlich harmlose Kinder-Medikamente falsch verabreichst:

  • Lagere Medikamente kühl und dunkel – am besten nicht in der Küche oder im Bad. Bewahre die Medikamente für dein Kind getrennt von deinen auf. Notiere auf der Verpackung das Datum, an dem du das Medikament angebrochen hast. Verwende es nicht länger als vom Hersteller angegeben.
  • Achte darauf, dass du das Medikament korrekt dosierst. Eine „Pi-mal-Daumen“-Dosierung mit dem Löffel ist meistens zu ungenau. Benutze besser die beiliegende Dosierhilfe. Bei Fiebersaft nimmst du im Zweifel die geringere Dosis, wenn dein Kind für sein Alter sehr leicht ist. Gib deinem Kind das Medikament nicht noch einmal, wenn es einen Teil davon ausspuckt oder sich übergibt.
  • Milchprodukte beeinträchtigen die Wirkung von einigen Wirkstoffen, etwa von Antibiotika. Fruchtsäfte können die Wirkung verstärken und dürfen nicht mit Medikamenten zusammen eingenommen werden. Besonders bei Grapefruit können lebensgefährliche Wechselwirkungen entstehen.
  • Antibiotika müssen immer nach Vorgabe des Arztes/der Ärztin eingenommen werden. Trockensäfte lässt du dir am besten in der Apotheke mischen.
  • Kinder unter zwölf Jahren dürfen keine Acetylsalicylsäure (zum Beispiel in Aspirin enthalten) nehmen. Diese kann in seltenen Fällen schwere Hirn- und Lebererkrankungen auslösen.

Die beste Hilfe: Zeit und eine gute Beratung

Ein krankes Kind braucht in erster Linie Ruhe und Liebe. Damit du dich ganz deinem Kind widmen kannst, haben du und dein/e Partner/in jeweils zehn Tage Anspruch auf Kinderkrankengeld pro Kind und pro Kalenderjahr (wenn du alleinerziehend bist, hast du Anspruch auf zwanzig Tage). Falls du noch Fragen rund um die Gesundheit deines Kindes hast, helfen wir dir gern über unser medizinisches Info-Telefon AOK-Clarimedis oder das AOK-Baby-Telefon weiter. Als AOK-Versicherter kannst du auch kostenlos in die Medikamenten-Bewertungen von Stiftung Wartentest einsehen.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.

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