Verstopfung: Wenn der Darm schlappmacht
Körperwissen

Verstopfung: Wenn der Darm schlappmacht

Fast jeder fünfte Deutsche leidet an Verstopfung. Typische Symptome sind Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen. Eine Verstopfung (Obstipation) kann jeden treffen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Schuld daran ist meist ein zu träger Dickdarm. Doch dagegen gibt es einfache Vorbeugemaßnahmen und wirksame Hilfen. Wir geben dir Tipps, wie du deine Darmtätigkeit wieder ankurbeln und so für eine gute Verdauung sorgen kannst.

Wie kommt es zu einer Verstopfung?

Unser Darm leistet täglich Schwerstarbeit, damit unser Körper alle lebenswichtigen Bestandteile aus der Nahrung erhält. Der Dickdarm ist dabei die letzte Station im Verdauungsprozess. Während der Nahrungsbrei den Darm passiert, wird ihm Wasser entzogen, er dickt ein. Dieser Speisebrei, auch Stuhl genannt, sammelt sich im Enddarm, bis die Menge ausreicht, um über die Darmwand den Entleerungsreflex auszulösen. Im Falle einer Verstopfung funktioniert das nicht. Der Nahrungsbrei wird sehr träge transportiert und verweilt länger im Darm. Je länger das dauert, umso größer ist der Wasserentzug. Der Stuhl wird zu trocken, verhärtet und hat zu wenig Volumen. All das erschwert den Stuhlgang.

Akut oder chronisch verstopft?

Tritt eine Verstopfung nur vorübergehend auf, spricht der Arzt von einer akuten Obstipation. Sie ist meist völlig harmlos. Häufig passiert das auf Reisen, in Stresssituationen oder wenn du krank im Bett liegst. Solche Verstopfungsphasen verlaufen in der Regel kurz und milde. Leidest du öfter an Verstopfung, kann das an der Ernährungsweise liegen. Eine zucker- und fettreiche Ernährung mit wenig Ballaststoffen und vielen Weißmehlprodukten kann langfristig zu einem trägen Darm führen. Dann kann eine Verstopfung zum Dauerthema werden.

Eine chronische Obstipation liegt vor, wenn eine Verstopfung über mehrere Wochen anhält. Meist treten mindestens zwei der folgenden Symptome auf:

  • weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
  • starkes Pressen bei der Darmentleerung
  • geringe Stuhlmenge, unvollständige Darmentleerung
  • Stuhl hart und klumpig
  • schmerzhafter Stuhlgang, Blutungen und Risse im Analbereich
  • Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen

Die Ursachen für einen trägen Dickdarm sind vielfältig. Häufig entstehen die Darmbeschwerden durch zu wenig Bewegung, Flüssigkeitsmangel oder eine Fehlernährung. Aber auch Medikamente und Krankheiten können eine Verstopfung auslösen.

Verstopfung hat vielfältige Ursachen:

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr
  • ballaststoffarme Ernährung
  • fieberhafter Infekt
  • Bewegungsmangel, Bettlägerigkeit
  • Stress, psychische Belastungen
  • Schichtarbeit
  • Verkneifen vom Toilettengang
  • Nebenwirkungen von Medikamenten wie Blutdrucksenker, Antidepressiva, Eisenpräparate und Mittel gegen Sodbrennen
  • hormonelle Schwankungen durch Schwangerschaft, Regelblutung und Wechseljahre
  • Beckenbodenschwäche
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Kaliummangel
  • neurologische Erkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose oder Parkinson
  • Reizdarmsyndrom
  • mechanische Darmerkrankungen wie Polypen, Darmausstülpungen (Divertikel), Entzündungen oder Darmkrebs

Komplikation Kotstau – selten, aber nicht ungefährlich

Meistens sind Verstopfungen unangenehm, aber harmlos. In seltenen Fällen können sie aber auch zu Komplikationen führen. Bei einer hartnäckigen Verstopfung kann der Stuhl so stark eingedickt sein, dass sich sogenannte Kotsteine bilden, die den Darm verschließen – eine spontane Stuhlentleerung ist dann nicht mehr möglich. Als Folge kann es zu einem Kotstau (Koprostase) kommen. Unbehandelt kann ein Kotstau zu einem Darmverschluss, Entzündungen der Darmwand oder Darmrissen führen und muss daher unbedingt ärztlich behandelt werden.

Wann zum Arzt?

Du solltest zum Arzt gehen, wenn eine Verstopfung aus unerfindlichen Gründen längerfristig anhält und bewährte Hausmittel nicht anschlagen oder wenn Blut im Stuhl ist. Gleiches gilt, wenn die Verstopfung ganz plötzlich eintritt und gleichzeitig Symptome wie starke Bauchkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Das könnten Hinweise auf einen Darmverschluss sein.

Wenn du an Verstopfung leidest, verraten dir unsere sieben Expertentipps für eine gute Verdauung, was du tun kannst, um deine Verdauung wieder in Schwung zu bringen. Wie genau dein Darm funktioniert und welche wichtige Rolle er in deinem Körper spielt, erfährst du außerdem in unserem Video rund um den Darm.

Solltest du dir Gedanken um deine Darmgesundheit machen, berät dich deine AOK gerne und bietet dir zum Beispiel ein hilfreiches Programm zur Früherkennung von Darmkrebs.

Bitte beachte, dass dieser Artikel einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen kann. Bei Schmerzen oder akuten Symptomen solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.