Resilienztraining: stärker und gelassener im Umgang mit Stress
Selbsthilfe

Resilienztraining: stärker und gelassener im Umgang mit Stress

Wieso sind bestimmte Menschen gelassener im Umgang mit Stress? Und warum gelingt es manchen besser als anderen, sich von Rückschlägen zu erholen? Resilienztraining liefert Antworten auf diese Fragen und hilft den Teilnehmern, ihre Widerstandskraft gegen Stress zu stärken. Klaus Ziegler ist Trainer für Resilienz und gibt uns im Interview Einblick in das neue AOK-Trainingsprogramm.

Herr Ziegler, welchen Einfluss hat der moderne Lebensstil auf unseren Stresspegel?

Viele Menschen verbringen ihren Berufsalltag heute sitzend. Körperliche Arbeit nimmt ab und auch in der Freizeit kommen wir immer weniger ins Schwitzen. Dabei ist gerade regelmäßige Bewegung ein guter Ausgleich, um Stress abzubauen und Körper und Psyche fit zu halten. Neben dem Mangel an Bewegung kommt hinzu, dass unsere heutige Zeit sehr schnelllebig ist. Sie fordert von uns eine hohe Anpassungsfähigkeit, um flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren. Auf Dauer kann dieses Tempo ganz schön an unseren Ressourcen zehren.

Was wir als Stressbelastung empfinden, ist dabei ganz individuell und hängt davon ab, wie wir eine Situation erleben. Viele Menschen klagen heute z.B. über Zeitdruck, Überlastung, ständige Erreichbarkeit und Komplexität der Anforderungen. Auch Unterforderung, unsichere Arbeitsverhältnisse, Arbeitslosigkeit oder der Wechsel in die Rente können Stress auslösen. Wie wir auf diese Faktoren reagieren, ist von Person zu Person verschieden. Neben viel Bewegung und ausgewogener Ernährung hilft eine ordentliche Portion Resilienz, um gesund zu bleiben und individuell mit Stress umzugehen.

Resilienz ist ein gutes Stichwort. Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Schlagwort?

Ursprünglich kommt der Begriff aus der Physik und bezeichnet die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verformen zu lassen und dennoch immer wieder in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Das ist vergleichbar mit einer Sprungfeder oder einem Gummiband, das sich dehnen lässt und nach der Anspannung wieder in seine Form zurückgeht. Resilienz bezeichnet sowohl die Elastizität als auch die Spannkraft, die ein Gegenstand hat. Übertragen auf uns Menschen spielt die psychische Widerstandsfähigkeit eine große Rolle. Das ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, ohne einen gesundheitlichen Schaden zu erleiden, sondern gestärkt daraus hervorzugehen. Resiliente Menschen sind also anpassungsfähiger, flexibler und bleiben dabei in ihren Grundfesten stabil.

Warum gelingt manchen Menschen der Umgang mit Stress und Rückschlägen scheinbar besser als anderen?

Resiliente Menschen haben sich im Laufe ihres Lebens günstige Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen angeeignet. In der Regel sind das die Faktoren, um die es im Resilienztraining geht. Dadurch können sie flexibel auf die Belastungen des Alltags reagieren.

Resilienz lässt sich also trainieren? Wie ist ein solches Training aufgebaut?

Unser LOOVANZ-Trainingsprogramm arbeitet mit den sogenannten „sieben Säulen“ der Resilienz: Lösungsorientierung, Optimismus, Opferrolle (das Verlassen von Opferrollen), Verantwortungsübernahme, Akzeptanz (besonders in Krisen), Netzwerkorientierung (das soziale Netz, das eine Person umgibt) sowie Zukunftsplanung bzw. Zielorientierung. Aus den Anfangsbuchstaben der sieben Säulen ergibt sich das Wort LOOVANZ. Wer eine hohe Ausprägung in diesen sieben Faktoren hat und flexibel damit umgehen kann, ist sehr resilient und hat eine hohe Widerstandskraft gegen kritische Situationen und Krisen. Die Teilnehmer lernen im Training gezielt, sich in den einzelnen Bereichen zu verbessern und die eigene Resilienz zu steigern.

An wen richtet sich das Resilienztraining?

Am Resilienztraining können alle Erwachsenen mit nicht behandlungsbedürftigen Stressbelastungen teilnehmen. Einzige Voraussetzungen sind Interesse und Motivation, sich etwas Gutes zu tun und etwas Neues zu lernen. Das Wochenendseminar ist dabei besonders an Personen gerichtet, die an Präventionskursen, die unter der Woche stattfinden, nicht teilnehmen können (z.B. Schichtarbeitende, Alleinerziehende, beruflich oder privat stark eingebundene Personen).

Was erwartet die Teilnehmer bei dem 2-Tages-Programm?

Der Kurs ist sehr abwechslungsreich und findet in kleinen Gruppen von bis zu vierzehn Teilnehmern statt. Das ermöglicht eine intensive Arbeit für den Einzelnen. Die Teilnehmer erhalten grundsätzliche Informationen zum Thema Stress und Resilienz und machen dazu viele Übungen in Einzelarbeit, in Lernpartnerschaften und im Gruppenaustausch. Das Programm ist ein stetiger Wechsel zwischen Theorie und praktischer Anwendung.

Wie ist das Training aufgebaut und was sind die zentralen Lerninhalte?

Im Training setzen sich die Teilnehmer aktiv mit allen sogenannten „Schutzfaktoren“ auseinander, die die persönliche Resilienz beeinflussen. Dazu zählen u.a. Optimismus, Zielorientierung, Rollenverhalten und Netzwerke. Nach dem Kurs sind sie mit diesem Wissen und den praktischen Übungen gut gerüstet, um ihre persönlichen Themen im Alltag zielgerichtet anzugehen und ihre Fähigkeiten im Umgang mit Krisen zu verbessern. Sie haben zudem Ansatzpunkte erkannt, wie sie ihre persönliche Widerstandsfähigkeit weiter stärken können. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Resilienztrainings wurden übrigens in zahlreichen Studien belegt. Wer nach dem Kurs am Thema dranbleibt, kommt mit den Anforderungen und Herausforderungen in seinem Alltag besser zurecht, ist zufriedener und gesünder. Die Kursunterlagen und weitergehende Informationen stehen den Teilnehmern nach dem Training übrigens noch ein Jahr lang online zur Verfügung.

Herr Ziegler, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

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Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.