Unterzuckerung ohne Diabetes: erkennen und gegensteuern
Körperwissen

Unterzuckerung ohne Diabetes: erkennen und gegensteuern

Eine Unterzuckerung verursacht meist Zittern, Herzklopfen oder Schwindelgefühle. So zeigt dein Körper, dass er schnell Energie benötigt. Hier kannst du dir einfach mit Traubenzucker behelfen. Wer jedoch wiederholt an solchen Symptomen leidet, sollte dies besser vom Arzt abklären lassen. Unterzuckerung kann ein Hinweis auf verschiedene Erkrankungen sein. Wie gut, dass dein Körper dich mit deutlichen Signalen warnt. Noch besser, wenn du weißt, was dann zu tun ist.

Blutzuckerspiegel: Komfortzone von Mensch zu Mensch verschieden

Bei einer Unterzuckerung fehlt dem Köper meist Energie. Ursache kann eine fehlende Mahlzeit in Verbindung mit körperlicher Anstrengung sein. Dann treten die typischen Symptome für Unterzuckerung wie Schwitzen, Zittern oder Schwindel auf. Manche Menschen spüren schon, wenn ein Deziliter Blut weniger als 70 mg Zucker enthält. Bei anderen hört die Komfortzone bereits bei 80 mg oder auch erst bei 60 mg auf. Zittern und Herzklopfen sind bei solchen Werten allerdings nur Symptome für eine einfache Unterzuckerung. Eine schwere Unterzuckerung wird auch als Hypoglykämie bezeichnet und beginnt, wenn dein Blut weniger als 40 mg Zucker pro Deziliter enthält.

Wie es um deinen Blutzuckerspiegel bestellt ist, kannst du zum Beispiel in Apotheken bestimmen lassen. Um die ermittelten Werte richtig interpretieren zu können, ist es wichtig zu wissen, wann deine letzte Mahlzeit war. Sonst wunderst du dich eventuell über extreme Werte. Die Mitarbeiter in der Apotheke beraten dich gerne, wann ein guter Zeitpunkt für einen Test ist. Wenn du merkst, dass deine Zuckerwerte immer wieder nach unten gehen, solltest du deinen Gesundheitszustand von einem Arzt beurteilen lassen. Er kann mit dir besprechen, ob ein Blutzuckermessgerät für dich sinnvoll sein kann.

Schnelle Hilfe bei leichterem Unterzucker

Im Zuckertief läuft dein Gehirn Sturm und setzt verschiedene Botenstoffe ab. Damit löst er eine Alarmreaktion im Körper aus, die sich durch Schwindelgefühle, Heißhunger, Schweißausbrüche oder sogar Sehstörungen ausdrückt. Dein Körper gibt dir zu verstehen: „Hallo, ich benötige sofort etwas Energie!“ Bei einer leichten Unterzuckerung – meist 40 bis 50 mg/dl – kannst du dir schnell selbst helfen. Schon ein Traubenzucker oder etwas gesüßter Tee bzw. Obstsaft erhöhen deine Blutzuckerwerte. Wenn möglich solltest du nach 15 Minuten deinen Blutzuckerspiegel erneut überprüfen. Liegt er immer noch nicht höher als 50 bis 60 mg/dl, dann greife erneut zum Traubenzucker oder Süßgetränk. Hat sich dein Blutzuckerwert gebessert, solltest du ihn mit einer kleinen, kohlenhydrathaltigen Mahlzeit stabilisieren. Ideal ist ein gesüßter Joghurt, ein Stück Brot oder Obst.

Erste Hilfe bei einer schweren Unterzuckerung

Bei schwerer Hypoglykämie sind Betroffene auf fremde Hilfe durch Ersthelfer angewiesen. Ist der Betroffene noch bei Bewusstsein, sieht die Erste Hilfe ähnlich wie bei der leichten Unterzuckerung aus: Gib ihm schnell verwertbare Kohlenhydrate (bevorzugt in Form von Traubenzucker oder gezuckerten Getränken), wenn möglich kontrolliere den Blutzuckerspiegel und stabilisiere ihn mit einer kleinen Mahlzeit. Ist der Betroffene hingegen bewusstlos, rufe bitte sofort einen Rettungswagen. Bringe den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage und folge den Anweisungen der Rettungsleitstelle. Kommt der Betroffene wieder zu sich, kannst du ihm Traubenzucker oder süße Getränke geben.

Bei Diabetes ständiges Risiko – aber Extra-Thema

Diabetiker wissen um das Risiko der Unterzuckerung. Sie brauchen außerdem noch viel schneller als du etwas in den Magen: 6 Traubenzuckerplättchen, 120 ml Saft oder 8 Stück Würfelzucker. Andernfalls kann sich aus einer leichten ganz schnell eine schwere Unterzuckerung entwickeln. Dann muss der Notarzt gerufen werden, man kommt in die Klinik – insgesamt ein großes Thema, das diesen Artikel sprengen würde. Darum geht es hier nur um Unterzuckerung ohne Diabetes.

Unterzuckerung als Hinweis auf andere Erkrankungen

Hast du die Symptome einer Unterzuckerung öfter, kann das auf einen unentdeckten Diabetes (Zuckerkrankheit) hinweisen. Aber auch andere Erkrankungen können ursächlich sein:

  • Ein gutartiger Tumor an der Bauchspeicheldrüse (Insulinom), der in großen Mengen das Hormon Insulin freisetzt, kann Unterzuckerung auslösen. Dieses Hormon wird benötigt, um Zucker in die Zellen zu transportieren – und eigentlich nur dann produziert, wenn es Zucker zu verarbeiten gibt. Ein Tumor würde also Insulin herstellen, ohne dass Bedarf besteht. Woraufhin dein Gehirn signalisiert, dass zu wenig Zucker im Blut ist. Diese Art von Tumor kann operativ entfernt werden.
  • Denkbar sind außerdem Erkrankungen von Leber, Schilddrüse oder Nebennierenrinde.
  • Fructoseintoleranz oder eine Magenentleerungsstörung kann ebenfalls eine Ursache sein.
  • Ein weiterer Grund für ein Zuckertief kann übermäßiger Alkoholkonsum sein. Denn Alkohol hindert die Leber daran, mit der Neubildung von Zucker einer Unterversorgung angemessen gegenzusteuern (Gluconeogenese). Im Alkoholrausch werden die Symptome oft nicht wahrgenommen und der Zuckerspiegel sinkt weiter. Bist du betrunken, kannst du die Symptome eines Zuckertiefs eventuell auch gar nicht mehr spüren. Reagierst du zu spät oder gar nicht, kann das zur Gefahr werden.

Unterzucker als Ernährungsbarometer

Eine mögliche Ursache für Unterzuckerung ist falsche Ernährung. Hier ein paar Beispiele:

  • Aufgrund einer Diät isst du zu wenig.
  • Aus Zeitmangel isst du zu selten.
  • Du machst viel Sport. Bitte iss vorher eine Kleinigkeit.
  • Du isst zu einseitig, vor allem schnell verdauliche Kohlenhydrate.

Teufelskreis Zucker: Zu viel ist schnell zu wenig

Unser schneller Lebensstil sorgt oft dafür, dass wir zu wenig, zu viel auf einmal oder zu unregelmäßig essen. Oder zu ungesund. Schnell verdauliche Kohlenhydrate stecken vor allem in Süßigkeiten, Weißmehlgebäck, Saft und Softgetränken. Diese lassen den Blutzucker schnell ansteigen, was erst mal neue Kraft gibt. Aber auch der Insulinpegel steigt und der Zucker aus dem Blut verschwindet sofort in den Zellen, sodass der Hunger oftmals noch nicht gestillt ist. Besser sind darum Kohlenhydrate, die der Körper langsam verwertet. Sie stecken zum Beispiel in Vollkornprodukten, Gemüse, Milchprodukten, einigen Obstsorten und Hülsenfrüchten. Solche Lebensmittel sorgen dafür, dass Insulin nicht stoßweise, sondern kontinuierlich ausgeschüttet wird und der Blutzuckerspiegel länger stabil bleibt. Willst du einer Unterzuckerung vorbeugen, ist zum Beispiel ein Vollkornbrot mit Käse eine gute Wahl.

Typisch: erst Sport, dann Bier, dann unterzuckert

Kritisch wird es mit dem Blutzuckerspiegel, wenn du länger nichts isst, aber viel Sport machst und anschließend ein Bier trinkst. Dann nimmt dein Körper nämlich sofort den Zucker aus dem Bier auf. Ist der verbraucht, wird der Zuckerspeicher in der Leber angezapft. Weil du Alkohol getrunken hast, kann die Leber den Zucker aber nicht so gut freisetzen. So entsteht eine Unterzuckerung. Darum: Iss rechtzeitig was. Ärzte empfehlen übrigens, über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu essen, die aus langsam verwertbaren Kohlenhydraten bestehen.

Essen für einen stabilen Blutzuckerspiegel

Du hast mit Unterzuckerung zu tun und bist ansonsten gesund? Stelle doch mithilfe unserer Experten mal deine Ernährung auf den Prüfstand. Informiere dich auch über die sieben größten Zuckerfallen oder darüber, wie viel Zucker vertretbar ist.

Bitte beachte, dass unser Artikel eine medizinische Beratung und Behandlung nicht ersetzen kann. Wenn du dich krank fühlst, suche bitte unbedingt einen Arzt auf.

Einen konstanten Zuckerspiegel und gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.