Pflege bei Demenz: Hilfe für Betroffene und Angehörige
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Pflege bei Demenz: Hilfe für Betroffene und Angehörige

Anfangs bekommen Demenzkranke noch mit, dass sie Dinge vergessen. Das macht sie traurig – und die Angehörigen auch. Irgendwann merken es oftmals nur noch die anderen. Dann wird die Pflege eines dementen Menschen zur Herausforderung. Je mehr du über das Leben des Pflegebedürftigen weißt und je früher du dich informierst, desto besser kannst du reagieren, wenn die Erkrankung fortschreitet. So kannst du dem Betroffenen von Tag eins an besonders nahe sein. Das bleibst du auch, wenn der demente Mensch sich selbst nach und nach verliert.

Achtsam und offen mit dem Thema umgehen

Die Pflege bei Demenz beginnt sehr früh – oft sogar bereits dann, wenn man noch gar nicht weiß, dass jemand dement ist. Plötzlich fallen einem im Alltag kleine Veränderungen auf, die nicht immer leicht anzusprechen sind. Daher ist es besonders wichtig, offen und achtsam mit dem Thema umzugehen. Je mehr du über Demenz an sich und das Leben der dement werdenden Person weißt, desto besser kannst du helfen. Baue zudem auch Kontakt zu anderen Menschen aus dem Leben des Erkrankten und gegebenenfalls zu den behandelnden Ärzten auf. In der ersten Zeit wird sich die demente Person noch an viele Menschen erinnern. Diese Kontakte helfen, das Selbstvertrauen des Pflegebedürftigen zu bewahren und den sozialen Umgang zu erhalten.

Entscheidungen früh genug gemeinsam treffen

Nehmen wir mal an, ein Mensch, der dir nahesteht, wird dement, er bekommt Alzheimer. Das ist die häufigste und bekannteste Form von Demenz. Dann kann er zu Beginn der Erkrankung häufig noch ganz gut alleine leben. In dieser Zeit kann er auch noch gemeinsam mit Angehörigen und Freunden darüber nachdenken, welche Hilfe und Unterstützung mit der Zeit nötig werden. Wo findet ihr entsprechende Angebot in eurer Nähe? Wie möchtet ihr in Zukunft mit der Wohnsituation umgehen? Welche Möglichkeiten der Betreuung kämen infrage? Diese Themen solltet ihr vorab offen besprechen und gemeinsam klären. Zwei Drittel aller Demenzkranken werden zum Beispiel zu Hause betreut. Das kann ein großer Vorteil sein, denn diese Umgebung ist dem Patienten vertraut und erleichtert den Alltag. Allerdings wird die häusliche Betreuung auch zur großen Herausforderung für pflegende Angehörige.

Zurück zur Kindheit – wenn die Erinnerung langsam verblasst

Mit zunehmender Krankheitsdauer entfernt sich der demente Mensch oft immer mehr von sich selbst. Zunächst vergisst die erkrankte Person vieles von dem, was unmittelbar zuvor gewesen ist. Dann verliert sie Stück für Stück die Erinnerung an vergangene Jahre, bis nur noch die Wirklichkeit der Kindheit übrig bleibt. Darum benehmen sich demente Menschen ab einem gewissen Punkt gelegentlich sehr kindlich. Die Erinnerung an Ereignisse aus der Kindheit bleibt oft erhalten und sie erkennen Lieder, Geräusche und Gerüche von damals wieder. Mit kleinen Erinnerungen an seine ersten Jahre kannst du einem dementen Menschen Geborgenheit geben.

Was außerdem berührbar bleibt, sind Gefühle und das grundsätzliche Bedürfnis, als Mensch angenommen zu werden. Wer sich halbwegs in die Welt eines dementen Menschen einfühlen kann und versucht, ihn zu verstehen, erleichtert sich und anderen den Umgang mit der dementen Person enorm. Je mehr du über das Leben – von Kindheitserinnerung bis hin zum Berufsleben – des dementen Menschen weißt, desto besser kannst du ihn begleiten.

Die Kommunikation lebendig halten

Eine große Herausforderung bei der Pflege ist die Kommunikation. Denn nicht immer ist für Außenstehende klar, wo sich die demente Person gerade gedanklich befindet. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten, solltest du sie immer erst mit ihrem Namen ansprechen. Sieh der Person in die Augen und warte darauf, dass sie dich ebenfalls ansieht. Nun kommt das Wichtigste: Atme ein. Das mag seltsam klingen, doch es hilft der Person, dir jetzt zuzuhören. Deine Stimme klingt automatisch vertrauter, wenn du vor dem Sprechen einatmest. Außerdem konzentrierst du dich ganz auf dein Gegenüber und verlangsamst so gleichzeitig das Sprechtempo.

Persönliche Pflege: ein 24-Stunden-Job

Viele Angehörige möchten selbst für den dementen Menschen sorgen. In diesem Fall kommt viel auf sie zu. Pflegst du einen Demenzkranken zu Hause, kann schon mal das Gefühl aufkommen, es sei ein Kleinkind im Haus. Um Unfallrisiken zu senken, kannst du die Beleuchtung verbessern, scharfkantige Ecken von Möbelstücken mit Schutzkappen versehen, elektrische Geräte und Putzmittel sicher wegschließen. Neben diesen eher praktischen Themen können auch viele emotionale Herausforderungen Teil deines Alltags werden.

Dafür halten die Beratungsstellen der Alzheimer-Gesellschaften zahlreiche Informationsmedien bereit. Wie sich die Lebenserwartung bei Demenz bei einem einzelnen Patienten entwickelt, lässt sich nicht exakt bestimmen. Im Falle der Alzheimer-Demenz leben Betroffene jedoch im Durchschnitt bis zu zehn Jahre lang mit der Krankheit. Das ist eine lange Zeit vom „geht noch ganz gut miteinander“ bis zur 24-Stunden-Betreuung. Daher ist es wichtig, dass du in dieser Zeit auch auf dich selbst achtgibst. Langfristig kannst du nur für andere da sein, wenn du dir auch regelmäßig Zeit für eigene Bedürfnisse nimmst. Wenn du an deine persönlichen Grenzen stößt, kannst du dir zum Beispiel Unterstützung bei einem ambulanten Pflegedienst holen.

Starke Unterstützung für pflegende Angehörige

Im gesamten Verlauf der Erkrankung brauchen Angehörige neben starken Nerven auch viele gute Ideen, um mit den oft herausfordernden Pflegesituationen umgehen zu können. Wichtige Informationen und Anregungen, auch in Form spezieller Broschüren, erhältst du zum Beispiel bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. und bei unserer Pflegeberatung. Fühlst du dich der Situation alleine nicht mehr gewachsen, gibt es folgende Entlastungsmöglichkeiten:

  • Betreuungsgruppen und ehrenamtliche Helfer entlasten dich für einige Stunden.
  • Ambulante Pflegedienste unterstützen dich bei der Pflege zu Hause.
  • Tagespflegen kümmern sich tagsüber um die Patienten, abends kehren sie nach Hause zurück.
  • Kurzzeitpflegen unterstützen dich, wenn du selbst erkrankt bist oder in Urlaub fahren möchtest.
  • Andere Wohnformen wie betreutes Wohnen oder ambulante betreute Wohngemeinschaften sind Alternativen zum Pflegeheim. Viele Anbieter dieser Wohnformen sind auch auf die Bedürfnisse dement werdender Mieter spezialisiert.
  • Pflegeheime helfen dann, wenn Pflege rund um die Uhr nötig ist und du dies zu Hause nicht mehr bewerkstelligen kannst.

Du bist nicht alleine

Suchst du weitere Unterstützung bei der Pflege eines nahestehenden Menschen? Die AOK-Pflegeberatung kommt zu euch nach Hause und berät euch persönlich bei wichtigen Entscheidungen. Entdecke zudem auch unsere weiteren Tipps für den Umgang mit dementen Angehörigen. Außerdem klären wir auf, wann demente Angehörige einen Betreuer brauchen und wie du einen Pflegegrad beantragst.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.

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