Parodontitis: So bleiben Zahnfleisch und Zähne gesund
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Parodontitis: So bleiben Zahnfleisch und Zähne gesund

Schmerzt oder blutet nach dem Zähneputzen gelegentlich das Zahnfleisch, empfinden das viele als normal. Vielleicht ging es dir auch schon so, dass du bei deiner täglichen Zahnpflege dachtest: Ach, ich habe wohl in den letzten Tagen nicht gründlich genug geputzt oder zu selten die Zahnseide benutzt! Das kann tatsächlich so sein. Manchmal ist das Bluten allerdings ein Zeichen für eine sogenannte Gingivitis – eine Zahnfleischentzündung, die durch Bakterien entsteht. Sie ist die Vorstufe zur Parodontitis, eine Zahnbettentzündung, die im Mundraum und sogar im Körper gefährlich werden kann. Zum Glück kannst du einfache Regeln befolgen, um die Erkrankung zu verhindern oder rechtzeitig zu stoppen.

Parodontitis: So zeigt sich die Zahnbettentzündung

Bei der Parodontitis, wie sie im Volksmund häufig genannt wird, entzündet sich das Zahnbett mit Zahnfleisch und Wurzelhaut. Das betroffene Zahnfleisch ist gerötet, es kann bluten oder sogar eitern. Die Zähne reagieren schmerzempfindlich und wirken größer, weil das Zahnfleisch langsam zurückgeht. Hält die Entzündung an, kann sich mit der Zeit sogar der Kieferknochen abbauen.

Am Zahnfleischrand entstehen tiefe Taschen, in denen Speisereste für neue Entzündungsherde sorgen. Im fortgeschrittenen Stadium lockern sich die Zähne. Wichtig ist es deshalb, bereits bei den ersten Anzeichen zum Zahnarzt gehen. Ist erst einmal der gesamte Körper betroffen, gehören Fieber, Schluckbeschwerden und Schwellungen im Mundraum zu den Symptomen – sie  können Hinweise auf Folgeerkrankungen sein.

Parodontitis – beginnt im Mund, kann dem ganzen Körper schaden

Eine schwere Parodontitis gefährdet nicht nur den Mundraum und die Zähne: Die Bakterien können in die Blutbahn gelangen und die Blutgefäße oder Organe schädigen. Bei manchen Patienten mit Parodontitis besteht ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Eine unbehandelte Zahnbettentzündung kann bei Menschen mit entzündlichem Rheuma Krankheitsschübe auslösen. Auch das Diabetes-Risiko steigt möglicherweise bei einer starken Parodontitis. Das liegt daran, dass sich der Blutzuckerspiegel durch die chronische Entzündung im Mundraum erhöht.

Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen und schnell mit deinem Zahnarzt besprechen:

  • Länger als eine Woche Zahnfleischbluten nach dem Putzen
  • Mundgeruch
  • Zurückgegangenes Zahnfleisch an den Zahnhälsen
  • Schmerzempfindliche Zähne und Zahnhälse, besonders beim Essen sehr kalter oder heißer Speisen
  • Gelockerte Zähne

Prophylaxe gegen Parodontitis: Eine gründliche Mundhygiene

Bei einer Entzündung im Mundraum ist es das Wichtigste, die Bakterien zu beseitigen und so die Entzündung zu stoppen. Solltest du bei dir Zahnfleischbluten feststellen, ist die richtige Zahnpflege das A und O.

So beugst du Entzündungen im Mundraum vor:

  • Zähne sanft und regelmäßig putzen: Morgens und vor dem Schlafengehen sollten mindestens zwei Minuten lang Zahnbeläge entfernt werden. Bitte nicht aggressiv schrubben, das greift den Zahnschmelz an. Elektrische Zahnbürsten entfernen mit kreisenden Bewegungen die Beläge besonders effektiv. Tipp: Warte nach säurehaltigem Essen etwa 30 Minuten mit dem Putzen. Mundspülungen sind hilfreich, allerdings kein Ersatz fürs Zähne putzen. Sie ergänzen die Mundhygiene lediglich und tragen dazu bei, das Zahnfleischbluten zu verhindern.
  • Zahnseide und Co. benutzen: Die Zahnzwischenräume erreichst du mit der Bürste nicht optimal. Daher herrschen dort ideale Bedingungen für Bakterien. Idealerweise rückst du ihnen einmal pro Tag mit Zahnseide und Zwischenraumbürsten zu Leibe. Die Hilfsmittel sollten den Abständen zwischen deinen Zähnen angepasst sein – am besten lässt du dich von deinem Zahnarzt bei der Auswahl beraten.
  • Zunge nicht vergessen: Einmal täglich solltest du mit der Zahnbürste oder einem Zungenschaber über deine Zunge streichen. Das mindert die Bildung von Belägen und sorgt für einen frischen Atem.
  • Zu viel Zucker vermeiden: Zucker ist die Grundlage für Bakterien, die Karies und Parodontose verursachen. Verzichte deshalb so gut wie möglich auf stark zuckerhaltige esse Süßigkeiten in Maßen. Gönne dir zum Beispiel einmal am Tag ein Eis oder Schokolade statt immer wieder Süßes zu naschen.
  • Regelmäßig zum Zahnarzt gehen: Am besten gehst du zweimal im Jahr, um deine Zähne checken zu lassen und um sie von Belag oder Zahnstein zu befreien.

Diese Faktoren erhöhen das Parodontitis-Risiko

Du hast vieles selbst in der Hand, um deine Zähne vor Parodontitis zu schützen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Faktoren die Entzündung begünstigen:

  • Rauchen: Nikotin mindert die Durchblutung im Zahnfleisch. Raucher sind deshalb besonders anfällig für Parodontose.
  • Zahnstein: Er bewirkt eine „zerklüftete“ Zahnoberfläche, in der sich Bakterien besonders leicht einnisten. Deshalb sollte ein Zahnarzt den Zahnstein regelmäßig entfernen.
  • Genetische Faktoren: Es ist nicht eindeutig geklärt, ob Parodontitis vererbt wird. Denn die Voraussetzung für die Erkrankung sind Bakterien im Mundraum, gegen sie lässt sich mit einer guten Mundhygiene sehr viel tun. Die Anfälligkeit für eine Entzündung wiederum hängt vom eigenen Immunsystem ab – und dies wird sehr wohl durch die Gene beeinflusst.
  • Vorerkrankungen: Diabetes begünstigt Entzündungen im Körper, auch die Parodontose. Es ist wichtig, die Grunderkrankungen effektiv zu behandeln und regelmäßig zu kontrollieren.

Was tun bei akuter Parodontitis?

Ist die Zahnbettentzündung da, muss der Zahnarzt ran. Er stoppt die Entzündung, indem er die Zahnoberflächen reinigt – häufig unter örtlicher Betäubung, damit er mit Handinstrumenten oder Ultraschall gründlich vorgehen kann. Bei einer fortgeschrittenen Parodontose steht eine kleine OP an: Der Zahnarzt klappt die Zahnfleischränder nach unten und entfernt krankes Gewebe. Manchmal ist zusätzlich eine Behandlung mit einem Antibiotikum nötig.

So bleibst du (zahn)gesund

Neben einer guten Mundhygiene sind regelmäßige Zahnarztbesuche das A und O. So entdeckst du Veränderungen im Mundraum und kannst rechtzeitig reagieren. Übrigens: Wer mindestens einmal pro Jahr zum Zahnarzt geht, profitiert von den AOK-Bonuszuschüssen für Zahnersatz. Bei der AOK ist auch die Entfernung von Zahnstein einmal pro Jahr kostenlos.

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