Tipps vom Wassersommelier: So findest du dein Lieblingswasser
Esskultur

Tipps vom Wassersommelier: So findest du dein Lieblingswasser

Viel trinken ist gesund! Und Wasser sollte dabei eine wesentliche Rolle spielen. Ob mit oder ohne Kohlensäure, aus der Flasche, direkt aus dem Wasserhahn oder gefiltert. Ganz egal! Je besser dir das Wasser schmeckt, umso leichter fällt es auch, genügend zu trinken. Als Wassersommelier hat Birgit Kohler unser wichtigstes Lebensmittel zu ihrem Beruf gemacht. Im Interview spricht sie mit uns über die verschiedenen Geschmacksrichtungen von Wasser und erklärt, wie du dein Lieblingswasser findest.

Frau Kohler, was genau macht eigentlich eine Wassersommelier?

Wassersommeliers sind auf den Geschmack von Wasser spezialisiert. In der Gastronomie beraten sie die Gäste dabei, das passende Wasser zu Wein oder Speisen zu finden. Daneben gibt es auch Sommeliers wie mich, die in der Industrie tätig sind. Wasser ist für mich das spannendste und emotionalste Lebensmittel überhaupt. Zusätzlich zu meiner Qualifikation als Wassersommelier bin ich auch Ernährungswissenschaftlerin. Ich arbeite im Bereich Sensorik und betreibe tatsächlich Geschmacksforschung oder genauer: Wahrnehmungsforschung. Dazu gehört nicht nur, Wasser zu verkosten, sondern auch seine Vielfältigkeit wissenschaftlich zu erkunden und im Detail zu verstehen, wie Geschmack entsteht.

Es gibt also wirklich geschmackliche Unterschiede beim Wasser?

Oh ja! Es gibt sogar ganz deutliche Unterschiede. Doch oft fehlen uns einfach die Worte, um sie zu beschreiben. Wenn ich Wassertrainings gebe, frage ich Teilnehmer gleich zu Beginn: Wie sollte Wasser denn Ihrer Meinung nach schmecken und wie sollte es nicht schmecken? Diese Frage verändert die Sichtweise und führt zu einer Fülle von Antworten. Dabei wird allen klar: Okay, es gibt ja doch deutliche Unterschiede und jede Menge Aspekte! Wir sind es nur einfach nicht gewohnt, über Wasser zu sprechen.

Um es einfacher zu machen, die sinnlichen Empfindungen zu beschreiben, helfen uns drei sensorische Dimensionen. Die erste ist der Geschmack. Wir können beschreiben, ob etwas säuerlich, bitter, salzig oder süßlich schmeckt. Die zweite Dimension ist das Mundgefühl. Fühlt sich das Wasser im Mund geschmeidig, saftig oder austrocknend an? Ich trinke zum Beispiel etwas und habe danach gefühlt mehr Durst als vorher. Die dritte sensorische Dimension ist der Geruch. Auf unsere Nase kann Wasser zum Beispiel mineralisch, steinig, plastikartig oder auch muffig wirken. Je häufiger wir über diese Aspekte nachdenken und sie uns bewusst machen, desto leichter fällt es uns, mit der Zeit passende Worte dafür zu finden. Alles also eine Frage der Übung.

Das Wort „Sensorik“ ist nun schon mehrfach gefallen. Was genau steckt hinter diesem Begriff?

Sensorik ist die Messung von Sinneseindrücken. Wir alle schmecken, riechen, sehen, fühlen und hören auf eine eigene Weise. Unsere sensorische Wahrnehmung ist so einzigartig wie der Fingerabdruck. Keiner kann sagen, wie es sich in einem anderen Körper anfühlt. Die Sensorik hat zum Ziel, dieses subjektive Erlebnis objektiv messbar zu machen. Dazu arbeiten wir mit geschulten Testern, die gelernt haben, ihre Wahrnehmung in einer gemeinsamen Sprache auszudrücken. Beispielsweise finde ich salzig immer etwas seifig. Wenn ich also etwas seifig wahrnehme, weiß ich, unser gemeinsamer Begriff dafür ist salzig. So sammeln wir Aussagen darüber, wie Menschen Wasser bewerten. Diese Aussagen können wir anschließend statistisch erfassen.

Neben dem Geschmack hat Wasser natürlich auch viele gesundheitliche Aspekte. Wie sieht eine gesunde Flüssigkeitszufuhr aus?

Wasser ist die Grundlage für jede Form von Leben. In unserem Körper ist es für nahezu alle Prozesse des Stoffwechsels elementar. Es ist wichtiger Bestandteil unseres Blutes und trägt dazu bei, dass wir Nährstoffe lösen und im Körper transportieren können. Wasser ist Reaktionspartner vieler biochemischer Prozesse. Durch seine besonderen chemischen Eigenschaften hält es den pH-Wert im Gleichgewicht und reguliert unseren Flüssigkeitshaushalt. Das ist wichtig, damit unser Körper optimal funktionieren kann.

Mit mindestens 1,5 Litern Flüssigkeit pro Tag geben wir dem Körper die Grundlage, damit es ihm gutgeht und wir leistungsfähig sind. Wasser ist dazu ideal. Alternativ können Sie auch Tee trinken und sich ab und zu mal ein Glas Saft oder Saftschorle gönnen. Immerhin trägt auch Genuss dazu dabei, dass wir uns gut fühlen.

Getränke sollten wir möglichst in regelmäßigen Abständen über den Tag verteilt zu uns nehmen. Denn wenn wir Durst haben, ist es physiologisch gesehen eigentlich schon zu spät und der Körper befindet sich bereits im Ungleichgewicht. Mit dem Durstgefühl schlägt er Alarm. Flüssigkeitsmangel kann sich außerdem in Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen bemerkbar machen.

Wie finde ich das Wasser, das zu mir passt?

Das ideale Wasser ist genau das, von dem wir gerne viel trinken. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Probieren Sie einfach ein paar Varianten aus und beginnen Sie dabei mit Leitungswasser. Wenn es Ihnen nicht schmeckt, können Sie es mit Kohlensäure anreichern oder mithilfe von Filtern Kalk und andere geschmacksverändernde Stoffe neutralisieren. Besonders spannend kann es auch sein, Wasser mit der Familie oder im Freundeskreis zu verkosten. Achten Sie beim Probieren auf die angesprochenen sensorischen Dimensionen und besprechen Sie, was Sie empfinden. Sobald Sie Worte dafür haben, können Sie die Eigenschaften objektiv festhalten und vergleichen.

Leitungswasser ist also auch eine gute Option?

Ja, auf jeden Fall! Schon alleine aus Gründen der Nachhaltigkeit. Wir sparen uns die Verpackung, den Transport zum Handel und das Schleppen nach Hause. Außerdem ist jedes Leitungswasser ein regionales Produkt und ein echtes Geschenk! Unser wichtigstes Lebensmittel ist da, sobald wir den Hahn aufdrehen – mit einer ausgezeichneten Qualität. Gerade in Deutschland sind die Regularien und technischen Standards sehr hoch. Denn selbst bei einem Konsum über lange Zeit muss es vollkommen unbedenklich sein.

Im Alltag ist es nicht immer so leicht, ausreichend zu trinken. Haben Sie einen Tipp für uns?

Hier helfen vor allem zwei Aspekte: Sorgen Sie zum einen dafür, dass Wasser in Ihrem Alltag immer und überall verfügbar ist. Schaffen Sie Trinkrituale über den Tag verteilt. Legen Sie sich eine schöne Trinkflasche zu, die Sie den ganzen Tag lang begleitet. Oder wählen Sie sich ein witziges Wasserglas aus, das jedes Mal Freude bereitet, wenn Sie danach greifen. Gönnen Sie sich außerdem Abwechslung und bereiten Sie auch mal einen Tee zu. Der zweite Aspekt ist die eigene Haltung zum Wasser. Erkennen Sie darin keine Bürde, sondern machen Sie sich beim Trinken bewusst, was für ein Geschenk das Wasser ist. Das geht im Alltag gerne unter. Erst wenn es fehlt, fällt uns auf, welche Bedeutung es eigentlich für unser Leben hat. Und letzten Endes zählt natürlich, dass es Ihnen schmeckt. Dann ist das Trinken keine Pflicht, sondern eine Freude!

Frau Kohler, wir danken Ihnen ganz herzlich für das spannende Gespräch!

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Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.