Richtig streiten: So löst du Konflikte konstruktiv
Familienleben

Richtig streiten: So löst du Konflikte konstruktiv

Streiten hat keinen guten Ruf. Von klein auf erziehen Eltern ihre Kinder dazu, Zoff zu vermeiden. Dabei gehört er zum Alltag und verbessert unsere Beziehungen zu anderen sogar. Schlucken wir unseren Ärger herunter, wird sich nichts an der unguten Situation ändern und der Groll bleibt. Wichtig bei einer Auseinandersetzung ist, sich an einige Umgangsformen zu halten – so entsteht eine konstruktive Streitkultur, die Konflikte löst statt schürt. Hier erfährst du, worauf es dabei ankommt:

Richtig streiten – die wichtigsten Regeln

Einander zuhören

Selbst wenn die Gemüter erhitzt sind, und du deine Argumente für die stichhaltigeren hältst: Unterbrich dein Gegenüber nicht und lass ihn ausreden, das ist ein Zeichen von Respekt. Lässt du dich nicht auf seine Ansichten ein, werdet ihr keinen Kompromiss finden. Wichtig: Bei großer Wut im Bauch erst einmal tief durchatmen, bevor du dich in den Konflikt stürzt.

Nicht pauschalisieren

Mit Formulierungen wie „nie“ und „immer“ löst du keinen Konflikt. Sie werden als Angriff wahrgenommen. Bleibe so konkret wie möglich und schildere, was dich in einer bestimmten Situation gestört hat. Achte dabei darauf, Kritik in „Ich-Botschaften“ zu verpacken. Auf „Mich hat es gestört, dass du mich deinen Bekannten in der Bar nicht vorgestellt hast!“ kann dein Gegenüber besser reagieren, als auf ein undifferenziertes „Nie stellst du mich vor!“

Sich Zeit nehmen

Ein Streit sollte nie zwischen Tür und Angel austragen werden. Das ist selten konstruktiv und garantiert nicht, dass ihr unter vier Augen seid. Plane das Gespräch in einer angenehmen Atmosphäre und ohne Zeitdruck. Vermeide dabei, den Streit vor Unbeteiligten auszutragen. Vor allem Kinder solltest du nicht mit hineinziehen.

Den anderen wertschätzen

„Was du sagst, ist Quatsch!“ oder ähnliche abwertende Sätze ruinieren eine konstruktive Diskussion. Auch Beschimpfungen oder Beleidigungen sollten vermieden werden. Schließlich willst auch du nicht so behandelt werden. Wer im Streit sehr aufbrausend wird, hat wahrscheinlich insgesamt ein zu hohes Stress-Level. Hier helfen Entspannungsübungen oder Meditation.

Kompromisse suchen

Ein Streit sollte nicht damit enden, einander Vorwürfe zu machen. Liefere einen konkreten Lösungsvorschlag oder einen Wunsch für die Zukunft und signalisiere Bereitschaft, dem Gegenüber entgegenzukommen. Sind alle Argumente ausgetauscht und ihr kommt dennoch nicht auf einen Nenner, sollte die Diskussion beendet werden. Wenn möglich, verabredet euch zu einem neuen Zeitpunkt, um noch einmal darüber zu sprechen. Mit etwas Abstand sehen die Dinge oft anders aus. Es kann auch helfen, vorher die wichtigsten Anliegen aufzuschreiben.

Einander verzeihen

Hat sich jemand aufrichtig entschuldigt, solltest du verzeihen können. Sei selbst auch bereit, eine Entschuldigung auszusprechen. Ist dies nicht möglich, steckt vielleicht mehr dahinter als der aktuelle Streit. Frage dich, warum du an den negativen Emotionen festhältst und spreche am besten mit Unbeteiligten darüber. Sie schätzen die Situation mit neutralem Blick meist anders ein.

Streit mit…

…dem Partner

Unordnung, Geld oder Kindererziehung – viele Berührungspunkte, viele Konflikte. In Partnerschaften ist es völlig normal, dass ab und zu Streitthemen entstehen. Dabei sollten sich Paare immer signalisieren: Ich bin gerade sauer auf dich, stelle uns aber nicht in Frage. Dies gelingt etwa durch körperliche Nähe, eine humorvolle Bemerkung oder indem du Verständnis für die Sichtweise des Partners zeigst.

Das besagt zumindest die 5:1-Formel des renommierten US-Paartherapeuten John Gottmann. Er stellte fest, dass es fünf positive Erlebnisse braucht, um eine Kränkung oder Verletzung wiedergutzumachen. Auch den Partner umzuerziehen, funktioniert nicht: Wer einen Morgenmuffel kennengelernt hat, wird nicht plötzlich neben einer Frohnatur am Frühstückstisch sitzen. Statt die Kraft auf unlösbare Konflikte zu verschwenden, kannst du dich bewusst an den positiven Eigenschaften des anderen erfreuen. Gelingt eine Annäherung nicht mehr, hilft vielen Paaren eine Gesprächstherapie.

…der Familie

Im Gegensatz zum Partner können wir unsere Eltern oder Geschwister nicht aussuchen. Wir fühlen uns eng mit ihnen verbunden, können aber trotzdem gelegentlich heftig aneinandergeraten. Oft kommt der Streit bei Familienfeiern an die Oberfläche und beschäftigt uns noch nach Monaten. In diesen Situationen müssen wir uns klarmachen: Es gibt Konflikte, die sich nicht lösen lassen. Und das ist in Ordnung so. Wir können aber dafür sorgen, dass es uns mit der Situation gut geht. Beispielsweise, indem wir uns aus immer wiederkehrenden Themen heraushalten und uns gar nicht auf eine Diskussion einlassen. Wer selbst Kinder hat, macht oft den Fehler, angelernte Verhaltensmuster weiterzugeben. Mach dir bewusst, dass du ein Vorbild für deine Kinder bist – und dafür, wie sie mit Konflikten umgehen.

…Kollegen

Am Arbeitsplatz treffen verschiedene Temperamente aufeinander. Da bleiben Reibungen nicht aus. Schwelen die Konflikte über längere Zeit, beeinträchtigt das die Atmosphäre und die Arbeitsleistung. Nicht selten kommt es zu Mobbing oder Ausgrenzung von Kollegen – das kann sogar krankmachen. Daher ist es wichtig, strittige Themen anzusprechen. Wenn der Büronachbar beispielsweise ständig privat telefoniert, sprichst du am besten unter vier Augen mit ihm. Versuche, nicht vorwurfsvoll zu sein. Schildere ihm aus der Ich-Perspektive, wie dich sein Verhalten beeinträchtigt. Bei größeren Auseinandersetzungen kann es sinnvoll sein, einen Vorgesetzten ins Boot zu holen. Das Ziel bei einem Streit unter Kollegen ist nicht, dass ihr beste Freunde werdet. Ihr solltet im Idealfall in der Lage sein, entspannt und unterstützend zusammenzuarbeiten.

Miteinander statt gegeneinander

Wenn du Streitthemen respektvoll, aber direkt ansprichst, handelst du immer richtig. Viele unterdrückte Konflikte eskalieren sonst irgendwann. Dann ist es schwer, eine sachliche Ebene zu finden. Wer schwierige Diskussionen anpackt, zeigt dem Gegenüber: Unsere Beziehung ist mir so wichtig, dass ich mit dir daran arbeiten möchte. Was aber, wenn ein heftiger Streit den Beteiligten über den Kopf wächst? Paare können sich dann Hilfe bei einem Beziehungstherapeuten suchen. Auch für Familien gibt es Angebote, beispielsweise Familientherapie oder ein gemeinsamer Kuraufenthalt.

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