Sicher durch die Kindheit
Warnsignale

Sicher durch die Kindheit

Unfälle zählen zu den größten Gesundheitsrisiken bei Kindern. Die meisten Unfälle ereignen sich dabei nicht einmal im Straßenverkehr, sondern in den eigenen vier Wänden oder in der Freizeit!

Meistens kommen die Kleinen mit ein paar Schrammen und einem großen Schrecken davon – es kann aber auch einmal weniger gut ausgehen. Gerade junge Eltern unterschätzen noch oft die Gefahren, die sich durch vermeintlich harmlose Situationen oder Gegenstände für ihr Kind ergeben können.

Unfälle vermeiden

Je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes verschiebt sich das Unfallrisiko von einem Bereich zum nächsten. So sind Gefahren im Haushalt für Babys und Kleinkinder am größten. Das hängt auch damit zusammen, dass sich Kleinkinder mehr zu Hause aufhalten und dort gewisse Risiken selbst noch nicht einschätzen können. Später verunglücken Kinder häufiger in Betreuungseinrichtungen oder auf Spielplätzen. Aber: Mit erhöhter Sensibilität und gezielten Vermeidungsstrategien kommen Kinder sicherer durch die Kindheit

Die folgenden Präventionsmaßnahmen können Eltern helfen, Kinderunfälle im Haushalt zu vermeiden:

  • Immer eine Hand am Baby lassen auf dem Wickeltisch
  • Das Baby nie unbeobachtet bzw. ungesichert lassen
  • Beim Verlassen des Zimmers: das Baby ins Bett oder auf den Boden legen
  • Beim Stillen keine heißen Getränke trinken
  • Fenster und Türen mit Schlössern bzw. Sicherheitsstoppern ausstatten
  • Steckdosen immer sichern
  • Keine losen Kabel herumhängen oder ‑liegen lassen
  • Tassen, Gläser etc. nicht an den Tischrand stellen
  • Reinigungsmittel, Medikamente, Zigaretten, Alkohol etc. immer einschließen
  • Herd und Backofen sichern
  • Töpfe immer nach hinten stellen bzw. Griff nach hinten drehen
  • Wasserkocher, Kaffeemaschine usw. außer Reichweite platzieren
  • Treppen absichern
  • Verschluckbare Gegenstände wegräumen
  • Elektrische Geräte wegräumen
  • Giftige Pflanzen wegräumen oder ausreichend abdecken
  • Balkon absichern und Kind nie allein dort spielen lassen
  • Messer, Scheren, Streichhölzer, Feuerzeuge usw. wegschließen
  • Schränke und Regale verankern
  • Kind nie unbeaufsichtigt in der Badewanne lassen

In der Freizeit gelten besondere Regeln:

  • Immer Helm auf beim Radfahren, auch auf dem Laufrad! Tipp: Vorbild sein – selbst Helm tragen
  • Im Straßenverkehr ausreichend auf andere Verkehrsteilnehmer achten! (Autos, Fahrradfahrer …)
  • Vorsicht vor Brunnen, Teich, Planschbecken usw.: Kleinkinder können schon in Pfützen ertrinken! Im eigenen Garten lieber den Teich oder Brunnen einzäunen
  • Fremde Tiere nicht anfassen, grundsätzlich langsam herantreten (auch um das Tier nicht zu gefährden)
  • Kinder nie allein im Auto lassen (besondere Vorsicht bei erhöhten Außentemperaturen!)
  • Vorsicht bei Kordeln, die an der Kleidung hängen: diese lieber entfernen (Strangulierungsgefahr!)

Bewegung fördert motorische Fähigkeiten

Kinder, die sich viel bewegen, können ihren Körper auch besser einschätzen. Bewegungsspiele, Ausflüge in die Natur oder einfach freies Toben fördern die motorische Entwicklung. Indem das Kind spielerisch und ganz nebenbei seine Koordination verfeinert und seine Balance trainiert, lernt es, auch auf Risiken besser zu reagieren. Es kann dann zum Beispiel Stürze besser abfangen. Kurz: Bewegung fördern kann das Unfallrisiko minimieren.

Und wenn trotzdem etwas passiert?

Alle diese Vorsichtsmaßnahmen können Kinderunfälle deutlich reduzieren. Dennoch wäre es nicht richtig, Kinder in Watte zu packen. Sie müssen und sollen auch ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie sollen schließlich zu verantwortungsbewussten Erwachsenen heranreifen. Wie könnten sie lernen, sich selbst richtig einzuschätzen, und ein Gefahrenbewusstsein entwickeln, wenn wir als Eltern ihre Entdeckerlust aus Angst unterbinden? Wichtig ist, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und ihm zu erklären, was in manchen Situationen passieren könnte. Spielerisch kannst du ihm Gefahrenquellen aufzeigen:

  • Den Unterschied zwischen heiß und kalt lernen: fest verschlossenes Fläschchen mit heißem Wasser und Eiswürfeln abwechselnd anfassen
  • Selbst erfahren, wie spitz eine Nadel ist (spielerisch in deinem Beisein)
  • Zusammen durch die Wohnung krabbeln und Gefahrenquellen erkunden (Backofen, Türen, Steckdosen etc.)

Und wenn doch mal ein Unfall passiert: ruhig bleiben! Erst einmal ein Bild von der Situation bekommen. Genügt es, die Wunde zu kühlen und ein Pflaster draufzukleben, oder ist es ernster? Im Zweifel solltest du lieber den Arzt oder in schwereren Fällen den Notarzt rufen. Im besten Fall gibt er Entwarnung.

In den Erste-Hilfe-Kursen für Babys und Kleinkinder der AOK Hessen lernen Erwachsene, wie sie in Notfällen am besten reagieren.