Richtig loben und kritisieren: So stärkst du dein Kind
Familienleben

Richtig loben und kritisieren: So stärkst du dein Kind

„Diese Aufgabe hast du super gemeistert“: Wenn Eltern loben, blüht der Nachwuchs auf. Mit positivem Feedback stärkst du das Selbstwertgefühl deines Kindes und ermutigst es, Neues auszuprobieren. Umgekehrt ist auch Kritik wichtig, damit Kinder aus kleinen und größeren Fehlern lernen können. Der Clou: Je konkreter das Lob und je konstruktiver der Tadel, desto hilfreicher ist beides für die kindliche Entwicklung.

Kinder richtig loben: So kommt Anerkennung gut an

Für Kleinkinder ist eine enge Bindung zu ihren Eltern besonders wichtig. Sie brauchen nicht unbedingt immer ein überschwängliches Loblied von Mama und Papa, sondern eine Reaktion, die ihnen zeigt: Ich sehe dich und ich bin für dich da. Das gilt auch für die von vielen gefürchtete Trotzphase. Hier spielt die Reaktion der Eltern eine entscheidende Rolle. Geduld und Gelassenheit sind in diesen Konfliktsituationen gute Begleiter. Es geht den Kleinen nicht nur um Abgrenzung, sondern um positive Aufmerksamkeit – und um das Gefühl, dass sie bei ihren ersten selbstständigen Schritten von Mama und Papa unterstützt werden.

Schulkinder dagegen profitieren von explizit positiven Rückmeldungen. Das ergab eine US-Studie mit 2.500 Schülerinnen und Schüler zwischen fünf und zwölf Jahren. Sie wurden dabei beobachtet, wie ausdauernd sie knifflige Fragestellungen lösten. Dabei ermutigten sie einige Lehrer mehr als andere. Das Ergebnis: Kinder, die mehr gelobt wurden, arbeiteten konzentrierter. Auch Eltern können die positive Wirkung von Ermutigungen nutzen. Dabei gilt: Das Ziel ist nicht viel, sondern richtig und möglichst genau zu loben. Darauf solltest du achten:

  • Präzise loben. Kinder haben ein gutes Gespür dafür, ob mit dem Lob wirklich ihre ganz eigene Leistung gemeint ist. Deshalb wirkt die Formulierung „Ich mag es, wie genau du die Gesichter gemalt hast“ mehr nach als der unspezifische Satz „Das ist aber ein schönes Bild“.
  • Bestärken statt bewerten. Der renommierte dänische Familientherapeut Jesper Juul vergleicht Lob mit einer Note: Der Erwachsene ist in der überlegenen Position, die Leistung des Kindes zu bewerten. Juul rät dazu, das Kind eher zu stärken denn zu loben. Heißt: Selbst wenn die Klassenarbeit nicht gut lief, kannst du dein Kind für seine gründliche Vorbereitung anerkennen.
  • Das Lob dosieren. Bekommen unsere Knirpse bei jeder Kleinigkeit Komplimente, verlieren sie ihre Wirkung. Die Folge: Mit der Zeit sinkt bei deinem Kind die Motivation, sich anzustrengen. Sensible Kinder kann es auf Dauer sogar verunsichern, wenn sie ständig gelobt werden. Sie lernen nicht, ihre Fähigkeiten und Begabungen realistisch einzuschätzen – und sobald sie einige Male keine positive Rückmeldung bekommen, gerät ihr Selbstbild ins Wanken.
  • Sich zusammen freuen. Teilst du mit deinem Kind authentisch die Freude über das Erreichte, verstärkst du die Wirkung deines Lobs. Deine ehrliche Begeisterung motiviert deinen Nachwuchs besonders.
  • Motivieren statt manipulieren. Kinder durchschauen es, wenn die Anerkennung an Bedingungen geknüpft ist. Sie handeln dann nicht mehr aus eigenem Antrieb, sondern weil sie für ein bestimmtes Verhalten Zustimmung erwarten. Schleicht sich dieses Muster ein, entwickelt das Kind keinen eigenen Willen. Es handelt, um anderen zu gefallen.

Kinder richtig kritisieren: konstruktiv und liebevoll

Vorsichtige und gut formulierte Kritik ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Sie gibt deinem Kind eine ehrliche Rückmeldung auf sein Verhalten. Konstruktives Tadeln soll gewisse Grenzen aufzeigen, das gibt Kindern Halt und Sicherheit. Wer dabei die richtigen Worte findet und diese wohl dosiert, findet eher Gehör. Ständige Ermahnungen können das Selbstwertgefühl stören und Kinder ängstlich oder traurig werden lassen. Wird ein Kind wegen jeder Kleinigkeit kritisiert, hat es schnell den Eindruck, dass es den Eltern nie etwas recht machen kann. Diese Tipps unterstützen dich dabei, Kritik sachlich und dennoch liebevoll auszusprechen:

  • Zuwenden statt abwenden. Jedes Kind verbockt mal etwas. Es darf ruhig zu hören bekommen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war. Wichtig ist, dabei klar zu formulieren: Die Sache ändert nichts an meiner Zuneigung zu dir.
  • Stärken stärken. Bei einer Rüge bekommt ein Kind leicht das Gefühl, alles falsch zu machen. Verbinde deshalb Kritik mit einer positiven Botschaft: Wenn du etwa bemängelst, dass dein Nachwuchs nicht beim Tisch abräumen hilft, kannst Du gleichzeitig betonen, wie vorbildlich es sich um seine kleinen Geschwister kümmert.
  • Kritik in Ich-Form äußern. Erkläre konkret und aus der Ich-Perspektive, was dich ärgert. Statt: „Nie räumst du dein Zimmer auf“ lieber: „Es stört mich, wenn ich über herumliegende Spielsachen stolpere“, sagen. So machst du deinem Ärger Luft, ohne persönlich zu werden.
  • Respekt und Nähe zeigen. Auch Kinder möchten ihre Sichtweise erklären. Vielleicht hatten sie gute Gründe für ihr Handeln oder sahen keinen anderen Ausweg. Überlegt gemeinsam, was dein Kind nächstes Mal besser machen kann.
  • Vergleiche meiden. Jedes Kind ist einzigartig und hat seine Stärken und Schwächen. Dein Kind hat eine schlechte Mathenote und weiß ganz genau, dass seine Schwester bessere Noten in diesem Fach schreibt? Gerade dann braucht es von dir eine Erinnerung an seine individuellen Begabungen.

Wieder eine Vier? So lernen Kinder besser

In der Schule ist der Leistungsdruck hoch. Die richtige Motivation und ein ehrliches Lob unterstützen dein Kind in lernintensiven Phasen. Kinder brauchen ein positives Lernumfeld, in dem sie auch Fehler machen dürfen. Nur dann können sie angstfrei lernen und sich entfalten. Besser als Vorwürfe funktionieren Angebote, das Problem gemeinsam anzugehen: „Lass uns zusammen überlegen, wie du das nächste Mal weniger Rechtschreibfehler machst.“ Zeige deinem Kind, dass du auf seiner Seite bist und es auch mit seinen Schwächen annimmst.

Ein Patentrezept für das richtige Maß an Lob und Tadel gibt es nicht. Begleite dein Kind offen und unterstütze es ganz besonders dann, wenn es Fehler macht. Dadurch lernt es, seinen eigenen Weg zu gehen und seine Erfolge selbst zu beurteilen. Bis es soweit ist, schweißen euch gemeinsame Aktivitäten  und Familientraditionen zusammen – wie Basteln und Kochen in der Weihnachtszeit.  

Hast du Fragen zum Familienalltag oder zur Kindererziehung? Im Forum Eltern & Kind steht dir unser Expertenteam gerne zur Seite. Dort kannst du dich auch mit anderen Eltern austauschen.

Ratschläge und Tipps sind eine wunderbare Hilfestellung für das Zusammenleben mit Kindern, denn auch das Elternsein will gelernt und geübt werden. Trotzdem ist es immer gut, wenn du auf dein Bauchgefühl hörst. Du kennst dein Kind am besten und kannst einschätzen, was ihm wirklich guttut. Mit deiner Aufmerksamkeit, Geborgenheit und Nähe hat es schon hervorragende Voraussetzungen, um stark und selbstsicher durchs Leben zu gehen.