Tabuthema Periode – warum eigentlich?
Körperwissen

Tabuthema Periode – warum eigentlich?

Stelle dir vor, du wirst im Büro von deiner Periode überrascht. Würdest du laut durch den Raum rufen: „Ich habe meine Tage, hat jemand einen Tampon für mich?!“ Wohl eher nicht. Warum das so ist? Weil die Menstruation oft noch als peinlich, eklig und unhygienisch dargestellt wird. Und weil das Reden darüber als emotional und ungehemmt gilt. Außerdem halten sich noch immer eine Menge Mythen und Vorurteile rund um die Menstruation.

Läuft es bei dir? Schmerzen und Gefühlschaos

Die Monatsblutung hat ein schlechtes Image. Das ist abseits von falschen Vorstellungen nachvollziehbar. Viele Frauen leiden während ihrer Tage an Schmerzen im Unterleib, im Rücken oder Kopf. Noch dazu spielen die Hormone verrückt und sorgen für ein emotionales Chaos aus mieser Stimmung und Weinerlichkeit. Wohl gemerkt: Das kann, muss jedoch nicht bei jeder Frau so sein. Aber bei Schmerzen und Unwohlsein gibt es einfach nichts zu beschönigen. Deshalb sprechen viele Frauen auch nicht gerne über ihren Zustand.

Menstruation: Darüber spricht man nicht!

Deine Umgebung will oft auch nicht wirklich etwas darüber hören. Es macht immer noch einen Unterschied, ob eine Frau Nasenbluten hat oder ob ihr Blut aus der Körpermitte kommt. Bei der Menstruation entsteht es an einem intimen Ort, der sonst mit Kinderkriegen und Sex verbunden ist. Das sind nicht gerade Themen, über die Männer und Frauen gerne öffentlich sprechen.

Eine Studie des US-amerikanischen Kinsey Institute und der International Women’s Health Coalition aus dem Jahr 2016 liefert deutliche Zahlen: Demnach fühlen sich 77 Prozent der befragten deutschen Frauen unwohl, mit (männlichen) Klassenkameraden oder Kollegen über ihre Periode zu sprechen. Zudem sagten 16 Prozent, dass sie schon einmal während ihrer Monatsblutung zu Hause geblieben sind. Sie wollten nicht, dass jemand es bemerkt.

Mythos Menstruation: Einfluss von Werbung und Religion

Frauen untereinander sprechen meist ganz offen über ihre Menstruation. Doch gesellschaftlich akzeptiert ist das damit noch lange nicht. Das zeigt sich auch in der Werbung. Die meisten Anbieter von Hygieneartikeln vermeiden es, auch nur einen einzigen roten Blutstropfen zu zeigen. Gängige Farben der Produktverpackungen sind pink, rosa, lila, grün oder blau. Die Periode und das damit verbundene Monatsblut gelten immer noch als Makel und bleiben besser unsichtbar.

Ähnlich verhält es sich mit dem Mythos der „unreinen“ menstruierenden Frau. Der ist seit eh und je fester Bestandteil des Regelwerks aller großen Religionen, die lange Zeit das Leben und die Wertvorstellungen der Gesellschaft geprägt haben. In vielen Schriften aus dem Islam, Judentum, Christentum oder Buddhismus gilt das Menstruationsblut als unrein. Im Mittelalter hat man es sogar für Krankheiten wie Pest und Lepra verantwortlich gemacht.

Aufklärung in Elternhaus und Schule? Meist mangelhaft

Aufklären, jede Frage zulassen und miteinander reden – all das würde helfen, die Menstruation zu entmystifizieren. Doch leider scheitert es häufig schon am Elternhaus. Mädchen, die zum ersten Mal menstruieren, sprechen oft nur mit einer Person darüber – vorzugsweise mit ihrer Mutter oder einer Freundin. Für den Bildungsauftrag in Kitas und Schulen gilt immer noch: Aufklärung liegt in erster Linie in der Verantwortung der Eltern. So lernen Kinder und Teenies in Schulen zwar alles über Fortpflanzung und vieles über Verhütung. Doch Fragen danach, wie Mädchen mit ihrer Periode im Alltag umgehen, bleiben weitgehend ausgespart.

Fakten zur Periode: Man(n) weiß zu wenig

Mitschüler, Kollegen, Brüder oder Väter: Auch in deinem Umfeld gibt es bestimmt Männer, die erstaunlich wenig über die Menstruation wissen. Das liegt – wie bereits erwähnt – an der fehlenden Aufklärung in Elternhaus und Schule. Weil sie zudem zu wenig über die Periode wissen, begegnen manche Männer menstruierenden Frauen aus Unsicherheit mit blöden Sprüchen wie: „Du bist aber zickig! Hast du deine Tage?“ Vielleicht ist ihnen das Phänomen Menstruation nicht nur unangenehm, sondern auch unheimlich. Männer können schlecht nachvollziehen, wie sehr Hormone den Zyklus und damit auch den Gefühlshaushalt von Frauen beeinflussen. Aus fehlendem Wissen und mangelndem Verständnis erwachsen so Vorurteile.

Langsamer Wandel: Junge Frauen sind entspannter

Erfreulicherweise gibt es zwei neue Entwicklungen. Zum einen bieten immer mehr Hersteller alternative Menstruationsprodukte wie Periodenunterwäsche oder Menstruationstassen an: mit offensiv-frecher Werbung in blutroter Verpackung. Zum anderen sorgt eine langsam wachsende Offenheit dafür, dass vor allem junge Frauen entspannter mit ihrer Periode umgehen. Sie reden und diskutieren auch öffentlich darüber, zum Beispiel in sozialen Medien unter dem Motto „period positivity“ oder dem Hashtag „happytobleed“. Das gibt Hoffnung. Denn nur durch das Gespräch und den Austausch kann die Menstruation auf Dauer das sein, was sie ist: ganz normal!

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