Toleranz & Generation: Wie gehe ich mit meinen Eltern um?
Familienleben

Toleranz & Generation: Wie gehe ich mit meinen Eltern um?

Im Laufe der Jahre verändert sich das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern oft grundlegend. Eine Art Rollentausch vollzieht sich. Diejenigen, die vorher dafür zuständig waren, dass man wuchs und gedieh, die uns in frühen Jahren die Windeln wechselten, uns beibrachten, richtig mit Messer und Gabel zu essen, erfahren plötzlich ihre körperlichen wie geistigen Grenzen und sind ab sofort diejenigen, die Hilfe benötigen.

Völlig verändertes Leben

Diese Veränderung ist für beide Seiten nicht leicht. Wo Kinder plötzlich mit den Schwächen der Eltern klarkommen müssen, muss die ältere Generation erkennen, dass die Kraft nachlässt und sich das Leben nur noch deutlich weniger unabhängig gestalten lässt.

Hinzu kommt oft eine immer größere Diskrepanz zwischen beiden Generationen hinsichtlich der Lebensführung und der Prioritäten, die man setzt, um glücklich zu sein. Beide Seiten verstehen oft die Denkweise der jeweils anderen nicht.

Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Werte

Jede Generation kommt aus ihrer eigenen Zeit und der Weg in eine modernere Welt kann sich für die ältere Generation mitunter schwierig gestalten. Moralvorstellungen, Arbeitsweisen oder technische Entwicklungen können alte Menschen überfordern. Junge Menschen wiederum neigen dazu, nicht nachvollziehen zu können, warum Ältere in bestimmten Situationen einfach nicht mehr können und Entwicklungen verweigern.

Das Leben, wie es die junge Generation derzeit führt, empfindet sie selbst oft als zu schnell. Es bleibt kaum Zeit, um Luft zu holen. Wie empfinden erst die Eltern diese Zeit und unsere Art zu leben?

Dialog ist Basis für Verständnis und Respekt

Es ist immer wichtig, im Dialog zu bleiben, sich gegenseitig zu erklären, worin sich die Lebensumstände der beiden Generationen unterscheiden und was dies aktuell bedeutet. Verständnis und Toleranz braucht es von beiden Seiten.

Verantwortung zu übernehmen ist dennoch nicht immer leicht. Der schmale Grat zwischen Respekt und Respektlosigkeit muss erst einmal ausgelotet werden. Die Empfindungen der älteren Generation sind in diesem Falle nicht immer genau abzusehen und ein klares Wort kann viel Ärger und weitere Probleme nach sich ziehen.

Sensibilität und Verständnis müssen im Vordergrund stehen, auch wenn die Nerven manchmal blankliegen. Je kleiner die Möglichkeiten eines alten Menschen sind, sein Leben zu gestalten und zu genießen, desto größer wird auch gleichzeitig der Egoismus sein, seine Ziele zu erreichen. Verstehen sollte man hierbei, dass die Lebensrealität sich völlig unterscheidet. Das Gefühl einer tickenden Uhr, der Druck des Unerledigten, all diese Faktoren führen zu einer Menge Stress bei alten Menschen. Nicht umsonst erwecken gerade Rentner den Eindruck, nie Zeit zu haben, und fallen deshalb genau dort unangenehm auf, wo man warten muss. Wer kennt sie nicht, die alte Dame, die sich beim Bäcker ungeniert vordrängelt?

Auch hier gilt: Reden, reden, reden und verstehen, aber auch Grenzen setzen, wenn man nicht selbst auf der Strecke bleiben will.

Als Chance verstehen

In dieser Lebensphase der Eltern sollte man sich genau überlegen, was man sich zumuten kann. Gleichzeitig hat man die Gelegenheit, wie kaum zuvor im Leben, für die Jahre, in denen die Eltern für einen da waren, etwas zurückzugeben. Und was daraus resultiert, ist vor allem eines: ein gutes Gefühl und ganz viel Dankbarkeit.

Nützliche Tipps für einen generationenübergreifenden Familienalltag gibt es bei der AOK Hessen unter: www.familie.hessen.aok.de