Palliativpflege: geborgen Abschied nehmen
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Palliativpflege: geborgen Abschied nehmen

Einen Menschen in seiner letzten Lebensphase begleiten – das ist ein Thema, das viele Menschen tief berührt. Es bedeutet, Abschied nehmen und doch gleichzeitig für den anderen bis zum letzten Moment da sein. Das verlangt Kraft und kann viele Fragen aufwerfen. Wenn du dich vorab mit dem Thema auseinandersetzt, kannst du eigene Ängste überwinden und Betroffene mit ganzem Herzen begleiten.

Palliativpflege – ein Mantel für den Lebensabend

In Deutschland können Menschen zu Hause palliativmedizinisch versorgt werden, aber auch ambulant oder stationär in speziellen Einrichtungen, wie zum Beispiel in einem Hospiz. Das Wort „palliativ“ stammt vom lateinischen Pallium und bedeutet „mit einem Mantel bedecken“. Die Palliativmedizin möchte dem Patienten einen Mantel umlegen, ihn vor Schmerzen schützen und ihm ein Gefühl der Geborgenheit geben. Diese besondere Form der Medizin wurde ursprünglich für Menschen mit einer Krebserkrankung entwickelt. Mittlerweile steht sie allen zur Verfügung, die an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden. Hier geht es also nicht mehr um Heilung, sondern darum, die Lebensqualität bis zum Tod aufrechtzuerhalten.

In guten Händen – von medizinischen Experten umsorgt

Zur Palliativversorgung gehören eine besondere medizinische Behandlung und Pflege sowie die psychosoziale und sogenannte spirituelle Begleitung. Die Wünsche und Bedürfnisse des sterbenden Menschen und seiner Angehörigen stehen bei der Versorgung jederzeit im Vordergrund. In einem Palliativteam arbeiten neben Ärzten auch Sozialarbeiter, Physio- und Psychotherapeuten sowie Seelsorger. In Deutschland ist erst in den vergangenen rund 30 Jahren ein Netz von Einrichtungen entstanden, die sich mit Palliativmedizin beschäftigen. Geschätzt wird, dass circa zehn bis 15 Prozent der Sterbenden eine solch spezielle Versorgung benötigen.

Geborgenheit spüren – alles erhalten, was guttut

Palliative Pflege bedeutet in erster Linie, Schmerzen und belastende Symptome zu lindern. Das können Übelkeit und Erbrechen sein, Atemnot, Wundschmerzen, Juckreiz oder Unruhe. Der Patient soll möglichst frei von Symptomen sein und es so angenehm wie möglich haben. Was ihm guttut, was er möchte, was hilfreich ist und seine Situation verbessert – nur darum geht es.

Wer vom Leben Abschied nimmt, der möchte nicht allein sein. Neben dem körperlichen Leiden bewegt viele Patienten auch innerlich sehr viel. Eine psychosoziale Begleitung unterstützt Sterbende und ihre Angehörigen. Da sind große Emotionen, letzte Wünsche und wichtige Botschaften, die sie ihren Mitmenschen unbedingt noch mitgeben möchten. Reicht die Kraft aus, können Patienten in Begleitung sogar eine letzte Reise unternehmen. Viele Sterbende wünschen sich jedoch, Nähe zu spüren und zu reden – meist über eher banal wirkende Dinge, aber auch wichtige Themen wie die eigene Trauerfeier und Bestattung. Für Angehörige ist das nicht immer einfach. Doch für den Patienten liegt darin eine Gestaltungsfreiheit und die schöne Möglichkeit, den Abschied persönlich zu gestalten und ihm eine eigene Note zu verleihen. Ehrenamtlich tätige Begleiter haben in der Regel eine entsprechende Ausbildung und helfen auch bei ganz praktischen Fragen weiter.

Was kommt nach dem Tod – Begleitung in spirituellen Fragen

Spirituelle Begleitung – ist das nicht zu privat? Nein, denn im Angesicht des Todes tauchen bei allen Beteiligten Fragen auf, die tiefer gehen. Der Tod ist endgültig – was kommt danach? Früher half es den Menschen, an ihrem Glauben festzuhalten. Doch immer weniger Menschen sind heute religiös. Reisen rund um die Welt, Informationen aus dem Internet und persönliche Erfahrungen haben verändert, woran wir glauben. So wünschen sich viele Menschen ganz persönliche Rituale. Die verschiedenen Weltanschauungen lassen sich unter dem Begriff der Spiritualität gut zusammenfassen. Spiritueller Beistand in der palliativen Pflege umfasst also den geistigen Beistand, den sich der Sterbende und seine Angehörigen wünschen.

Orte zum Gehen – Anlaufstellen für die Palliativpflege

Palliative Pflege kann sowohl ambulant im eigenen Zuhause als auch stationär in Hospizen stattfinden.

  • Allgemeine ambulante Palliativversorgung – hier wird der Schwerkranke in seiner häuslichen Umgebung gepflegt. Haus- und Fachärzte sowie der ambulante Pflegedienst versorgen ihn dort. Auch psychosoziale und spirituelle Begleiter besuchen den Patienten zu Hause.
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) – für Menschen, die eine besonders aufwendige Behandlung und Betreuung benötigen. Ziel ist es, die Linderung von Schmerzen und Symptomen besonders gut koordinieren zu können. Eine SAPV muss vom Arzt verordnet werden.
  • Ambulante Hospizdienste – diese leisten eine palliativpflegerische Beratung und begleiten den Sterbenden sowie die Angehörigen im häuslichen Umfeld, aber auch in einer Pflegeeinrichtung. Fachkräfte und Ehrenamtliche arbeiten dafür Hand in Hand mit Ärzten und Pflegediensten.
  • Stationäre Hospize – wenn Menschen zu Hause nicht palliativ versorgt werden können und eine Behandlung im Krankenhaus nicht nötig ist. Hospize sind kleine, überschaubare Einrichtungen, die mit Ärzten und Krankenhäusern eng zusammenarbeiten.

Angebote für Palliativpflege online finden

Du kannst dich online darüber informieren, welche Angebote es in deiner Umgebung gibt. Der AOK-Palliativwegweiser wurde speziell dafür entwickelt. Gib einfach Postleitzahl oder Ort ein. Dann findest du die besonders qualifizierten Einrichtungen und Hilfsangebote zur Palliativpflege. Dazu gehören Pflegedienste mit Schwerpunkt Palliativversorgung, stationäre Hospize sowie Ärzte, Selbsthilfegruppen, Pflegeberater und Kontakte zur Telefonseelsorge.

In unserem Praxisratgeber Pflege findest du weiterführende Informationen zur Palliativpflege und Sterbebegleitung. Solltest du einen Schwerkranken pflegen: Gib auch auf dich selbst acht.

Gute Gesundheit und viel Kraft für schwierige Lebensphasen wünscht deine AOK Hessen.