Umgang mit depressiven Menschen: So kannst du helfen
Selbsthilfe

Umgang mit depressiven Menschen: So kannst du helfen

Es ist nicht einfach, einer nahestehenden Person, die an einer Depression erkrankt ist, Unterstützung und Halt zu bieten. Im Gegenteil, es kostet Kraft und manchmal quälen auch die Selbstzweifel: „Ist das, was ich tue, überhaupt richtig?“ Denn viele gutgemeinte Ratschläge zur Aufmunterung, die bei Gesunden wirken, nützen bei einer Depression nichts. Eines vorneweg: Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit einem depressiven Menschen. Jeder Erkrankte und jede Depression hat ihren ganz eigenen Charakter. Aber es gibt Empfehlungen von Psychologen und Ärzten, die dich im Umgang mit Betroffenen unterstützen.

Verstehe die Krankheit und zeige Verständnis

Je mehr du über die Anzeichen und die Auswirkungen einer Depression weißt, umso besser kannst du das Verhalten von depressiven Menschen verstehen. Informiere dich auch über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Dann kannst du deinen Angehörigen besser bei der Suche nach einem passenden Therapeuten unterstützen.

Akzeptiere die Depression als eine Krankheit

Der wichtigste Punkt im Umgang mit depressiven Menschen: Akzeptiere, dass sie wirklich krank sind. Der Betroffene ist nicht nur einfach schlecht drauf oder wehleidig. Seine Nervenbotenstoffe sind so verändert, dass er sich nicht mehr normal fühlen kann. Nimm die Erkrankung ernst, ohne zu dramatisieren, aber spiele die Erkrankung auf keinen Fall herunter. Versuche, ihm zu vermitteln, dass Hilfe möglich ist und dass es ihm in Zukunft wieder besser gehen wird.

Wer mag schon „gute Ratschläge“ hören?

Ratschläge wie sich „zusammenzunehmen“, sind bei einer Depression meist kontraproduktiv. Damit setzt du den Betroffenen eher unter Druck. Auch Vorschläge, einfach mal abzuschalten oder zu entspannen, helfen nicht weiter. Halte dich mit Aussagen wie „Das ist doch alles gar nicht so schlimm!” oder „Lach mal wieder!“ zurück. Das wirkt auf depressive Menschen eher frustrierend und kann dazu führen, dass sie sich noch unverstandener fühlen und weiter zurückziehen.

Unterstütze im Alltag, aber bevormunde nicht

Manchmal können betroffene Menschen ihren Alltag nur schwer bewältigen. Hier kannst du tatkräftig unterstützen, zum Beispiel die Wäsche waschen oder Arzttermine organisieren. Du kannst auch gemeinsame kleinere Aktivitäten vorschlagen: einen Spaziergang, zusammen einkaufen gehen oder gemeinsam kochen. Aber dränge deine Unterstützung nicht auf, bevormunde nicht. Zu viel Fürsorge tut weder deinem Angehörigen noch dir gut. Gib ihm einfach zu verstehen, dass du für ihn da bist, wenn er dich braucht.

Nimm den Betroffenen ernst

Depressive Menschen haben ihre ganz eigene Sicht auf die Welt, die für Gesunde oft nicht nachvollziehbar ist. Trotzdem ist es wichtig, sie ernst zu nehmen. Du solltest die Sorgen also nicht als grundlos oder übertrieben abtun. Dadurch fühlen sich depressive Patienten oft nur gekränkt oder unverstanden. Zeige Verständnis und Zuneigung. Höre aktiv zu und suche selbst das Gespräch. Sätze wie „Du bist mir wichtig!“ oder „Wir schaffen das zusammen!“ können viel Kraft geben und vielleicht schrittweise helfen, wieder am Leben teilzunehmen.

Sei geduldig und einfühlsam

Eine Depression zu heilen braucht oft Zeit. Manchmal geht es drei Schritte vor und zwei zurück. Deshalb solltest du keine zu hohen Erwartungen haben und nicht ärgerlich reagieren, wenn es Rückschläge gibt. Sei sensibel gegenüber dem, was für deinen Angehörigen zum jeweiligen Zeitpunkt möglich ist und was nicht. Depressive Menschen brauchen in dieser Zeit jemanden, der stellvertretend für sie Hoffnung hat. Deshalb bestärke deinen Angehörigen immer wieder, wenn er Dinge schafft, die ihm zuvor unmöglich erschienen.

Trotz allem: Setze deine eigenen Grenzen

Es kann passieren, dass dein Verwandter oder Freund dich zurückweist und mit abwertenden Äußerungen verletzt. Das hat aber nichts mit dir persönlich zu tun, sondern gehört zum Krankheitsbild. Im Umkehrschluss bedeutet es aber nicht, dass du alles, z.B. aggressives Verhalten, tolerieren musst. Setze klare Grenzen, um dich selbst zu schützen. In solchen Situationen kann es helfen, deine Freunde oder Familie um Rat zu bitten.

Achte auf deine Gesundheit, überfordere dich nicht!

Der Umgang mit depressiven Menschen kostet viel Kraft. Gehe sorgsam mit deinen Kräften um und achte auf deine Belastungsgrenzen. Ganz wichtig: Nimm dir Auszeiten. Triff dich mit Freunden, pflege deine Hobbys und gönne dir selbst mal etwas Gutes. Versuche, gelassen zu bleiben – auch wenn es manchmal schwerfällt. Nur wenn du selbst gesund bist, kannst du einen depressiven Patienten optimal unterstützen.

Auch du bist nicht allein – nimm Hilfsangebote wahr

Wenn du jemanden unterstützt, seine Depression in den Griff zu bekommen, kann es passieren, dass du dich überlastet fühlst. Zum Glück gibt es auch professionelle Hilfe, Beratung und Betreuung für Angehörige und Freunde von Betroffenen. Das kann ein Onlineforum, eine psychotherapeutische Unterstützung oder eine Selbsthilfegruppe sein. Die gibt es speziell für Angehörige psychisch Erkrankter. Hier kannst du dich mit anderen Betroffenen austauschen und über deine eigene Gefühlslage sprechen. Auch Onlineprogramme können dir eine Stütze sein. Denn alles, was dich entlastet, hilft auch demjenigen, um den du dich sorgst.

Mit dem Onlineprogramm Familiencoach Depression unterstützt dich deine AOK, den Alltag mit einem depressiv erkrankten Familienmitglied zu bewältigen. In Kurzfilmen erfährst du, was Angehörigen häufig Schwierigkeiten bereitet. Mit praktischen Tipps und weiteren Filmen zeigen wir dir dann, wie du damit umgehen kannst.

Viel Kraft und positive Gedanken wünscht dir deine AOK-Hessen.