Vollmachten: Welche benötige ich in der Pflege?
Pflege

Vollmachten: Welche benötige ich in der Pflege?

Mit voranschreitendem Alter der eigenen Eltern verändert sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern deutlich. Die Beschützer von einst werden plötzlich zu Schutzbedürftigen. Kleinere und größere Gebrechen führen zu weniger Selbstständigkeit und geringerer Mobilität. Der Aktionsradius schrumpft und gleichzeitig wachsen die Ängste, wie es nun weitergehen soll. Hier ist es sinnvoll, bereits früh mit den Eltern zu reden. Wer soll sich um die Belange der älteren Generation kümmern?

Wie kann im Falle einer Krankheit eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, Entscheidungen im Sinne der Eltern zu treffen?

Vollmachten geben hier beiden Seiten eine sowohl rechtliche als auch emotionale Sicherheit. Dennoch ist es kein einfacher Weg, die eigene Souveränität im Ernstfall an jemand anderen zu übertragen. Das Gefühl, die eigene Unabhängigkeit zu verlieren, ist häufig stärker, als die Sicherheit, dass alles geregelt ist. Es braucht also oft einige behutsam geführte Gespräche, um hier zum Ziel zu kommen. Es gilt hier, diese Gespräche früh genug zu beginnen, d. h. in Zeiten zu führen, wenn die Eltern noch fit genug sind, ihre Entscheidungen ohne Hast zu treffen.

Was bedeutet eigentlich „Vollmacht“?

Vollmacht bedeutet, dass der Bevollmächtigte für den Vollmachtgeber so handeln darf, als täte dieser es selber, wobei der Handlungsbereich, in dem sich der Bevollmächtigte bewegen darf, vorher klar definiert werden kann. Eine Vollmacht ist keine Entmündigung und die Erteilung erfolgt immer freiwillig. Sie umfasst ausschließlich den Willen des Vollmachtgebers. Eine Vollmacht kann formlos erteilt werden. Damit sich beide Seiten gut fühlen, empfiehlt es sich jedoch, eine notarielle Vollmacht anfertigen zu lassen. Diese gilt für alle relevanten Behörden sowie Banken und hilft auch, wenn es um diverse andere Geschäfte geht, die im Sinne der Eltern durchgeführt werden sollen.

Regelungen zu medizinischen Fragen

Um voll und ganz für deine Eltern da sein zu können, ist es ebenfalls sehr wichtig, dass du handlungsfähig bist, wenn eine medizinisch relevante Entscheidung getroffen werden muss. Besonders wichtig ist hier die Befreiung der Ärzte von der medizinischen Schweigepflicht.

Wichtig auch im Todesfall

In Deutschland kann eine Vollmacht auch über den Tod des Vollmachtgebers hinaus gültig bleiben, was im Todesfall alle Erledigungen wesentlich erleichtert. Auch eine Klärung hinsichtlich der Bestattungswünsche kann ergänzend niedergeschrieben werden. Hier gibt es oft Unklarheiten darüber, welchen Weg der Verstorbene bevorzugt hätte.

Widerruf jederzeit möglich

Jede Vollmacht kann vom Vollmachtgeber jederzeit widerrufen werden. Ein Umstand, auf den du in jedem Gespräch hinweisen solltest. Das Gefühl deiner Eltern, ihren eigenen Willen zu verlieren, wird wahrscheinlich da sein.

Wichtig: Erkläre ihnen, dass sie dennoch handlungsfähig bleiben. Der Vollmachtgeber kann danach in jeder Einzelentscheidung anders entscheiden als der Bevollmächtigte. Der Bevollmächtigte bleibt damit weisungsgebunden.

Sicherheit durch vertraute Menschen

Wenn ein Bevollmächtigter vorhanden ist, der die Interessen des Vollmachtgebers vertritt, ist die Anordnung einer Betreuung durch das Betreuungsgericht unnötig und wird in der Praxis nur in Einzelfällen stattfinden. So ist gewährleistet, dass die bevollmächtigte Person die Person nach Wahl ist, zu der man Vertrauen hat, die man kennt und der man im Zweifel zutraut, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Kosten

Eine notarielle Vollmacht kostet Geld. Die Notargebühren errechnen sich aus dem Geschäftswert, der sich wiederum an dem Vermögen des Vollmachtgebers orientiert. Als groben Richtwert kann man von 20 Euro bis 80 Euro ausgehen. Also ein eher geringer finanzieller Aufwand für solch eine sinnvolle Entscheidung.

Wichtige Ergänzung: Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht

Eine Vollmacht soll vor allem dann gelten, wenn man nicht in der Lage ist, für sich selbst zu entscheiden. Dies kann vor allem bei akuter Krankheit der Fall sein. Vor allem der starke Anstieg von Demenzerkrankungen führt heute zu einer steigenden Zahl alter Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Wer sicherstellen will, dass eine Person seines Vertrauens die Betreuung übernehmen soll, der muss unbedingt eine sogenannte Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht erteilen und sollte diese auch bei der Bundesnotarkammer in Berlin hinterlegen.

Wenn du weitere Infos zu diesem Thema suchst, gucke doch hier einmal, oder klicke hier für die Blankovollmacht Pflege.

Weitere Newsletter Themen: