Pflegebedürftigkeit? Die wichtigsten Infos
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Pflegebedürftigkeit? Die wichtigsten Infos

Die Gesellschaft wird immer älter, die Lebensmodelle haben sich geändert. Mittlerweile arbeiten in den Familien oft beide Elternteile, so dass für die Pflege der älteren Generation nicht mehr genug Zeit bleibt.

Grundsätzlich entscheidest du, ob du die Pflege von Angehörigen selbst übernehmen oder einen professionellen Pflegedienst beauftragen willst. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich, wenn du beispielsweise berufstätig bist und die Pflege tagsüber nicht sicherstellen kannst. Auch wenn du in den Urlaub fährst oder erkrankst, kann eine Pflegekraft gezielt eingesetzt werden. Zusätzliche Sachleistungen, wie beispielsweise Desinfektionsmittel, ein Pflegebett oder sogar ein Hausnotrufsystem, können beantragt werden. Die Genehmigung hängt allerdings unter anderem von der jeweiligen Pflegestufe ab.

Die drei Pflegestufen

Die Pflegeversicherung unterstützt Personen entweder finanziell, durch Sachleistungen oder durch die Kombination aus beidem dabei, trotz körperlicher Einschränkungen in der gewohnten häuslichen Umgebung bleiben zu können. Solange es der Gesundheitszustand zulässt, ist dies auch sinnvoll und kann mitunter den Umzug in ein Pflegeheim ersparen.
Wie hoch dabei die Leistungen ausfallen, hängt von der Einstufung in eine der drei Pflegestufen ab. Diese stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen im Rahmen eines Hausbesuches fest. Ausschlaggebend ist dabei die Intensität des Pflegeaufwandes.

Infografik Pflegestufen

In Pflegestufe I werden Personen eingestuft, die als „erheblich pflegebedürftig“ gelten. Hierbei handelt es sich um Patienten, die einen täglichen Hilfebedarf von bis zu 90 Minuten haben.

Bei Pflegestufe II ist der Versicherte „schwer pflegebedürftig“, das bedeutet, täglich sind bis zu drei Stunden Hilfe notwendig.

Pflegestufe III umfasst einen Umfang von bis zu fünf Stunden täglich. Sollte dies nicht ausreichen, um den Pflegebedarf des Patienten zu decken, gibt es im Rahmen einer Härtefallregelung die Möglichkeit, die Leistungen im Einzelfall auszuweiten.

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Neben den drei klassischen Pflegestufen gibt es noch zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Demenzkranke. Altersverwirrte, demenzkranke, geistig behinderte oder psychisch kranke Menschen müssen verstärkt beaufsichtigt werden. Dafür können zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen beantragt werden. Je nach Betreuungsaufwand sind das 104 Euro monatlich (Grundbetrag) beziehungsweise 208 Euro monatlich (erhöhter Betrag). Der Anspruch auf diese zusätzlichen Leistungen wird ebenfalls im Rahmen der Begutachtung ermittelt. In leichteren Fällen können somit bis zu 1.248 Euro pro Jahr für diese Leistungen bezahlt werden, in schwereren bis zu 2.496 Euro.

Das Pflegegutachten

Ob und in welche Pflegestufe jemand eingeordnet wird, wird mittels eines Pflegegutachtens entschieden. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung stellt bei einem Hausbesuch den Zeitaufwand für die Pflege fest.
Diese Prüfung erfolgt über verschiedene Schritte. Zunächst wird die pflegebedürftige Person zu ihrer Grundpflege befragt – betreffend Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung. Es folgen eine körperliche Untersuchung sowie eine Besichtigung der Wohnverhältnisse. Hierbei kann auch zusätzlicher Bedarf an Sachleistungen festgestellt werden.

Infografik Pflegegutachten

Bei der Bewertung der Alltagskompetenz werden Verhaltensweisen und -tendenzen der pflegebedürftigen Person eingeschätzt. Beispielsweise eine Weglauftendenz, aggressives Verhalten, Beeinträchtigung des Gedächtnisses und weitere Verhaltensweisen.

Im Anschluss an die Begutachtung erstellt der MDK das Gutachten für die Pflegekasse. Die Pflegekasse entscheidet über den Pflegebedarf.

Die Pflegetätigkeiten

Zu den Tätigkeiten der Pflege gehören insbesondere die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung einer Person. Wie umfangreich die Pflege ausfällt, hängt von der jeweiligen Pflegestufe ab. Das Pflegepersonal hilft bei der Körperpflege sowie der Ernährung – sowohl bei der Zubereitung als auch (falls notwendig) beim Essen und Trinken.

Infografik Pflegetätigkeiten

Wenn erforderlich, helfen die Pfleger auch bei der Fortbewegung, beim Ankleiden und Zubettgehen. Bei der hauswirtschaftlichen Versorgung fallen alle Tätigkeiten im Haushalt an: Waschen, Putzen, Einkaufen etc.

Erst beantragen, dann umsetzen

Sich um einen pflegebedürftigen Menschen zu kümmern, ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bei der man schnell an persönliche Grenzen stößt. Neben den psychischen Herausforderungen tauchen auch physische und nicht zuletzt finanzielle Aufgaben auf, die bewältigt werden wollen.

So können beispielsweise hohe Kosten anfallen, wenn das Haus umgebaut werden muss, um es an die pflegebedürftige Person anzupassen. Einen Teil dieser Kosten kann unter gewissen Voraussetzungen die Pflegeversicherung übernehmen. Wichtig bei allen geplanten Maßnahmen ist, dass zuerst der Antrag gestellt wird und die Kosten bewilligt werden, bevor Ausgaben getätigt werden. Die AOK Hessen hilft dir gerne dabei, die passende Lösung für deine Bedürfnisse zu finden. Egal ob du uns in einem unserer Beratungscenter besuchst oder dich auf unseren Internetseiten informierst.

Weitere Informationen und verschiedene Antragsformulare findest du unter: http://www.aok.de/hessen/leistungen-service/pflegeversicherung-pflegestufen-200136.php