Meine Zeit gehört mir: die Kunst des Neinsagens
Familienleben

Meine Zeit gehört mir: die Kunst des Neinsagens

Wer kennt das nicht: Gerade will man in voller Vorfreude auf das anstehende Wochenende den PC im Büro herunterfahren, schon stürmt der Chef in den Raum und bittet freundlich um Überarbeitung der Präsentation, die unbedingt bis Montag früh fertig sein muss.

Oder genau in dem Moment, in dem wir zu Bett gehen wollen (die Woche war hart und die Kinder schlafen mit zwei Stunden Verzug endlich), klingelt es an der Tür und die beste Freundin steht völlig zerbröselt vor uns und bittet um einen allumfassenden Rat.

Der beste Kumpel, der genau dann umzieht, wenn wir endlich mal Zeit für uns eingeplant haben. Und die Nachbarin, die exakt zu dem Zeitpunkt in den Urlaub fährt, wenn wir eigentlich mal mit viel Zeit den Garten neu gestalten wollten. Und nun „müssen“ wir stattdessen ihre beiden quirligen Hunde hüten.

Es ist offensichtlich gar nicht so einfach, etwas abzulehnen.
Doch in der Zeit, in der Stress kein Fremdwort mehr ist, sollte jeder angehalten sein, auch auf sich selbst zu achten!

Denn eines ist klar: Wenn wir zu oft „Ja“ sagen, obwohl wir „Nein“ meinen, erzeugen wir uns unnötig Druck und stressen uns und unsere Familie noch mehr. Wir haben daher fünf kleine Anregungen gesammelt, wie euch das Neinsagen leichter fallen kann:

  1. Werde Dir klar, wann du eigentlich lieber ablehnen möchtest. Nicht überschnell zustimmen, sondern bei größeren Anliegen auch mal Bedenkzeit erbitten und eine Nacht darüber schlafen. Ansonsten gilt: Vor der Antwort in sich hineinhorchen, ob man die Bitte auch wirklich erfüllen kann und möchte. Simple Frage, die helfen kann: „Geht es mir gut damit?“
  2. Klein anfangen. Zum Beispiel beim Bäcker oder Metzger bewusst mit „Nein danke“ auf die Frage „Darf es auch etwas mehr sein?“ antworten. Verneint man achtsam und bewusst, erscheint das Verneinen auch bei größeren Anliegen nicht mehr so fremd.
  3. Gründe nennen. Der wahre Grund fürs Jasagen liegt in der Angst vor Ablehnung. Studien zufolge führen Begründungen – und seien sie noch so klein – jedoch schneller zu einer höheren Akzeptanz. Also beim nächsten Mal, wenn einer eine Bitte hat, die du nicht erfüllen kannst, erkläre ihm kurz, warum. Funktioniert übrigens auch sehr gut in der Erziehung (doch Vorsicht: Nicht in die Diskussionsfalle tappen)
  4. Alternativen überlegen. Vielleicht kannst du nicht das tun, was dein Gegenüber von dir will. Vielleicht findet ihr aber gemeinsam eine andere Lösung. Gerade innerhalb der Familie stehen schnell mal vier Wünsche im Raum und das kann keiner erfüllen. Manchmal reicht es schon, wenn alle ein kleines bisschen umdenken und schon findet sich ein gangbarer Weg, der für jeden in Ordnung ist.
  5. Sich selbst belohnen. Belohnen für das Neinsagen. Jawohl. Damit erweisen wir uns einen richtig großen Dienst: Wir wertschätzen und achten uns nämlich. Und das darf mit einer Kleinigkeit belohnt werden.