Plötzlich Pflege? „Wann brauchen meine Eltern einen Betreuer?“
Pflege

Plötzlich Pflege? „Wann brauchen meine Eltern einen Betreuer?“

Deine Eltern waren von klein auf für dich da, haben dich umsorgt und großgezogen und dir geholfen, das Leben zu meistern. Mit dem Alter ändert sich plötzlich alles: Deine Eltern werden von Beschützern zu Schutzbefohlenen. Ihr Leben verändert sich rapide, sie brauchen immer mehr Hilfe. Und du stellst dir vielleicht die Frage, ob du sie in diesem Maße geben kannst. Besonders schwierig ist aber die Frage, wann denn eigentlich der Zeitpunkt gekommen ist, an dem deine Eltern dich noch stärker brauchen?

Für viele Eltern ist es nach einer so langen Zeit der Unabhängigkeit schwer, zuzugeben, dass sie auf unsere Hilfe angewiesen sind. Wir haben einen Überblick zusammengestellt, an dem du erkennen kannst, wann du die Eltern mehr unterstützen solltest.

Vergesslichkeit

Kommt das Terminmanagement durcheinander? Werden Vorwürfe laut, dass man sich ja schon wochenlang nicht mehr gesehen oder gehört hat, obwohl der letzte Kontakt vielleicht erst zwei Tage her ist? Dann könnte sich die Gehirnleistung verschlechtert haben und/oder ein Hinweis auf Demenz oder Alzheimer bestehen.

Fortbewegung und Gesundheit

Haben deine Eltern Probleme beim Aufstehen oder Umhergehen? Schaue dir das Zuhause deiner Eltern genau an und beseitige eventuelle Hindernisse. Gibt es rutschige Stufen im Haus? Oder bereitet der morgendliche Duschgang bereits Probleme? Schau dich genau um und sprich mit ihnen.

Appetitlosigkeit

Haben deine Eltern Gewicht verloren, sind sie dehydriert, kochen nicht mehr, vergessen, zu essen, oder ernähren sich neuerdings ungesund? Vielleicht haben sie Probleme beim Kochen, Rezepte zu lesen, Kochutensilien zu benutzen oder Probleme mit ihrem Geruchs- und Geschmackssinn? Empfehlenswert ist es, den Kühlschrank nach abgelaufenen Lebensmitteln zu durchsuchen und sicherzustellen, dass deine Eltern genug trinken.

Sozialer Rückzug

Wenn der Antrieb fehlt, ins Theater zu gehen, Freunde zu besuchen oder einfach nur einen Spaziergang zu machen, lohnt es sich, zu hinterfragen, warum sich die Unternehmungen so reduziert haben. Sind es körperliche Gründe, wie der Verlust von Sehkraft und Hörvermögen, oder sind es eventuell sogar seelische Gründe, die zur Abschottung beitragen?

Persönliche Hygiene

Ist das Haar neuerdings ungekämmt oder sind die Zähne nicht geputzt? Geht dein Vater nicht mehr regelmäßig zum Friseur und trägt des Öfteren die gleiche oder unangemessene Kleidung? Die fehlende Selbstwahrnehmung könnte ein Zeichen für Depression, Demenz oder physische Probleme sein. Rede am besten mit deinen Eltern über die Veränderung.

Veränderungen der Persönlichkeit

Hast du eine Veränderung im Charakter bemerkt? Sprechen deine Eltern übermäßig laut oder leise? Beschuldigen sie bestimmte Personen, etwas gesagt oder getan zu haben? Diese verwirrten Momente könnten auf Demenz oder Alzheimer hindeuten. Jedoch kann eine Veränderung der Persönlichkeit auch beispielsweise emotionale Ursachen haben.

Krankheit oder körperliche Behinderung

„Wir wollen niemandem zur Last fallen.“ Ein Satz, den jeder, der alte Eltern hat, schon mal zu hören bekam. Selbst bei chronischen Krankheiten versucht man lieber, selbst klarzukommen. Hier ist Dialog gefragt. Eltern brauchen oft viel mehr Hilfe, als sie bereit sind, zuzugeben.

Ungewöhnliche Unordnung

Bleiben Briefe ungeöffnet, türmen sich Wäscheberge auf, ist die Wohnung schmutzig und sind die sanitären Einrichtungen ungepflegt? Hier zeichnet sich ab, dass deine Eltern mit dem Haushalt langsam überfordert sind.

Verletzungen, blaue Flecken, Kratzer und Verbrennungen

Treten vermehrt Verletzungen auf, für die es manchmal auch keine Erklärung gibt? Dies könnte darauf hindeuten, dass deine Eltern Schwierigkeiten haben, auf sich selbst achtzugeben. Aber auch ein nicht seniorengerechtes Wohnumfeld bietet eine Menge Stolperfallen und Sicherheitsrisiken und erhöht so das Verletzungsrisiko.

Hilfe holen, wo sie nötig ist

Wie also mit den Veränderungen umgehen? Wo kann man helfen, wo ist externe Hilfe nötig? Eine gute Beratung ist hier alles. Ärzte, Psychologen, Seniorenberater, aber auch Pflegedienste sind wichtige Ansprechpartner. Manchmal reicht auch einfach erst mal eine Hilfe bei der Haushaltsführung. Sollte die Pflege eines oder beider Elternteile nötig werden, muss zuerst ein Pflegegrad festgestellt werden.

Nach dem neuen Begutachtungsinstrument wird vor allem geprüft, wo noch Ressourcen in allen relevanten Bereichen des Alltags vorhanden sind. Gradmesser der Pflegebedürftigkeit ist die Einschätzung, wie stark der Mensch in seiner Selbstständigkeit beeinträchtigt und damit auf pflegerische Hilfe durch andere angewiesen ist. Dies hilft, ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Alltagsleben zu führen.

Wenn du dir unsicher bist, melde dich hier bei den Pflegeexperten der Pflegeberatung deiner AOK Hessen. Wir helfen dir gerne weiter.

Auch bei unseren Pflegestützpunkten, findest du hilfsbereite Berater.