Pflege 2017: Was ist neu?
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Pflege 2017: Was ist neu?

Pflegestärkungsgesetz II: Seit dem 1. Januar 2017 gilt in Deutschland das Zweite Pflegestärkungsgesetz. Damit hat die Bundesregierung die Inhalte der Pflegeversicherung umfassend reformiert. Die wichtigsten Veränderungen gehen einher mit: Einführung der Pflegegrade statt Pflegestufen, einem veränderten Begutachtungsinstrument und verbesserten Leistungen.

Das neue Gesetz regelt nun auch eine umfassende Versorgung und somit gleichberechtigte Pflege von Menschen mit geistigen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen.

Wenn Kinder sich um ihre Eltern kümmern: Wer zahlt was?

Die meisten Menschen brauchen mit zunehmendem Alter mehr und mehr Unterstützung. Meist sind es die Kinder, die sich der Fürsorge ihrer Eltern annehmen. Wenn Rente und Pflegekasse als Hilfestellungen nicht ausreichen, unterstützen die Kinder ihre Eltern auch finanziell. Oft auch noch rückwirkend. Denn in vielen Fällen zahlt zunächst das Sozialamt die fehlenden Beträge, dieses wendet sich anschließend jedoch an die erwachsenen Kinder. Dies sieht auch der Gesetzgeber vor: Nach § 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sind Verwandte ersten Grades zum Unterhalt verpflichtet. Gehalt, Wohnung und eigenes Vermögen werden berücksichtigt bei der Frage nach der Höhe des abzugebenden Betrages.

Die Pflegekasse zahlt für Pflegepersonen, die einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause pflegen, Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Voraussetzung ist der Anspruch der zu pflegenden Person auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Nach der neuen Pflegereform werden die Beiträge bereits ab einer wöchentlichen Pflegezeit von mindestens 10 Stunden gezahlt. Außerdem übernimmt die Pflegekasse Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, wenn die versicherungspflichtige Beschäftigung pausiert oder aufgegeben werden muss. Die gesetzliche Unfallversicherung gilt auch für Pflegepersonen ununterbrochen.

Die Neuerungen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes

Das neue Pflegegesetz zielt darauf ab, die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Personen so lange wie möglich zu erhalten. Daran orientiert sich auch das neue Begutachtungsinstrument.

Die Überleitung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch. Wer bereits in einer Pflegestufe ist, muss keinen neuen Antrag stellen. Für Viele wird sich der Leistungsumfang verbessern: Wer ausschließlich körperlich beeinträchtig ist, erhält den nächsthöheren Pflegegrad, zum Beispiel Pflegegrad 2 anstatt Pflegestufe 1. Pflegebedürftige, bei denen eine eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt wurde, erhalten den übernächsten Pflegegrad, zum Beispiel Pflegegrad 3 statt Pflegestufe 1.

Infografik - Pflege 2017 - Was ist neu

Leistungen

Die folgenden Beträge für Leistungen gelten ab 1. Januar 2017:

Infografik - Pflege 2017 - Was ist neu 2

Neue Reform: Was heißt das für mich?

Wenn bereits Pflegebedürftigkeit vorliegt oder ein Angehöriger gepflegt wird, muss man sich um nichts kümmern. Die Pflegekasse übernimmt die Einstufung in den neuen Pflegegrad. Die Überleitung erfolgt automatisch, ohne dass ein Antrag gestellt werden muss.

Im Falle einer neu eingetretenen Pflegebedürftigkeit erfolgt die Begutachtung für die Betroffenen oder Angehörigen wie bisher vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Als Grundlage dient das neue Begutachtungsinstrument. Dieses besteht aus sechs Kriterien, die bei der Begutachtung der pflegebedürftigen Person herangezogen werden: Bewegungsfähigkeit, sprachliche und geistige Kompetenz, Verhalten, Selbstversorgung, Selbstständigkeit im Umgang mit Krankheit und Medikamenten, Tagesgestaltung und mit anderen Menschen in Kontakt treten.

Jedes Kriterium wird unterschiedlich gewichtet, Bewegung zum Beispiel 10 Prozent. Zusammen ergeben sie 100 Prozent. Die Gewichtung ergibt die jeweilige Punktezahl, die maximal vergeben werden kann. Beispiel: Bewegung, 10 Prozent – das sind maximal 10 Punkte. Jeder Pflegegrad hat eine bestimmte Punktezahl, die erreicht werden muss, um jeweils eingestuft zu werden.

In der Infografik sind die Voraussetzungen für die einzelnen Pflegegrade veranschaulicht:

Infografik - Pflege 2017 - Was ist neu 3

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